ARD-Talkshows bleiben bis Ende 2020 im Programm

21.09.2017 • Im Ersten Programm der ARD werden auch künftig die Talkshows „Hart aber fair“ und „Maischberger“ ausgestrahlt. Der Verlängerung der Verträge für die beiden Sendungen hat am 31. August der WDR-Rundfunkrat zugestimmt. Das teilte das Gremium am 1. September mit. Für beide Talkformate ist der innerhalb ARD der WDR federführend zuständig ist. Bereits am 14. Juli hatte der WDR-Verwaltungsrat der Verlängerung der beiden Produktionsverträge um weitere drei Jahre zugestimmt.

Dem WDR-Rundfunkrat müssen Programmverträge, die bei der Rundfunkanstalt Ausgaben von mehr als 2 Mio Euro bedingen, zur Genehmigung vorgelegt werden. Weitere Gremien innerhalb der ARD mussten den beiden Produktionsverträgen nicht zustimmen, damit sie wirksam werden konnten. Die neue Laufzeit der Verträge für „Hart aber fair“ und „Maischberger“ beginnt am 1. Januar 2018 und endet am 31. Dezember 2020. Der WDR wollte nicht mitteilen, wie hoch die Kosten für die Produktion der beiden Sendungen im neuen Vertragszeitraum sind: „Zu vertragsbezogenen Details geben wir aus Gründen der Vertraulichkeit keine Auskunft“, erklärte der WDR auf MK-Nachfrage.

Die von dem 60-jährigen Journalisten Frank Plasberg moderierte Talkshow „Hart aber fair“ (montags, 21.00 bis 22.15 Uhr) wird von der Firma Ansager & Schnipselmann mit Sitz in Düsseldorf hergestellt. Deren Geschäftsführer und Gesellschafter sind Frank Plasberg und Jürgen Schulte. Die Sendung „Hart aber fair“ – die seit Oktober 2007 im Ersten ausgestrahlt wird (zuvor lief die Sendung ab Januar 2001 im Dritten Programm WDR Fernsehen) – wird entweder aus Köln oder Berlin live gesendet. Die Firma Ansager & Schnipselmann produziert noch weitere Sendungen für die ARD, darunter die Shows „Frag doch mal die Maus“ und „Paarduell“.

Die Talkshow „Maischberger“ (mittwochs, 22.45 bis 0.00 Uhr) wird von der Journalistin Sandra Maischberger moderiert. Produziert wird die Sendung, die bis Ende 2015 „Menschen bei Maischberger“ hieß, von Vincent TV. Die in Berlin ansässige Firma gehört Sandra Maischberger. Die 50-Jährige ist seit Anfang April Alleingeschäftsführerin von Vincent TV. Damals hatte der zweite Geschäftsführer, Matthias Martens, die Firma verlassen. Er wechselte zum Produktionsunternehmen TV Plus (vgl. MK-Personalie). Vincent TV produziert unter anderem auch das Talkformat „Ich stelle mich“ (WDR Fernsehen), Dokumentationen und Spielfilme.

Der WDR-Rundfunkrat hat in seiner Sitzung am 31. August auch der Verlängerung des Vertrags zur Produktion der ARD-Talkshow „Anne Will“ zugestimmt. Auch diese Sendung soll bis Ende Dezember 2020 im Ersten zu sehen sein und somit ebenfalls ab Januar 2018 um drei Jahre verlängert werden. „Anne Will“ wird von der in Berlin ansässigen Produktionsfirma Will Media hergestellt, die Anne Will gehört (sie ist auch alleinige Geschäftsführerin der Firma). Für ihre Talkshow, die sonntags live von 21.45 bis 22.45 Uhr aus Berlin gesendet wird, ist federführend der NDR zuständig. Der NDR-Rundfunkrat werde sich voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung am 22. September mit der Vertragsverlängerung für die Sendung „Anne Will“ befassen, erklärte der NDR auf MK-Nachfrage. Zum finanziellen Volumen wollte sich der Sender unter Verweis auf die Vertraulichkeit solcher Angaben ebenfalls nicht äußern. (Nachträgliche Ergänzung: Der NDR-Rundfunkrat hat am 22. September der Verlängerung des Vertrags zur Produktion von „Anne Will“ einstimmig zugestimmt, wie der Norddeutsche Rundfunk nach der Sitzung mitteilte.)

„Hart aber fair“, „Maischberger“, „Anne Will“

Dem WDR-Rundfunkrat musste die Vertragsverlängerung für die Talkshow „Anne Will“ vorgelegt werden, weil der Anteil des WDR an der Finanzierung der Sendung oberhalb des Schwellenwerts von 2 Mio Euro liegt. Sofern der NDR-Rundfunkrat dem neuen Produktionsvertrag von „Anne Will“ zustimmt, wovon auszugehen ist, gilt die neue Vereinbarung. Weitere Gremien innerhalb der ARD müssen laut NDR der Vertragsverlängerung nicht zustimmen. Die 51-jährige Journalistin Anne Will moderiert ihre Talkshow seit September 2007. Sie wurde von September 2011 bis Dezember 2015 mittwochs von 22.45 bis 0.00 Uhr ausgestrahlt, da in diesem Zeitraum Günther Jauch für seine gleichnamige Talkshow den Sonntagabendsendetermin im Ersten erhalten hatte.

Die drei Sendungen „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maischberger“ bis Ende 2020 zu verlängern, hatte im Juli die Fernsehprogrammkonferenz der ARD vorbehaltlich der Gremienzustimmung beschlossen. Der Fernsehprogrammkonferenz gehören die Intendanten bzw. die Programmdirektoren der ARD-Landesrundfunkanstalten und der ARD-Programmdirektor an. Mit den beiden vom WDR verantworteten Formaten „Hart aber fair“ und „Maischberger“ hat sich im Übrigen innerhalb des WDR-Rundfunkrats zuletzt eine Arbeitsgruppe beschäftigt. Sie hat die von Januar bis Juli 2017 ausgestrahlten Ausgaben der beiden Talkshows analysiert und dabei unter anderem die Themen- und Gästeauswahl, die Moderation, das Diskussionsniveau und den Informationsgehalt in den Blick genommen.

Die Arbeitsgruppe gab in der Sitzung des WDR-Rundfunkrats am 31. August einen Zwischenbericht ab und verwies dabei auf die Stellungnahme des Rundfunkrats aus dem Jahr 2015 zum gleichen Thema. Die damaligen Hauptkritikpunkte des Rundfunkrats zur Themenvielfalt und zu einer ausgewogenen Gästeauswahl in den Sendungen würden weiterhin fortbestehen, hieß es nun. Die Themen müssten nach gesellschaftlicher Relevanz ausgewählt werden und dürften nicht zu reißerisch sein. Ihre ausführlichen Ergebnisse will Arbeitsgruppe in der nächsten Rundfunkratssitzung am 25. September vorlegen.

21.09.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 20/2017

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