Anke Schäferkordt gibt Chefposten bei der RTL Group Mitte April ab

Anke Schäferkordt gibt ihren Posten als Co-Vorstandsvorsitzende der internationalen RTL Group ab. Sie werde sich auf eigenen Wunsch mit Wirkung zur nächsten Hauptversammlung des börsennotierten Konzerns, die am 19. April stattfindet, aus dem Vorstand zurückziehen, teilte die RTL Group am 8. März mit. Aus dem Board of Directors, einer Art Verwaltungsrat, wird die 54-jährige Schäferkordt ebenfalls ausscheiden. Die RTL Group ist mehrheitlich im Besitz des Bertelsmann-Konzerns (Gütersloh). Thomas Rabe, Vorsitzender des Board of Directors bei der RTL Group und Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, dankte Schäferkordt „für ihre herausragende unternehmerische Leistung an der Spitze der RTL Group“.

Im April 2012 übernahm Anke Schäferkordt gemeinsam mit Guillaume de Posch, dem weiteren Vorstandsvorsitzenden der RTL Group, die Leitung des Konzerns mit Sitz in Luxemburg (vgl. FK-Heft Nr. 6/12). Diese Tandem-Lösung wurde damals gewählt, nachdem im Februar 2012 Gerhard Zeiler, der alleinige Vorstandsvorsitzende der RTL Group, überraschend angekündigt hatte, das Unternehmen zu verlassen. Zeiler wechselte dann zum US-Medienriesen Time Warner. Schäferkordt wurde im Jahr 2012 als neue Chefin der RTL Group zusätzlich auch Mitglied im Vorstand des Bertelsmann-Konzerns.

Bert Habets als Nachfolger berufen

Anke Schäferkordt übernahm 2012 diese Aufgaben zusätzlich zu ihren bisherigen Positionen als Geschäftsführerin des Fernsehsenders RTL und Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland. Die Geschäftsführung des Senders RTL gab sie dann Anfang Februar 2013 an Frank Hoffmann ab. Zur Mediengruppe RTL Deutschland (Köln) gehören heute neben RTL noch die Sender Vox, n-tv, RTL Nitro und RTL plus, die Beteiligungen an den TV-Programmen Super RTL und RTL 2 sowie vier Pay-TV-Kanäle (RTL Crime, RTL Passion, RTL Living, Geo Television). Teil der Gruppe sind auch der RTL-Werbezeitenvermarkter IP Deutschland und das Tochterunternehmen RTL Interactive, das beispielsweise im Internet die TV-Now-Mediathekportale der einzelnen Sender betreibt.

Anke Schäferkordt will sich nach ihrem Rückzug aus der RTL Group auf ihre Positionen als Chefin der deutschen RTL-Gruppe und den Vorstandsposten beim Bertelsmann-Konzern konzentrieren. Sie ist außerdem seit Dezember 2010 Mitglied im Aufsichtsrat der BASF AG, dem weltgrößten Chemieunternehmen (von Mai 2010 bis Mai 2015 war Schäferkordt zusätzlich auch Aufsichtsratsmitglied bei der Software AG, Deutschlands zweitgrößtem Software-Anbieter).

In der Nachfolge von Anke Schäferkordt wird am 19. April der Niederländer Bert Habets – neben dem Belgier Guillaume de Posch – neuer Co-Vorstandsvorsitzender der RTL Group. Der 46-jährige Habets ist seit 2008 Chef von RTL Nederland. Seine neue Position an der Spitze der RTL Group übernimmt Habets zunächst zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben. Bis Jahresende 2017 will die RTL Group aber einen neuen Chef von RTL Nederland berufen.

Bert Habets, geboren am 9. Januar 1971 im niederländischen Heerlen (Provinz Limburg), kam im Jahr 1999 als Projektmanager in die Unternehmensentwicklung der CLT-Ufa, der Vorläuferfirma der RTL Group. Im März 2001 wurde Habets, der an der Universität Maastricht Wirtschaft und Recht studierte und anschließend einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration) an der Universität Barcelona erwarb, Finanzchef der Holland Media Groep. Dieses Unternehmen wurde im August 2004 in RTL Nederland umbenannt. 2008 stieg Habets dann zum Chef von RTL Nederland auf.

Sehr profitable Geschäfte in Deutschland

Die RTL Group erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 6,237 Mrd Euro – ein Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 48 Prozent der Erlöse kamen aus dem TV-Werbegeschäft, 21,2 Prozent aus der Inhalte-Produktion und weitere 10,7 Prozent aus den Digitalaktivitäten. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) stieg an, und zwar um 3,3 Prozent gegenüber 2015 auf 1,205 Mrd Euro. Wie die RTL Group am 9. März vermeldete, seien sowohl Umsatz als auch Vorsteuergewinn auf neue Rekordwerte gestiegen. Unter dem Strich verblieb 2016 in den Kassen der RTL Group ein Betrag von 720 Mio Euro. Damit sank der Gewinn um 8,7 Prozent im Vergleich zu 2015, was der Konzern mit höheren Steuerzahlungen begründete. Für 2017 erwartet die RTL Group einen Anstieg ihres Umsatzes in einer Größenordnung von 2,5 bis 5 Prozent. Beim Vorsteuergewinn rechnet der Konzern in diesem Jahr mit einem Ergebnis, das in etwa dem des Jahres 2016 entspricht.

Die Bestwerte bei Umsatz und Vorsteuergewinn für 2016 sind nach Unternehmensangaben vor allem zurückzuführen auf die Geschäftsaktivitäten in Deutschland. Die Mediengruppe RTL Deutschland erzielte 2016 einen Umsatz von 2,214 Mrd Euro, was einem Anteil von 35,5 Prozent am Gesamtumsatz der RTL Group entsprach. Auf insgesamt 705 Mio Euro belief sich 2016 der Vorsteuergewinn der deutschen RTL-Gruppe. 58,5 Prozent des Vorsteuergewinns der RTL Group stammten im vorigen Jahr damit aus deren Deutschlandgeschäft. Der Nettogewinn der deutschen RTL-Gruppe wurde nicht bekanntgegeben.

Nachdem Anke Schäferkordt im September 2005 die Leitung der deutschen RTL-Gruppe übernommen hatte, hat sich deren Profitabilität enorm gesteigert. Betrug der Vorsteuergewinn im Jahr 2005 insgesamt 240 Mio Euro, verdreifachte sich dieser Gewinn bis zum Jahr 2016 nahezu. Die sehr profitablen Geschäftsaktivitäten der RTL Group in Deutschland sind die wichtigste Säule des Unternehmens und damit auch ein signifikanter Ertragsbringer für den Mutterkonzern Bertelsmann, dem 75,1 Prozent der Aktien an der RTL Group gehören.

29.03.2017 – MK