ARD und ZDF sichern sich doch noch Olympia‑Rechte

08.09.2017 • Die Vereinbarung kam zu einem sehr späten Zeitpunkt zustande: Am 11. August gaben ARD und ZDF bekannt, dass die SportA GmbH, die Sportrechteagentur der beiden öffentlich-rechtlichen Häuser, sich mit dem Rechteinhaber Discovery Communications (Eurosport, DMAX, Discovery Channel) über eine Sublizenzierung „umfassender medialer Verwertungsrechte an den kommenden vier Olympischen Spielen“ verständigt habe. Ein gewisser Zeitdruck bestand mit Blick auf die technischen Vorbereitungen für die kommenden Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang, die vom 9. bis 25. Februar 2018 stattfinden. Es sind nun die ersten Olympischen Spiele, für die die Einigung gilt.

„Unser Publikum kann sich jetzt wieder darauf verlassen, die Spiele in der gewohnten Qualität von ZDF und ARD präsentiert zu bekommen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut. Darin steckt bereits eine kleine Spitze, denn die Äußerung impliziert, dass, wenn ARD und ZDF nicht zum Zuge gekommen wären und künftig in Deutschland nur noch Discovery-Sender über Olympia berichtet hätten, die Qualität der Berichterstattung gelitten hätte.

Sublizenzen von Discovery

Der in Silver Springs im US-amerikanischen Bundesstaat Maryland ansässige Discovery-Konzern hatte Mitte 2015 die Europarechte an den vier Olympischen Spielen 2018, 2020, 2022 und 2024 für 1,3 Mrd Euro vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erworben – mit dem Ziel, einen Teil der Summe durch Sublizenzierungen zu refinanzieren (vgl. MK-Artikel). Das Unternehmen und ARD und ZDF hatten sich wegen unterschiedlicher finanzieller Vorstellungen zunächst nicht auf einen Rechtepreis für die Sublizenzierung einigen können. ARD und ZDF sollen insgesamt nur 200 Mio Euro geboten haben. Discovery hatte dem Vernehmen nach 300 Mio Euro gefordert. Im November 2016 galten die Verhandlungen als gescheitert (vgl. diesen MK-Artikel und diesen MK-Artikel). Zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als werde von 2018 bis 2024 im frei empfangbaren Fernsehen in Deutschland hauptsächlich der Sender Eurosport 1 live von Olympischen Spielen berichten. Nun also sind ARD und ZDF doch mit von der Partie – und das in durchaus umfassendem Maß.

Auf welche Summe sich die Beteiligten nun verständigt haben, ist noch nicht bekannt. Die getroffene Vereinbarung besagt, dass ARD und ZDF wie gewohnt im täglichen Wechsel berichten – sowohl in ihren Hauptprogrammen als auch in ihren Spartenkanälen – und dass sie zusätzlich im Netz bis zu drei Livestreams von den Wettbewerben anbieten. Einschränkungen in Sachen Live-Berichterstattung aus Pyeongchang gibt es für die Wettbewerbe im Eiskunstlauf, Short Track und Snowboard sowie beim Eishockey. „Nicht zuletzt aufgrund des geringen zeitlichen Vorlaufs“ könne man „nicht von allen Wettbewerben live berichten“, erläuterten ARD und ZDF in ihren Pressemitteilungen am 11. August.

Dennoch kämen „die deutschen Zuschauer bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018 in den Genuss der umfangreichsten Berichterstattung aller Zeiten“, teilte am selben Tag Discovery Networks Deutschland mit, die hiesige Tochter von Discovery Communications. Eurosport 1 werde 24 Stunden lang von den Spielen berichten, erklärte Eurosport-Pressesprecher Dominik Mackevicius gegenüber der MK. Weitere Inhalte gibt es für zahlende Kunden: beim linearen Pay-TV-Sender Eurosport 2 sowie im Internet via Eurosport Player (für den eine Abo-Gebühr von 29,99 Euro pro Jahr fällig ist).

Eurosport: Exklusive Primetime-Rechte

Dass ausgerechnet über die kommenden Spiele mehr berichtet werden wird als jemals über Olympische Spiele zuvor, hat eine gewisse Ironie – erstens, weil Winterspiele in der Regel weniger attraktiv sind als Sommerspiele, und zweitens, weil im hiesigen Hauptabendprogramm angesichts des Zeitunterschieds zwischen Deutschland und Südkorea keine Live-Übertragungen von den Wettbewerben möglich sind (die Wettbewerbstage sind dann in Südkorea schon beendet).

Der Wert der Sublizenzierungsrechte für Live-Übertragungen von den ersten drei Olympischen Spielen, an denen Discovery die Rechte erworben hat, wird aus europäischer Perspektive gemeinhin als vergleichsweise gering eingeschätzt. Nach den Winterspielen in Südkorea folgen 2020 Sommerspiele in Tokio sowie 2022 Winterspiele in Peking – also allesamt in Ländern, die Deutschland aufgrund des Zeitunterschieds sechs oder sieben Stunden voraus sind. Die Sommerspiele 2024 werden dann höchstwahrscheinlich in Paris stattfinden; die endgültige Entscheidung darüber will das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 13. September treffen.

Die Wettbewerbe im Winter 2018 aus Pyeongchang werden zwischen 2.00 Uhr nachts deutscher Zeit und 15.00 Uhr am Nachmittag übertragen. Umso wichtiger sind spätere Zusammenfassungen der Höhepunkte. Für an den Olympischen Spielen interessierte Zuschauer, die weder die Möglichkeit haben, während der Live-Übertragungen vor dem Fernseher zu sitzen, noch während der Arbeitszeit das Geschehen im Internet zu verfolgen, könnten sie in der Abendplanung eine gewisse Rolle spielen. Eurosport betont in seiner Pressemitteilung, Eurosport 1 dürfe exklusiv „in speziellen Primetime-Formaten über die Olympischen Spiele berichten“. Es handele sich dabei um eine „exklusive Highlight-Show“, präzisierte Eurosport-Pressesprecher Mackevicius gegenüber der MK. ARD und ZDF hätten zwar auch das Recht, Zusammenfassungen auszustrahlen – nicht aber während der Primetime.

08.09.2017 – rm/MK