Kirchen und Gewerkschaften begrüßen Pläne für Online-Jugendangebot von ARD und ZDF

Die katholische und die evangelische Kirche unterstützen die Pläne der Politik, ARD und ZDF den Start eines gemeinsamen Jugendangebots im Internet zu ermöglichen. Es sei „dringend notwendig, dass ARD und ZDF auch der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ein jugendgerechtes Angebot zur Verfügung stellen, das die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen abbildet und den Kontakt zu dieser Generation nachhaltig sichert“, heißt in einer Stellungnahme der beiden Kirchen. Erstellt wurde sie vom in der Deutschen Bischofskonferenz angesiedelten Referat ‘Rundfunk und Medienethik’ (Leitung: Ute Stenert) und vom Medienbeauftragten der evangelischen Kirche (Markus Bräuer).

Ihre Position haben beide Kirchen im Rahmen der von den Bundesländern gestarteten Konsultation zum geplanten Jugendangebot von ARD und ZDF dargelegt. Bis Juli konnten Stellungnahmen bei der federführend zuständigen Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt eingereicht werden (vgl. dazu diese Meldung). Die Länder hatten anlässlich der Konsultation die Regelungen veröffentlicht, mit denen sie den Rundfunkstaatsvertrag ergänzen wollen, damit ARD und ZDF ein Jugendangebot im Netz aufbauen dürfen. Grundlage der Konsultation war außerdem das Konzept für das Jugendangebot, das die Anstalten erstellt haben (vgl. hierzu MK 11/15 und 13/15).

Zur ethischen Orientierung beitragen

Nach Auffassung der beiden Kirchen wird in der heutigen digitalen Welt ein öffentlich-rechtliches Jugendangebot gebraucht, „das als verlässliche Quelle auf journalistisch-redaktioneller, qualitätsorientierter Basis den jungen Menschen auch im Internet mit seiner unüberschaubaren Informationsflut Erläuterung und Orientierung“ biete. Das neue Angebot solle über seine Inhalte „Toleranz und Wertvorstellungen vermitteln und das gesellschaftliche Miteinander fördern“, heißt es in der Stellungnahme der Kirchen weiter. Sie befürworten auch das Vorhaben von ARD und ZDF, die jungen Menschen sowohl über Drittplattformen als auch über eine eigene Webpräsenz zu erreichen.

Das öffentlich-rechtliche Jugendangebot muss sich aus Sicht der Kirchen „dem Medienverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen höchstmöglich anpassen können, um für die Zielgruppe attraktiv und auffindbar zu sein“. Daher begrüßen die katholische und evangelische Kirche die Entscheidung der Länder, die bislang gültige Sieben-Tage-Regel für Online-Angebote nicht auf das Jugendangebot anzuwenden und auf flexible Fristen zum Abruf von Inhalten zu setzen. Das Angebot sollte „entwicklungsoffen und dynamisch auf die Veränderungen in der Mediennutzung reagieren“ können. Ein die Lebenswirklichkeit und die Interessen der Zielgruppe widerspiegelndes Angebot könne „die jungen Menschen erreichen, ihnen Wertvorstellungen vermitteln, zu ihrer ethischen und moralischen Orientierung beitragen und das gesellschaftliche Miteinander fördern“.

Ebenso wie die Kirchen unterstützen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ein öffentlich-rechtliches Jugendangebot. DGB und Verdi halten ein solches Angebot für unabdingbar, wobei beide Gewerkschaften sich bereits seit längerem für eine trimediale Konzeption ausgesprochen hatten (Hörfunk, Fernsehen, Internet). Das von ARD und ZDF vorgelegte Konzept für ein crossmediales, auf Basis eines linearen TV-Programms betriebenen Jugendangebots hatten die Ministerpräsidenten im Oktober vorigen Jahres aber nach langwierigen Beratungen schließlich abgelehnt (vgl. FK 43-44/14).

DGB und Verdi sehen es nun als Aufgabe der Programmacher an, das Online-Angebot „kreativ und mutig zu gestalten“ (DGB) und „mit attraktiven Inhalten zu füllen“ (Verdi). Beide Gewerkschaften begrüßen ebenfalls, dass beim Jugendangebot auf den Sendungsbezug verzichtet und die Abrufdauer von Inhalten flexibel gestaltet werden soll. Der DGB unterstützt zudem den Plan von ARD und ZDF, interaktive und spielerische Angebote zu entwickeln, um die Zielgruppe zu erreichen. Verdi sieht es als „richtigen Weg“ an, dass die Anstalten das neue Angebot als „Content-Netzwerk“ konzipieren und somit die Inhalte auf unterschiedlichen relevanten Plattformen verteilt und vernetzt werden. Dieses Vorgehen sei „die logische Konsequenz aus dem Verzicht auf einen eigenständigen Fernsehkanal“.

Kreativ und mutig gestalten

Die ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) hob in ihrer Stellungnahme hervor, es sei wichtig, dass mit dem Jugendangebot „neue Wege der Programmgestaltung beschritten werden können und auch müssen“. Hierfür seien die Programmverantwortlichen „mit ausreichenden finanziellen Mitteln und programmlichen Freiheiten“ auszustatten. Organisationsstrukturen und Kompetenzzuteilung müssten „dem dynamischen Charakter des Angebots entsprechen; ein neues digitales Angebot darf nicht in alten analogen Strukturen stecken bleiben“.

Die GVK plädiert dafür, im Rahmen des Jugendangebots Chats und Foren zuzulassen. Hierzu haben die Bundesländer bislang noch keine Entscheidung getroffen. Chats und Foren fallen in die Oberkategorie „Partner,- Kontakt,- Stellen,- Tauschbörsen“, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Netz ausweislich einer sogenannten Negativliste nicht anbieten darf. Ob es hier für das Jugendangebot von ARD und ZDF Ausnahmen geben soll, wollen die Länder noch prüfen. Ebenfalls noch nicht entschieden ist, ob das neue Portal Spieleangebote enthalten darf, die einen Bezug zum Jugendangebot haben. Auch hier sehen die Länder noch Prüfungsbedarf. Die GVK spricht sich dafür aus, Spieleangebote einzusetzen, „solange die Auswahl und Gestaltung dieser Spiele redaktionell begründet ist“. Über Spiele könnten jüngeren Menschen komplexe Sachverhalte anschaulich erläutert werden, so die GVK.

31.08.2015 – vn/MK

Print-Ausgabe 19/2017

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