Eumann: Keine Reduzierung der Werbung im WDR-Hörfunk

Der Westdeutsche Rundfunk wird auch nach Verabschiedung des neuen WDR-Gesetzes nicht weniger Hörfunkwerbung ausstrahlen müssen. Das erklärte der nordrhein-westfälische Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) am 3. September in Bad Honnef auf dem 7. Medientreff NRW. Der WDR darf somit weiterhin von montags bis samstags insgesamt 90 Minuten Werbung pro Tag in seinen Radioprogrammen 1Live, WDR 2 und WDR 4 senden. Eumann sagte, in Sachen Werbebeschränkungen werde eine staatsvertragliche, also bundesweit einheitliche Lösung angestrebt. Die Ministerpräsidenten hatten am 18. Juni eine Entscheidung zu diesem Thema auf das Frühjahr 2016 vertagt (vgl. MK-Meldung).

Den Gesetzentwurf für das neue WDR-Gesetz will die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen noch in diesem Monat in den Düsseldorfer Landtag einbringen. Mit dem Verzicht auf die Reduzierung der WDR-Werbung per Landesgesetz vollzieht die NRW-Landesregierung eine Kehrtwende. Vor zwei Jahren nämlich hatte Eumann beim 5. Medientreff NRW erstmals verkündet, den privaten Lokalfunk stärken zu wollen, indem gesetzlich verankert werde, dass der WDR seine Radiowerbung reduzieren müsse (vgl. hierzu FK 41/13). Nun führte Eumann an, dass bei den Werbekunden in Nordrhein-Westfalen (Nielsen-II-Gebiet) noch keine einheitliche Meinung darüber bestehe, dass ein Verzicht von Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk positiv zu bewerten sei. Ähnliches hatte der SPD-Medienpolitiker auch bereits beim 6. Medientreff NRW vor einem Jahr angedeutet.

Brautmeier äußert Unverständnis

Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), Jürgen Brautmeier, reagierte auf dem Treffen in Bad Honnef mit Unverständnis auf Eumanns Erklärung. Schließlich sehe der rot-grüne Koalitionsvertrag in NRW vor, dass sich beide Parteien dafür einsetzen, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Werbung und Sponsoring zu verzichten. Dazu mochte sich Eumann nicht weiter äußern. Brautmeier plädierte dafür, in Nordrhein-Westfalen zumindest das NDR-Modell zu übernehmen, also die werktägliche Werbezeit im Hörfunk auch des WDR (montags bis samstags) auf 60 Minuten zu reduzieren.

Marc Jan Eumann sagte auf dem Medientreff NRW, wo einmal im Jahr die Lokalfunkbranche des Bundeslandes zusammenkommt, wenn sich bei den Anbietern nichts ändere, sei „die Perspektive der Hörfunklandschaft insgesamt nicht so rosig“. Handlungsbedarf erkannte er vor allem im Bereich der Online-Aktivitäten von Radiosendern und in Bezug auf die Macht der großen Media-Agenturen. Diese kaufen zunehmend Werbeflächen bzw. Werbezeit von Medien auf eigene Rechnung ein und reichen sie dann mit einem Aufschlag an Werbungtreibende weiter. Dieses Vorgehen, so warnte der nordrhein-westfälische Medienstaatssekretär, „sauge ganze Budgets auf“. Das sogenannte Trading bewirkt, dass im Werbegeschäft sowohl die Werbungtreibenden als auch die Medienunternehmen an Bedeutung verlieren.

Neujustierung des lokalen Hörfunks

25 Jahre nach dem Start der ersten Lokalhörfunkprogramme in Nordrhein-Westfalen gilt es aus Eumanns Sicht über eine Neujustierung des sogenannten Zwei-Säulen-Modells, bei dem die Veranstaltergemeinschaft für das Programm und die Betriebsgesellschaft für die Finanzen zuständig ist, nachzudenken. So müsse etwa geprüft werden, ob der Bürgerfunk noch zum Lokalfunkmodell gehöre oder künftig über andere Plattformen (Internet) verbreitet werden könne. Zudem müsse die Branche nun entscheiden, ob der Hörfunk in der digitalen Zukunft nach dem Ende des analogen UKW-Standards auf einen eigenständigen Verbreitungsweg verzichten könne. Dies wäre dann der Fall, sollten sich die Programmanbieter gegen die neue Sendetechnik DAB plus entscheiden.

LfM-Direktor Brautmeier verwies in diesem Zusammenhang auf eine entsprechende Bedarfsabfrage der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Noch bis zum 24. September können landesweite, regionale und lokale Anbieter gegenüber der LfM unverbindlich ihr Interesse an einem Regelbetrieb des neuen Standards, der UKW ablösen soll, anmelden (vgl. MK-Meldung). DAB plus erlaube in Nordrhein-Westfalen außer neun bis elf regionalen auch kleinräumigere Versorgungsgebiete, betonte Brautmeier und versicherte: „Mit DAB plus könnten wir jetzt auch den Lokalfunk abdecken.“ Beim digitalen Vorgänger-Standard DAB ist dies nicht der Fall, so dass in Nordrhein-Westfalen zur Zeit nur das Programm des Kölner Domradios via DAB ausgestrahlt wird.

Der Medientreff NRW wird veranstaltet vom Katholisch-Sozialen Institut (KSI) Bad Honnef und der Medien-Qualifizierung GmbH, unterstützt unter anderem von der LfM, dem Deutschen Jour­nalisten-Verband (DJV) sowie den Dachverbänden der Lokalfunk-Veranstaltergemeinsachsaften und -Betriebsgesellschaften.

20.09.2015 – mak/MK

Print-Ausgabe 19/2016

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