Deutsches Fernsehprogramm der DW seit dem 6. Februar 2017 mit Kulturprofil

Am 6. Februar hat das deutschsprachige Fernsehprogramm der Deutschen Welle (DW) eine andere inhaltliche Ausrichtung erhalten: Seit diesem Tag liegt der Programmschwerpunkt auf dem Thema Kultur. Zuvor war das Programmschema durch regelmäßige, drei bis 15 Minuten lange Nachrichtenblöcke zur vollen Stunde und durch Informationsformate zu Politik und Wirtschaft gekennzeichnet. Neben Eigenproduktionen strahlt die Deutsche Welle im Programm DW auch Sendungen der öffentlich-rechtlichen Inlandssender ARD und ZDF aus, was eine bereits seit mehreren Jahren laufende Kooperation ermöglicht.

Die vorherige nachrichtenorientierte Ausrichtung des deutschsprachigen DW-Programms wurde mit der Reform aufgegeben, der Anteil der Informationsformate aus den Bereichen Politik und Wirtschaft wurde infolgedessen reduziert. Ende Juni 2016 hatte der Rundfunkrat der Deutschen Welle das von DW-Intendant Peter Limbourg vorgelegte Konzept für eine Reform des deutschsprachigen Fernsehprogramms gebilligt. Bereits im November 2015 hatte der Rundfunkrat die Pläne unterstützt, dieses DW-Fernsehangebot inhaltlich neu zu konzipieren.

Das Interesse der Nutzer

Die neue Programmstruktur für den deutschsprachigen Fernsehkanal sei entwickelt worden, um „das Potenzial an Nutzern für Angebote in deutscher Sprache auszuschöpfen“, hatte der Sender im vorigen Jahr erklärt. Eine Studie der Markt- und Medienforschung der Deutschen Welle habe ergeben, dass die Nutzer der deutschen DW-Angebote besonders interessiert seien an Kultur und Kunst und an der deutschen Perspektive auf internationale Themen, so hieß es weiter (vgl. auch diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Die Deutsche Welle ging zuletzt von einem wöchentlichen Durchschnitt von 250.000 Zusehern weltweit für das deutschsprachige Programm aus.

Nachrichtliches Kernstück des reformierten deutschsprachigen TV-Programms ist das einstündige, neu entwickelte Magazinformat „Der Tag“. Diese Sendung wird um 20.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) erstausgestrahlt und dann im weiteren Programmablauf noch zweimal wiederholt. Mit der Sendung „Der Tag“ will die Deutsche Welle intensiv über die wichtigsten Themen eines Tages in Deutschland, Europa und der Welt berichten. Die Devise für das Format lautet „Hintergründe statt Schlagzeilen“. Im DW-Programm gibt es künftig Nachrichten in einer Länge von drei Minuten nur noch achtmal über den Tag verteilt.

Die bisherigen Eigenproduktionen der DW im deutschsprachigen TV-Programm, darunter die halbstündigen Magazine „Kultur 21“, „Euromaxx“ und „Global 3000“ sowie die Reihe „Sarah’s Music – Klassik erleben“, sind auch künfitg im Angebot enthalten. Hinzu kommen weiterhin die Übernahmen von Sendungen der öffentlich-rechtlichen Inlandsprogramme. Dabei handelt es sich zum einen um Sendeformate, die schon bislang ausgestrahlt wurden wie Dokumentationen und die Talkshows „Anne Will“ (ARD) oder „Maybrit Illner“ (ZDF), und zum anderen um Formate, die bisher noch nicht bei der DW zu sehen waren wie etwa das werktäglich bei 3sat ausgestrahlte Magazin „Kulturzeit“ (das von der DW mehrfach am Tag wiederholt wird), die 3sat-Reihe „Bauerfeind assistiert“, die ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ und einzelne Kabarettformate von ARD und ZDF.

Übernahme der 3sat-„Kulturzeit“

Das reformierte 24-stündige deutschsprachige Fernsehprogramm der Deutschen Welle ist weiterhin beispielsweise über mehrere Satellitenverbreitungen in Europa, Asien, Australien und Amerika zu empfangen. Das Programmschema für Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) entspricht aber nicht dem Sendeablauf, der für Europa, Asien und Australien vorgesehen ist. Die Sendungen für Amerika werden, angepasst an die Zeitverschiebung, zu anderen Uhrzeiten ausgestrahlt. Außerdem gibt es im DW-Programm für Amerika nur 20 Stunden deutsches Programm. Zusätzlich werden vier Stunden in englischer Sprache ausgestrahlt.

Hintergrund dafür ist, dass in den USA ausländische Programme nur dann eine Lizenz von der Federal Communications Commission (FCC) erhalten, wenn sie täglich mindestens vier Stunden in englischer Sprache senden. In das deutschsprachige DW-Programm, das in den USA, in Kanada sowie in Mittel- und Südamerika verbreitet wird, werden daher pro Tag vier Stunden vom englischsprachigen Informationskanal DW übernommen. Im Juni 2015 war das englischsprachige Programm DW gestartet worden; es ist seitdem in Europa, Nord- und Mittelamerika, Afrika, Asien und Australien zu empfangen (vgl. MK-Meldung).

Neben dem englischsprachigen Informationskanal und dem deutschsprachigen Programm (mit zwei unterschiedlichen Sendestrecken) produziert die Deutsche Welle noch zwei weitere Fernsehkanäle. Dabei handelt es sich um ein 24-stündiges Programm in arabischer Sprache (DW Arabia) und um ein 24-stündiges spanischsprachiges Programm für Lateinamerika (DW Latinoamérica). Nach Angaben der Auslandsrundfunkanstalt vom Juli 2016 erreichen alle Fernsehprogramme der DW zusammen 66 Mio Zuschauer (die mindestens einmal wöchentlich einen Sender der Deutschen Welle eingeschaltet haben). Das englischsprachige TV-Angebot ist demnach mit rund 30 Mio wöchentlichen Zuschauern das erfolgreichste im Fernsehbereich.

07.02.2017 – Volker Nünning/MK