MABB startet im Januar 2018 „Media Policy Lab“ in Berlin

16.11.2017 • Im Rahmen der Sitzung des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) am 13. November haben Staatssekretär Björn Böhning (SPD), Chef der Berliner Senatskanzlei, und MABB-Direktorin Anja Zimmer einen „Letter of Intent“ für ein „Media Policy Lab“ der Medienanstalt unterzeichnet. Das teilte die in Berlin ansässige MABB am selben Tag mit. „Wir möchten in Fragen der Sicherung von Medienvielfalt im digitalen Zeitalter eng zusammenarbeiten, Synergien schaffen und die öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Thema fördern, da wir einen erhöhten Forschungsbedarf in diesem Bereich sehen“, so Anja Zimmer. Das Media Policy Lab solle im Januar 2018 gestartet werden. Staatssekretär Björn Böhning erklärt laut MABB-Mitteilung: „Es war und ist Wunsch des Senats, im Dialog mit der Medienanstalt einen medien- und netzpolitischen Think Tank in Berlin einzurichten.“

Das Media Policy Lab ist laut MABB ein von der Medienanstalt initiiertes Projekt, „das sich mit Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten zur Vielfalts- und Qualitätssicherung im digitalen Zeitalter“ beschäftigen soll. Dem Media Policy Lab komme „dabei als Labor für digitale Vielfalt die Rolle eines Inkubators, Impulsgebers und Vermittlers zu“, so die MABB. Ziel des Media Policy Labs sei es unter anderem, einen „unabhängigen Dialog über die Zukunft der digitalen Vielfalt“ zu entwickeln und eine „wissensbasierte gesellschaftliche Debatte“ zu befördern. Die Ergebnisse des Media Policy Labs würden „für die Öffentlichkeit und für einzelne Stakeholder zielgruppengerecht aufbereitet“. Wer diese sogenannten „Stakeholder“ für das Media Policy Lab sein sollen, wurde nicht mitgeteilt.

Den MABB-Angaben zufolge startet das Media Policy Lab im kommenden Jahr mit einer Auftaktveranstaltung in den Räumen des Offenen Kanals „Alex Berlin“. Dabei werde auch ein „Manifest für digitale Medienvielfalt“ vorgestellt. Darüber hinaus beabsichtigen die Initiatoren Studien und Gutachten zu den Themen des Media Policy Labs durchzuführen und ein „White Book“ herauszugeben. Ein Beirat soll das Media Policy Lab begleiten. Wer Mitglied in dem Beirat ist bzw. sein soll, wurde ebenfalls nicht mitgeteilt.

Die Medienpolitik des Berliner Senats steht seit Jahren wegen zahlreicher Pleiten und Missgeschicke unter Druck, auch bei der MABB gab es eine Posse um die Nachfolge des langjährigen Direktors Hans Hege, der noch im Pensionsalter über geraume Zeit sein eigenes Amt verwalten musste, bis im November 2015 Anja Zimmer zur MABB-Chefin gewählt werden konnte (vgl. diesen MK-Artikel und diese MK-Meldung). Senatskanzleichef Böhning war 2014 mit den Förderverhandlungen des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) gescheitert, wo seit Institutsgründung (2006) in der Charlottenburger Fasanenstraße zahlreiche prominente Gäste und Referenten zugegen waren. Das Institut nahm dann ein Angebot der Stadt Köln an und kooperiert seit seinem Umzug von Berlin in die Domstadt mit der dortigen Kunsthochschule für Medien (KHM). Der gesamten Berliner Landespolitik attestierte jüngst das „Zeit-Magazin“ (Ausgabe vom 2.11.17), sie sei „ins Scheitern verliebt“.

16.11.2017 – MK