Deutschlandradio: UKW‑Abschaltung böte Sparpotenzial

28.10.2017 • Das Deutschlandradio beziffert seine zusätzlichen Einsparmöglichkeiten ab dem Jahr 2021 auf jährlich bis zu 4 Mio Euro. Erreicht werden könne dies durch weitere eigene Reformen und neue Kooperationen mit ARD und ZDF. Rechne man die finanziellen Effekte einer reformierten Altersversorgungsregelung hinzu, könnten „jährlich rund fünf Millionen Euro an Einsparvolumen erreicht werden“, heißt es in einem Bericht des Deutschlandradios an die Bundesländer. Wie ARD und ZDF musste auch das Deutschlandradio den Ländern am 29. September einen Bericht zu den Themenfeldern „Auftrag und Strukturoptimierung“ vorlegen. Das Deutschlandradio veröffentlichte den Bericht am 4. Oktober in seinem Internet-Angebot. Die Anlagen zu dem Bericht wurden nicht zugänglich gemacht.

Aus dem allgemeinen Rundfunkbeitrag in Höhe von derzeit 17,50 Euro pro Monat erhält das Deutschlandradio einen Anteil von 50 Cent. Im Jahr 2016 erhielt die öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalt – die die bundesweiten und werbefreien Programme Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova veranstaltet – Beitragseinnahmen in Höhe von 217 Mio Euro. Beim Deutschlandradio gibt es 721 Planstellen, von denen 687 zum Jahresende 2016 besetzt waren.

Das Deutschlandradio beteiligt sich nach eigenen Angaben mit der ARD und teilweise auch dem ZDF an insgesamt 15 Kooperationsprojekten in den Bereichen Verwaltung, Technik, Produktion und Programmerstellung. Besondere Bedeutung hätten die Kooperationsmaßnahmen im IT-Bereich, bei der Prozessharmonisierung in Sachen SAP-Software und beim crossmedial vernetzten Archivsystem („MediaDataHub“). Weitere erhebliche Einsparungen ließen sich laut Deutschlandradio realisieren, wenn die lineare Verbreitung von Radioprogrammen hierzulande auf den Technikstandard DAB plus und auf das Internet konzentriert und dafür die UKW-Verbreitung abgeschaltet werden würde.

Der Auftrag in der digitalen Welt

Würde 2025 die UKW-Verbreitung beendet, dann erwartet das Deutschlandradio unter dem Strich ein jährliches Sparpotenzial von 10 Mio Euro. Es entfiele dann der derzeitige Parallelbetrieb von UKW und DAB plus. Die Hörfunkanstalt verweist darauf, sie habe bereits ab dem Jahr 2021 die vertragliche Option, „jährlich bis zu zehn Prozent der UKW-Kapazitäten reduzieren zu können“. Die „heute breite Akzeptanz von Digitalradio“ würde aus Sicht des Deutschlandradios weiter wachsen, wenn es eine gesetzliche Pflicht gäbe, „dass neue höherwertige Radioempfangsgeräte nur noch dann angeboten werden dürfen, wenn sie den Empfang normgerechter digitaler Signale erlauben“. In der Praxis würde dies – so das Deutschlandradio – dazu führen, dass auch Smartphones zukünftig mit einem Empfangsteil für DAB plus ausgestattet wären.

Das Deutschlandradio hebt in seinem Bericht an die Bundesländer hervor, die eigenen drei Programme böten „ausgewogenen, glaubwürdigen und unabhängigen Journalismus in den Kernfeldern Politik, Kultur und Bildung, die in dieser Stringenz und Profilierung sonst nicht angeboten werden“. Man sehe sich als „das bundesweite ‘Radio der Länder’“ und verstehe sich „komplementär zu den regionalen Programmleistungen der Landesrundfunkanstalten“.

In Zukunft werde das Deutschlandradio seinen Auftrag nur dann leisten können, wenn man „die neuen Formen der Mediennutzung“ annehme, so der Sender weiter. „Damit wir diesem Auftrag auch in der digitalen Welt gerecht werden können, müssen wir, gerade auch für die jüngeren Hörerinnen und Nutzer, qualitativ hochwertige Angebote machen, die auf die Online-Welt zugeschnitten sind. Das Einstellen von Manuskripten allein reicht nicht“, erklärte Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue. Die Bürger erwarteten, so die Sendeanstalt weiter, die „journalistisch-redaktionellen Qualitätsangebote von Deutschlandradio“ auf allen Internet-Plattformen. Um dort das Publikum zu erreichen, müsse „der staatsvertragliche Auftrag für Telemedien flexibler werden“.

28.10.2017 – vn/MK