MTV wird ab 2018 wieder ein Free‑TV‑Programm

12.09.2017 • Das deutschsprachige Programm des US-amerikanischen Musikfernsehsenders MTV wird Anfang Januar 2018 wieder unverschlüsselt als frei empfangbares Angebot verbreitet. Das gab das in Berlin ansässige Unternehmen Viacom International Media Networks (VIMN), zu dem MTV gehört, am 14. August bekannt. Der Viacom-Konzern, der als Tochterunternehmen VIMN betreibt, hat seinen Sitz in New York. Zum 1. Januar 2011 war MTV in Deutschland in einen Pay-TV-Sender umgewandelt worden. Als Free-TV-Angebot wird das MTV-Programm hierzulande künftig aber nur in der digitalen Standardauflösung (SD-Qualität) zu sehen sein. Ausgestrahlt wird das Programm dann beispielsweise über das Astra-Satellitensystem.

Ende Januar 2014 hatte MTV die Verbreitung seines Programms in SD-Qualität eigentlich beendet und auf eine Ausstrahlung nur noch in hochauflösender Bildqualität (HD) gesetzt. Der Empfang von MTV HD ist – wie auch der von den meisten anderen Privatsendern in der HD-Variante – nur gegen zusätzliches Entgelt möglich, etwa im Rahmen von Paketangeboten über Kabelnetzbetreiber wie Unitymedia und Vodafone Kabel Deutschland oder über IPTV-Plattformen wie die der Deutschen Telekom, von Vodafone oder waiptu.tv (Freenet). MTV HD wird außerdem weiterhin via Satellit über die kostenpflichtige TV-Plattform HD plus, ein Tochterunternehmen des europäischen Satellitenbetreibers Astra, zu empfangen sein.

Werbeeinnahmen steigern

Die Entscheidung, den Musikfernsehkanal ab Anfang 2011 für alle Verbreitungswege (Kabel, Satellit, IPTV) als Pay-TV-Programm auszustrahlen, war aus wirtschaftlichen Erwägungen getroffen worden. Begründet wurde diese Maßnahme vom Unternehmen damals vor allem damit, dass man „eine besser ausbalancierte Verteilung der Erlöse“ anstrebe (vgl. FK-Heft Nr. 40/10). Das bedeutete, neben den Einnahmen aus dem Verkauf von Werbezeiten, dessen Erfolg wiederum von der allgemeinen konjunkturellen Lage abhängt, sollten stabile Einnahmen aus der Vermarktung als Bezahlprogramm erzielt werden. Der deutsche Schwesterkanal Viva, der 2004 von MTV übernommen worden war (vgl. FK-Heft Nr. 28/04), blieb weiterhin ein Free-TV-Programm und sollte zum „Schaufenster“ der MTV-Gruppe im frei empfangbaren Fernsehen werden, wie es seinerzeit hieß.

Die Entscheidung, MTV in der SD-Version ab Januar 2018 unverschlüsselt zu verbreiten, hängt mit einer Maßnahme vom März dieses Jahres zusammen. Seit diesem Zeitpunkt ist das MTV-Programm bereits über seine Internet-Seite kostenfrei als Livestream zu empfangen. Da dies von den „Zuschauern hervorragend angenommen wurde, ist die unverschlüsselte Verbreitung von MTV ab kommendem Jahr jetzt der nächste wichtige Schritt“, erklärte Mitte August Viacom-Manager Mark Specht. „Mit Unterhaltungsshows wie ‘Catfish’ und ‘Geordie Shore’ greifen wir den Zeitgeist der jungen Zielgruppe auf und geben ihr eine Stimme“, so Specht weiter. Der 44-Jährige führt seit September 2014 als General Manager die Geschäfte von Viacom International Media Networks in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Letztlich soll die unverschlüsselte Verbreitung des deutschsprachigen MTV-Programms in der SD-Version dazu führen, mehr Zuschauer als bisher zu erreichen, um dadurch in der Folge höhere Werbeeinnahmen zu erzielen. Der Großteil der hiesigen kommerziellen Free-TV-Anbieter lässt sein Programm nur in der SD-Version unverschlüsselt verbreiten; für den HD-Empfang dieser Programme müssen Kunden an die jeweiligen Netz- bzw. Satellitenbetreiber zusätzliche Gebühren entrichten, von denen die Privatsender wiederum einen Anteil erhalten. Auf dieses Modell schwenkt ab Januar 2018 auch MTV um.

Seit wenigen Wochen ist mittels der neu gestalteten App „MTV-Play“ auch der kostenlose Abruf des MTV-Livestreams über mobile Endgeräte möglich. Diese App gibt es für Endgeräte mit den Betriebssystemen iOS (Apple) und Android. Bei dem deutschsprachigen MTV-Kanal, der ab Januar 2018 in der SD-Version frei empfangbar sein wird, handelt es sich im Übrigen seit Oktober 2015 um das Programm, das für die Schweiz produziert wird. Damals ersetzte das schweizerische MTV-Programm das eigenständige deutsche MTV-Angebot, das Ende September 2015 eingestellt worden war.

12.09.2017 – vn/MK