Familie und Fernsehen

Jenseits des Sofas: Die Familie ist der letzte große Abenteuerfilm

Von Torsten Körner

Die Familie ist seit Jahrhunderten eine, wenn nicht die klassische Lebensform von Menschen. Doch was ist Familie heute? Es gibt Konstanz, Wandel, Differenzierung, Wiederentdeckung. Es gibt die bürgerliche Familie, die Patchwork-Familie, den lockeren Familienbund oder gar das „Gefängnis Familie“. Und immer schon war Familie in all ihren Facetten ein großes Thema auch für das Fernsehen, für Serien und Filme. Der Katholische Medienverband (KM) hat in diesem Jahr eine „Themenwoche Familie“ initiiert, in deren Rahmen vom 20. bis 28. September Medien, die unter dem Dach der katholischen Kirche erscheinen, das Allzeitthema Familie, dieses weite Feld, beleuchten. Anlass dazu ist die bevorstehende XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, die das Thema ausführlich behandeln wird unter der Überschrift „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“. Zu der Bischofssynode hat Papst Franziskus vom 4. bis 25. Oktober nach Rom eingeladen. An der „Themenwoche Familie“ beteiligt sich neben Mitwirkenden wie der Kinozeitschrift „Filmdienst“, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ und dem Internet-Portal katholisch.de auch die „Medienkorrespondenz“. MK-Autor Torsten Körner begibt sich im folgenden Beitrag auf eine Tour d’horizon ins Familienfernsehen. • MK

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„Es ist kaputt, so kaputt
Dass kann man nicht reparieren
So kaputt, so kaputt
Es fließen keine Tränen
Beim Familienfest im Grünen
Beim Familienfest im Grünen“
            Bosse: „Familienfest“

Wir stürzen uns einfach rein in den Salat, ins thematische Kuddelmuddel. Da gibt es dieses Video zum Song „Familienfest“ von Bosse und Regisseur Hendrik Handloegten. YouTube. Drei Minuten und eine Sekunde. 212.877 Aufrufe. 773-mal Daumen rauf. 15-mal Daumen runter. Wir sehen Fritzi Haberlandt. In allen Farben, die Schwarz und Weiß zu bieten haben, allen Schattenschattierungen. Bosse singt. Von der kaputten Familie. Von den Blessuren, dem Vater, der eher eine „Fata Morgana“ war, von einer Mutter, die wahllos mit Geschäftspartnern schlief, von Selbstmordversuchen. Fritzi Haberland spielt Expeditionen ins Traumatisierungsgewebe Familie. Familie eben. Total kaputt. Das kann man nicht reparieren.

Ist das so? Ist das das mediale Bild von Familie heute? Totalschaden? Sind das die Bilder, die unsere Bilder von Familie bestimmen? Was sagt das Fernsehen dazu, die gute alte Linear- und Nostalgiemaschine? Hat es andere Befunde mitzuteilen als der mediale Emporkömmling und Rivale? Hat das Fernsehen seinen Teil dazu beigetragen, die Familie zu ruinieren oder ist die Bildmaschine Fernsehen immer noch familiärer Kitt und psychosozialer Sekundenkleber, wenn mal wieder alles in Scherben liegt? Kommt das Fernsehen mit seinen langen und seriellen Erzählketten zu einem anderen Familienbefund als das akut, punktuell und explosiv auftrumpfende Internet? Was weiß das deutsche Fernsehen über Familien zu erzählen? Ist das Fernsehen im Verhältnis zum Internet das neue Theater, in das man noch geht, um sich alte bürgerliche Lust- und Trauerspiele anzusehen, von denen man längst weiß, dass sie aus der Zeit gefallen sind? Oder ist das Fernsehen immer noch der mächtigste Familientherapeut, der uns aufs Sofa schickt, um uns mit dem Unversöhnlichen zu versöhnen? Inwieweit nährt sich das Fernsehen in seinen Formaten von der Familie? Was für Familienzustandsberichte liefert das Fernsehen ab?

Schon der Titel „Unsere Nachbarn heute Abend – Familie Schölermann“ (NWDR, 1954 bis 1960) signalisierte, dass diese Familie zwar im Fernsehen zu sehen war, aber doch eigentlich mitten im Leben lebte. Die Macher der ersten deutschen Familienserie trieben diese Illusion so weit, dass die Namen der Schauspieler nicht im Abspann zu sehen waren. Diese Familie ist echt, authentisch, normal wie ihr. Vater, Mutter und drei Kinder. Vater Schölermann wusste denn auch: „Das Menschenherz, die Erde schwankt / Die Seele, die Gesellschaft krankt / Nur eins steht fest im Sturm und Graus: Die Familie – das Zuhaus!“

Verlustanzeigen

Natürlich stimmt die simple Dichotomie schon damals nicht: Draußen gegen Drinnen, Familienfrieden gegen Weltkrieg, Familie als Festung. Familienfilme heute berichten eher von den Gefährdungen des Familienlebens, von den plötzlichen Verlusten, den Attacken des Draußens gegen das Drinnen, wobei zwischen dem Draußen und Drinnen kaum noch unterschieden wird, denn der Feind kann mit am Küchentisch sitzen, alle sind längst von den Gewalten „draußen“ geformt und getrieben.

Im Fernsehfilm „Der letzte schöne Tag“ (ARD/WDR 2012) nimmt sich die Mutter Sybille Langhoff (Julia Koschitz), die an Depressionen leidet, von einem Tag auf den anderen das Leben. Die Familie rätselt. Warum? Warum nur? Der Zuschauer bekommt keine Antwort, auch die Figuren müssen lernen, mit dem Unerklärbaren zu leben. Doch bei aller emotionalen Erschütterung lässt der Film die Familie doch intakt, sie ist nicht Antwort auf alle Fragen, aber sie wirft Fragen auf, die verbinden, existenzielle Fragen, die man nicht abschütteln kann. Zum „Familienverteidigungsfilm“ wird letztlich auch ein Film, der erzählt, dass erst die Familie ihren Mitgliedern Schmerzen zumutet, die kaum ein anderer Bund mobilisieren kann. „Marias letzte Reise“ (ARD/BR 2005) handelt vom selbstbestimmten Sterben einer krebskranken Frau und Bäuerin, die durch ihr Sterben verhärtete Familienfronten aufbricht. Marias Sterben löst einen familiären Klärungsprozess aus, der dazu führt, dass Sprachlosigkeiten überwunden und alte Feindbilder überdacht werden.

Lange Zeit war das „Vollweib“ Christine Neubauer eine imaginäre Familienministerin ersten Ranges, vor allem am Freitagabend im Ersten, wo ihre Figuren auf dem Degeto-Sendeplatz ihr Liebesleben, ihre Familien und ihr Helferinnen-Image verteidigte. Inzwischen tummeln sich auch andere Lebenskünstler auf diesem Schaum-&-Seifen-Sendeplatz. Unlängst sah man dort Charly Hübner in dem Film „Anderst schön“ (ARD/NDR/Degeto 2015). Als rühriger Hausmeister Roger Müller in einer Plattenbausiedlung zeigte er, dass familiäre Gefühle auch auf Dinge übergreifen, dass Plattenbauten auch Sorgenkinder sein können, dass ein verschwundenes Land, die DDR, wie ein verlorenes Familienmitglied betrauert werden kann. Das flugunfähige Muttersöhnen Roger muss lernen, sich von „Mama“ abzunabeln und eine eigene Frau, Familie und Welt zu finden. Dass er dabei auf Christina Große stößt, die hier eine alleinerziehende Mutter spielt, wundert nicht, denn Christina Große ist mittlerweile die omnipräsente Anwältin der verlassenen, betrogenen, geschlagenen oder verzweifelten Mutter. Ihre Filmografie belegt Mütterkrisen in Permanenz, sie ist die liebenswürdigste, traurigste und anrührendste Patchworkerin aller Zeiten. Durch sie schwingt sich das Fernsehen zum nimmermüden Wärmespender und Sorgengefährten auf.

Familie – davon handeln viele Filme – kann nicht mehr einfach nur fraglos sein, nicht einfach nur existieren wie noch die „Schölermanns“, sie ist nicht naturwüchsig hinzunehmen, sie muss vielmehr erarbeitet, hergestellt, verteidigt werden, Familie ist Prozess, Aufgabe, Joch, Investitionsruine, Traumtänzergrab, aber auch Heimat und wurzeltaugliche Herkunft, wenn es gelingt, widerstreitende Energien und Interessen im familiären Beziehungsraum zusammen­zubringen.

Im Zoo

Das urplötzlich bedrohte, gefährdete Kleinfamilienglück thematisiert der versponnen verspielte Film „Hedi Schneider steckt fest“ (ZDF, Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“/Arte), ein Drama, ohne teutonisches Symbolblei in den Schuhen. Ein junges Paar, ein Kind, kein Trauschein, alles läuft. Alltag, Erziehung und Beziehung, alles wird gemeistert. Es ist ein verbindlicher unverbindlicher liebenswerter Flow – bis Hedi Schneider von Panikattacken heimgesucht wird. Die Beziehung droht zu zerbrechen. Hedis Freund Uli findet Geborgenheit bei einer gehörlosen Geliebten. Sie besuchen einen Zoo und liefern sich in Gebärdensprache den folgenden Dialog. Sie: „Ich mag am Zoo, dass die Tiere auch nicht sprechen können, dann fühle ich mich nicht mehr so allein.“ Er: „Manchmal hätte ich lieber eine Tierfamilie anstatt einer Menschenfamilie.“ Sie: „Was hättest du dann gerne für eine Frau? Erdmännchen?“ Er: „Nein, eher so etwas wie einen Hamster, das überfordert mich sonst.“

Während dieses Paar in den Zoo flüchtet, um dem scheinbar komplexeren Menschenzoo zu entkommen, inszeniert das Privatfernsehen seine Doku-Soap-Familiengeschichten, als würde man mit exotischen Spezies konfrontiert. Komm, lass uns Unterschicht schauen! „Die Wollnys – Eine schrecklich große Familie“ (RTL 2) stellt das tägliche Schnatter- und Schnabelchaos einer zehnköpfigen Großfamilie aus. Familie ist hier Dschungel und Krisengebiet. Laut soll es zugehen, krachen soll es, Familie als sozialer Brennpunkt, das war auch schon die Dramaturgie in „Familien im Brennpunkt“ (RTL) oder im Helferformat „Die Super-Nanny“ (RTL). Im Privatfernsehen wird der familiäre Sprengstoff gerne auch experimentell angereichert durch Krawall-Konstellationen wie „Frauentausch“ (RTL 2) oder „Die strengsten Eltern der Welt“ (Kabel 1), wo dysfunktionale und prekäre Familienverhältnisse unter dem Label der eingreifenden Pädagogik ausgebeutet werden. Zu diesen Sozialexperimenten gehört auch die Inszenierung von Zwangsfamilien („Big Brother“, RTL 2) oder Wahlfamilien („Berlin – Tag und Nacht“, RTL 2), die als alternative Familien- und Eskalationsromane erzählt werden.

Der Frühling des Patriarchen

Es mutet seltsam an, dass nach dem viel und oft beschworenen Tod der Familie und gut 40 Jahre nach dem Roman „Der Herbst des Patriarchen“ von Gabriel García Márquez man mit Blick auf das deutsche Fernsehen und Kino vom Frühling des Patriarchen sprechen muss. Ist diese Sozialfigur nicht längst passé? Warum feiert sie fröhliche Auferstehungen? Was erzählt sie uns über Familien? Recht unergiebig waren in diesem Sinne Mehrteiler wie „Die Patriarchin“ (ZDF 2005) oder „Der letzte Patriarch“ (ARD/Degeto 2010), die als Star-Vehikel für Iris Berben und Mario Adorf funktionierten, aber wenig über reale soziale Reibungs- und Zerrüttungsprozesse zu berichten wussten. Abenteuerliche Dynastie-Kämpfe, opulente Generationenkriege als Gefühlsaction.

Neuere, jüngste Produktionen auf diesem Feld sind „Ein großer Aufbruch“ (ZDF 2015) und „Familienfest“ (ZDF 2015; zuerst ab 15. Oktober im Kino, der Ausstrahlungstermin im ZDF steht noch nicht fest). Beide Filme bedienen dasselbe schon etwas in die Jahre gekommene Modell: Ein Familienfest bringt alte dunkle Familiengeheimnisse ans Licht, das Sterben eines Familienmitglieds zwingt die Beteiligten zu neuer Wahrhaftigkeit, die Familie, die eben noch tot am Boden lag („Wir sind keine Familie, wir haben außer ein paar Genen nichts gemeinsam!“, aus: „Ein großer Aufbruch“), zerstritten und voller Unglück, wird restabilisiert, auf neue Möglichkeitswege entlassen.

Mag sein, dass die Patriarchenfilme soziale und unternehmerische Strukturveränderungen spiegeln – Leo Kirch, Alfred Neven DuMont, Uli Hoeneß galten als letzte Patriarchen ihrer Zunft – es könnte aber ebenso gut sein, dass die Konjunktur der Patriarchen als Figur die Sehnsucht nach verlässlichen familiären und dramaturgischen Konfliktpartnern anzeigt. Vielleicht erzählen diese Edel-Patriarchen-Filme (Matthias Habich als sterbender Dritte-Welt-Aktivist und erotischer Freibeuter in „Ein großer Aufbruch“ und Günther Maria Halmer als tyrannischer und homophober Starpianist in „Familienfest“) mehr über die Sehnsucht des Fernsehens nach attraktiver dramatischer Familie und über den Wunsch der Autoren, die realen diffusen Familienwirklichkeiten zu ordnen und in homogene Figurenporträts zu übersetzen. Beide Filme machen die Lüge, die Unwahrhaftigkeit als Feind eines gelingenden Familienlebens aus, beide nutzen den Tod als Movens, um einem neuen emotionalen Sprechen eine Chance zu geben, einen neuen Familienraum aufzumachen, beide funktionieren so: idyllische Trugbilder zeigen, Fassadenzerstörung betreiben, Trümmerglanz polieren.

Da war das Patriarchendrama „Familienkreise“ (ARD/BR 2003) schon einmal weiter. Der ausgezeichnete Film von Stefan Krohmer (Regie) und Daniel Nocke (Buch) verwickelte die Figuren in ein dichtes Gespinst von Versionen und Perspektiven und rehabilitierte – gerade im familiären Kosmos – die Lüge, die Halbwahrheit, die vielfach schillernde Version. Der Patriarch wurde nicht gestürzt, er wurde flüssig gemacht, familiär eingesponnen, in kleinen Schritten entthront. In diesem Zusammenhang meint gelingendes Familienleben – wohl ein realistischer Erzählansatz – einander eben nicht alles zuzumuten, voreinander auch fremd bleiben zu können und dem anderen nicht unbegrenzte biografische Gewalt über sich selbst einzuräumen. Familie kann gerade da gelingen, wo man sich nicht ans Unbedingte ausliefert.

Sofas

Die Sofas werden immer ausladender, aber die kollektiven Sofafeste werden immer seltener. Früher war das Sofa das Triumphmöbel des alten linearen Fernsehens, heute liegt das kinderlose Paar auf dem Sofa in L-Form und lebt/liegt in Serie. Die Serie ist heute das gemeinsame Kind, das noch nicht geboren ist, das L-Sofa ist der Vorgriff aufs Familienleben, das eventuell noch kommt oder mit wechselnden Wahlfamilien bestückt wird. Die Serie ist die Familie, die wir selbst wählen.

Sendungen, die das große Sofa notwendig machen, werden eher seltener. Die ZDF-Samstagabendshow „Wetten dass..?“ existiert nicht mehr, der „Tatort“ im Ersten ist Konsens, sperrt aber die Kleinen aus. Da bleiben noch Shows wie „Klein gegen Groß“ (ARD), „Wer wird Millionär?“ (RTL), „The Voice of Germany“ und „The Voice Kids“ (jeweils Sat 1) oder „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL). Die Restfamilie auf dem Sofa ist die ausgelagerte Castingzelle des Privatfernsehens, Eltern und Geschwister sind die Türhüter, die ersten Juroren. Ab und an liegt man noch gemeinsam auf dem Sofa, schaut aber in verschiedene Kanäle: Smartphone, Tablet, Laptop, E-Book.

Monster

Der Film „Wir Monster“ (eine Kinoproduktion unter Mitwirkung von WDR und Arte) wurde mit dem Begriffsetikett „Antifamilienfilm“ beworben. Was ist das? Wie geht das? Paul und Christine haben sich getrennt. Seither zerren sie an dem Kind und das Kind zerrt an ihnen. Vatertage, Muttertage. Das trennungsgeschädigte, heftig pubertierende Mädchen inszeniert einen Mord an ihrer besten Freundin, um Aufmerksamkeit einzufordern. Während die Mädchen sich insgeheim amüsieren, kommt ein fataler Kreislauf in Gang. Die überforderten Eltern versuchen, den angeblichen Mord zu vertuschen und werden schließlich wirklich zu Mördern, als der Schwindel auffliegt. Der Film treibt die Familienzerstörung auf die Spitze: Im Kampf um die eigene Selbstverwirklichung, im Kampf um den Anschein einer heilen Welt und die Zukunft der eigenen Tochter, werden die Eltern zu Mördern. Vater Paul gesteht ein: „Wir sind Monster!“ Diese Eltern stehen für eine Generation, die dem „Narrativ der Selbstverwirklichung“ gefolgt ist und dabei die Kinder und einander aus den Augen verloren hat. Diese aber, die Kinder, sind noch perfider als die Eltern und kämpfen nun mit den rabiatesten Mitteln um Geltung. Sie haben die Diktate der Aufmerksamkeitsökonomie verinnerlicht und fechten rücksichtslos um ihren Platz im Familienzirkus.

Solche Totalschaden-Szenarien, die man oft in den achtziger und neunziger Jahren antraf, scheinen inzwischen eher seltener geworden zu sein; öfter stößt man auf Familien, die versuchen, die kontaminierten Gelände zu entgiften, die versuchen, eine neue Familienökologie zu entwickeln. Die Selbstverwirklichungsfallen werden gesehen und reflektiert, wobei nicht die Karrieristen dominieren, sondern die vom Arbeitsmarkt Getriebenen, die – aus ihrer Sicht – einem Berufsweg folgen müssen.

Von solchen Gefechten und auch neuen Rollenbildern wusste etwa der Film „Du bist dran“ (ARD/WDR 2013) zu erzählen, wo Lars Eidinger einen Hausmann spielt, der sich von den beruflichen Zielen seiner Frau schließlich überrollt und plattgemacht fühlt. „Die beiden haben“, weiß der Großvater „das traditionelle Rollenmodell auf den Kopf gestellt.“ Und der Hausmann bilanziert sarkastisch: „Meine Frau kümmert sich um die Dritte Welt, ich kümmere mich um die Kinder.“ Der Film fordert nun nicht die Rückkehr zum traditionellen Rollenbild, aber er zeigt Deformationen auf beiden Seiten, der der Selbstverwirklichung und der des Selbstverzichts. Allerdings schließt „Du bist dran“ mit vorsichtigem Optimismus, die Familie bricht auf, bewegt sich, fährt ins Ungewisse. Dass der Mann die Kindererziehung ebenso fürsorglich und liebevoll wie die Mutter leisten kann, wird nicht in Frage gestellt.

Diese ernüchterte, illusionslose Zuversicht leistet sich am Ende auch der im Mai auf Arte und Anfang September im Ersten zu sehende Film „Eltern“ (Kinokoproduktion/ARD/SWR/Arte 2015) mit Charly Hübner und Christiane Paul, der zeigt, wie anstrengend Familienarbeit ist, was sie einer Ehe und den Wegen der Selbstverwirklichung abverlangt. Der Film ist eine Bestandsaufnahme einer erschöpften Generation, die feststeckt zwischen Broterwerb, Aufstiegshoffnungen, Karriereverzicht und Familienarbeit, ein Film wie ein Appell: Bitte nehmt wahr, was für Monster Kinder sein können, was für ein Glück sie schenken, wie sie uns Eltern beherrschen, was wir als Dompteure Tag für Tag leisten! Auch dieser Film transportiert kein verstecktes Ressentiment gegen die beruflich erfolgreiche Frau, er fordert nicht insgeheim die Rückkehr zu einer vermeintlich normalen, naturgegebenen Familienordnung. Familienordnung heute – so das Fazit – ist Verhandlungssache.

Patchwork in Serie

Patchwork ist überall, selbst in den biedersten Formaten wie beispielsweise den Serien „Familie Dr. Kleist“ (ARD) oder „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“ (ZDF). Die hier auftretenden Witwer in Serie sind so toll, dass es kaum zum Aushalten ist. Sie sind soziale Alleskleber, beinahe von obszöner Übermenschlichkeit. Der verwitwete Geistliche in „Herzensbrecher“ ist nicht nur ein einfühlsamer Pastor, der die Gemeinde begeistert, er ist auch ein sensibler und zugleich kraftvoller Liebhaber, ein fürsorglicher Vater, ein Freund, wie man sich ihn wünscht, ein erfindungsreicher Krisenmanager und ein durchtrainierter Actionheld. Was kann er eigentlich nicht?

Sympathischer sind die familiären Pannen-Patchworker in den Serien „Türkisch für Anfänger“ (ARD) und „Sibel und Max“ (ZDF), die nicht nur familiär, sondern auch kulturell vermitteln und Beziehungen stiften müssen. Während Patchwork vor Jahren noch ein Belastungsmotiv darstellte, wird die Patchwork-Familie im Fernsehen nun zum Normalbild, mitunter auch zur Bereicherungsquelle, zum innovativen Differenzlabor. Stirbt die „geordnete“ Normalfamilie – Vater, Mutter, zwei Kinder – aus?

Demenz

Der Erinnerungs- und Identitätsverlust durch Demenz ist paradoxerweise zu einem der größten „Anwälte“ des Familienfilms geworden, weil er eben das fundamental bedroht, was Familien vor allem zusammenhält: gemeinsame Erinnerungen, familiäres Gedächtnis, Generationenbrücken, Erfahrungsübergabe. Fast hat sich hier ein eigenes Genre entwickelt von „Mein Vater“ (ARD/WDR 2003) mit Götz George und Klaus J. Behrendt über „Wohin mit Vater?“ (ZDF 2010) mit Hans-Jochen Wagner und Anna Loos, „Die Auslöschung“ (ORF/ARD/SWR 2013) mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck, „Nichts für Feiglinge“ (ARD/Degeto 2013) mit Hannelore Hoger und Frederick Lau, „Sein gutes Recht“ (ZDF/Arte 2014) mit Matthias Habich und Thekla Carola Wied bis hin zu jüngst „Mein vergessenes Leben“ (ZDF 2015) mit Robert Atzorn.

Dabei werden verschiedene Aspekte des Themas behandelt: der Verlust der Elternautorität (überwiegend Väter, seltener Mütter), die Suche nach einem Pflegeplatz, die Belastung von Angehörigen, die zu Hause pflegen, die büro­kratischen Fallen und Hindernisse bei bestellten Vormundschaften oder das Drama des individuellen Identitätsverlustes. Sicher, der „Demenz-Film“ bietet gerade den „Stars“ ein reiches herausforderndes Spiel- und Materialgelände, doch diese Einladung zum virtuosen Spiel wird zumeist sehr verantwortungsvoll und mit Diskretion wahrgenommen.

Sehr überzeugend agierte zuletzt Robert Atzorn als Demenzkranker, auch weil – wohl erstmalig in dieser Art und Weise – der Film sich ganz auf die Identitäts- und Wahrnehmungsverluste des Protagonisten stützte, weil dessen Handicaps akustisch und visuell nachgespürt wurde durch besonders deviante Kameraeinstellungen und Soundsignaturen. So wird ein Fernsehfilm auch zur Sensibilitätsschulung des Zuschauers, der sich in die beschädigte Psyche des Kranken einfinden und sich mit ihm in den versehrten Bildern und den beschädigten Erfahrungsräumen der Hauptfigur zurechtfinden muss. Durch sprunghaftes und Leerstellen anbietendes Erzählen wird die Perspektive des Kranken erkundet. Nicht zuletzt sind alle Demenz-Dramen stets ein Plädoyer für die engagierte Familie, auch wenn die Angehörigen partiell als hilflose, überforderte oder unwillige Helfer gezeigt werden.

Eidinger und Brandt

Man könnte wohl ein Buch über sie schreiben: Über Brandt/Eidinger. Über den anhaltenden Erfolg dieser beiden Schauspieler und die Körper-, Männer- und Familienbilder, die sie anbieten. Und was ihr Aufstieg mit sich wandelnden Rollenbildern in den letzten zehn Jahren zu tun hat. Erschütterte Männer gab es auch nach 1945. Hanns Lothar oder Robert Graf haben sie gespielt. Nervöse, spillrige, konfliktschiefe Typen, die ebenso vom Krieg wie vom Wirtschaftswunder beschädigt waren. Lars Eidinger und Matthias Brandt hingegen sind nicht durch einen großen Krieg, sondern durch die Erosionsprozesse des Traditionellen erschüttert, tausend kleine Kriege, das heißt, sie spielen all die Männer, die nicht mehr nur Männer sind, sondern auch Fraumänner, Teilzeitmänner, Teilzeitväter, Identitätspuzzler. Sie spielen „Ich-weiß-nicht-mehr-wer-ich-bin“- oder „Bin-nich’-so-der-Familien-Typ“-Männer. Zugleich repräsentieren sie zärtlichste und verlässlichste Freunde. So geht Mannsein heute (zumindest hierzulande). Deutschland 2015 sieht aus wie Brandt/Eidinger.

Brandt und Eidinger spielen Männer, denen würde man eine Schwangerschaft zutrauen. Sie spielen so, dass man sie in den Arm nehmen oder eben von ihnen in den Arm genommen werden will. Sie sind die zuverlässig Unzuverlässigen. Mal Sadisten, mal Seelentröster. Sie spielen die großen Alleinbleiber (Brandt als Kommissar von Meuffels im Münchner „Polizeiruf 110“, ARD/BR; Eidinger „Grenzgang“, ARD/WDR/NDR) und zugleich die verzweifelten Familiensucher. Sie werden geschlagen (Brandt von seiner Frau in Jan Bonnys Film „Gegenüber“) oder sie morden und vergewaltigen (Eidinger in „Der Prediger“, ARD/BR 2014, oder „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“, 2015). Sie lassen ihr Geschlecht umwandeln (Eidinger in der „Polizeiruf“-Folge „Der Tod macht Engel aus uns allen“) oder sie lassen den dauererigierten Phallokraten noch einmal Triumphe feiern (Brandt in „Männertreu“, ARD/HR 2014). Brandt/Eidinger spielen nicht die Familienunwilligen, sondern die Familien-Äquilibristen, die davon berichten, wie schwer es heute ist, Familienanwalt zu sein, auch wenn die Sehnsucht groß ist, in einer Familie Unterkunft zu finden. Sie stiften Familie auch dort, wo keine Blutsbande puckern, sie begründen Wahl- und Freundschaftsfamilien, Not- und Helfergemeinschaften.

Parasoziale Familien

Sind weltweit erfolgreiche Serien wie die US-Produktionen „Breaking Bad“, „The Walking Dead“ oder „Dexter“ nicht auch Familienserien? Steckt hinter ihren Katastrophen, Implosionen und Gemetzelbildern nicht der unzerstörbare Familienwunsch? Wie weit würdest du gehen, um die Menschen, die du liebst, zu beschützen? Walter White wird zum Drogen-King und Killer, um seiner Familie eine Zukunft nach seinem Krebstod zu sichern. Morgan Dexter vergießt Ströme von Blut auf der Suche nach Empathie und familiärem Obdach. Rick Grimes nimmt es mit Zombie-Herden auf, um seine Familie zu retten.

Wir, die Zuschauer, leben uns ein, über vier, fünf oder acht Staffeln. Wir fiebern mit, leiden mit, wünschen mit. Serien sind transitorische Familien, sie laden uns ein, Teil einer TV-Familie zu sein. Wir ziehen ein in das Haus, wo Kehlschnitte, Schädelspaltungen und dergleichen zum täglichen Arsenal der Familienverteidigung gehören. Diese Familien kämpfen um ihr Leben und flüstern: Wir wissen, du hast es schwer – wir haben es schwerer. Aber wir verhandeln deine Konflikte, wir hinterfragen deine Werte, wir treiben die Verzweiflung auf die Spitze, damit du ruhig schlafen kannst.

Walter White, Rick Grimes und Morgan Dexter sind genau besehen Familienanwälte, sozialethische Provokationsfiguren. Sie wissen nur nicht genau, wie das geht, das Bewahren, das Retten. Ihre Verteidigungen der Familie sind nicht selten Patentrezepte zum Untergang derselben. Aber all diese familiären Extremisten wollen nur ihre Familie retten, die zwei Kinder, das Haus, den Job, die Frau, das Auto, das Familienalbum, das Grillfest. Im dystopischen Licht strahlt die Normalität wie ein Edelstein. Vielleicht, vielleicht ist die deutsche Familienserie deshalb nicht auf der Höhe der Zeit, weil hierzulande die Verteidigung der Normalität nicht auf die Spitze getrieben werden darf und die Grenzüberschreitungen des Normalen nur im „normalen“ Grenzüberschreitungsbereich stattfinden dürfen. Weil die Erschütterungen des Familienbildes nur dosiert und realistisch gebunden (Demenz, Krebs, Untreue, Mobbing, häusliche Gewalt, Burn-out, Tod des Partners) betrieben werden dürfen. Weil die Anwälte der Familie sich die Hände nicht blutig machen dürfen.

Architekten

Die Figur des Architekten hat im deutschen Kino und Fernsehen seit einigen Jahren Konjunktur. Ob in „Mitte 30“ (ARD/BR 2008), „Der Architekt“ (Kinokoproduktion/ARD/NDR 2012), „Gestern waren wir Fremde“ (ARD/Degeto 2013), „Der letzte schöne Tag“ (ARD/WDR 2014), „Der Andi ist wieder da“ (ARD/SWR 2015) „oder Ich will dich“ (ARD/WDR/Arte 2015), um nur einige Filme zu nennen. Hat das etwas mit der Familie zu tun? Oder ist das nur eine wenig zu begründende motivische Mode?

Zunächst einmal kann man den Architekten auf Baustellen zeigen, die – das wissen wir nicht erst seit Wolfgang Beckers Kinofilm „Das Leben ist eine Baustelle“ (1997) – ein wirkungsvolles Motiv für alles Provisorische, alles noch zu Bauende und zu Befestigende darstellen. Baustellen sind Sehnsuchtsmotive, biografische Baukästen, sie zeigen Stadien der Annäherung. Zugleich ist der Architekt ein Sozialplaner, ein Entwurfskünstler des sozialen und des familiären Lebens. So entwirft die Architektin Marie (Ina Weisse) mit ihrem Mann in „Ich will dich“ das familiäre Traumhaus, um dann festzustellen, dass sich das Leben allen Skizzen und Entwürfen entzieht. Die selbstbewusste Architektin verliebt sich in eine Frau und mit dieser radikalen emotionalen Wende sind sowohl ihr Mann als auch die Kinder überfordert.

Zugleich verkörpert der freie Architekt in vielen Filmen die sich geschröpft fühlende Mittelschicht mit Abstiegssorgen, die unter permanentem Stress leidet und versucht, eine halbwegs akzeptable Work-Life-Balance hinzubekommen. Der gescheiterte Architekt (Mark Waschke) in „Mitte 30“, der seinen Beruf wegen der prekären Selbstausbeutung aufgibt, steht gerade für den familien- und beziehungsuntauglichen Mann, der weder in die Familie noch in den Beruf hineinfindet, weil es ihm nicht gelingt, familiäre und berufliche Bindungen als dauerhafte Identitätsmuster des eigenen Selbst anzuerkennen. Er bricht einen Reifeprozess ab, kehrt, obschon dafür zu alt, in die Adoleszenz zurück und landet in überwunden geglaubter Orientierungslosigkeit.

Seinen Kompass hat auch der Held in Friederike Jehns sehr schönem Film „Der Andi ist wieder da“ verloren, ein Architekt, der zwar einen preisgekrönten Entwurf vorzuweisen hat, aber ansonsten „knietief im Dispo“ steht und lebt. Keine feste Bindung, weder partnerschaftlich noch beruflich, kein Geld, keine Perspektive. Ein Improvisationskünstler, der mit dem letzten Tropfen Benzin in die alte Heimat zurückkehrt, wo seine Herkunftsfamilie lebt, ihm fremd geworden, emotional weit entfernt ist, ihm, dem einzigen Akademiker der Familie, mit Vater und Bruder zerstritten. Für diesen Heimkehrer (wunderbar lakonisch: Nicholas Reinke) mit lädiertem Selbstbewusstsein ist die Konfrontation mit der Familie und der Provinz ein heilsamer Prozess, nicht nur weil er im Konflikt mit dem Vater ein altes Kindheitstrauma bewältigen kann, sondern auch weil er die Gewissheit findet, dass sein urbanes Großstadtleben, das unter einem ironischen Vorbehalt steht und von emotionaler Unbehaustheit gekennzeichnet ist, genau die Herausforderung darstellt, die er sucht.

In „Der Andi ist wieder da“ geht es auch viel um das Elternhaus als Haus, als Kapital, als Lebensaufgabe, als Erbe. Dieser Aspekt familiärer Prägung kommt im deutschen Film oft viel zu kurz, denn gerade der Bau von Häusern, der Traum von den eigenen vier Wänden, die Verteidigung derselben, die Pflege, die über Jahrzehnte geronnene Atmosphäre – all das stellt in Hinblick auf das familiäre Dramapotenzial ein vernachlässigtes Gut dar. Ein realistisches Erzählen würde sich noch tiefer in das Haus als Akteur familiärer Identität versenken, das Haus, als Architekt eines Alltags, mal Alptraum, mal Nest, mal Winkel, mal Glücksmaschine, Schreckenskammer, Geisterbahn oder Utopie.

Kapellen der Versöhnung

So sehr sich das Fernsehen am Zerfall der Ordnungen labt, so sehr stellt es Ordnung stets wieder her. Die familiären Erosionsprozesse, die es fördert, weil es seine Produkte immer zielgenauer und individueller in die Bedürfniszentren namens Zuschauer verschickt und damit Sofa-Gemeinschaften eher löst als schafft, nehmen sich im Vergleich zur bindungszersetzenden Kraft des Internets inzwischen harmlos aus. Das Netz schafft zwar permanent neue Bindungen, aber es normiert und standardisiert diese so erfolgreich, dass uns Netzwerkern was fehlt. Authentizität? Bedingungslosigkeit? Gefühle, die nicht kapitalisiert und utilitaristisch deformiert sind? Selbstfindung durch Selbstlosigkeit? Das Netz spielt den Anwalt des aufrichtigen Gefühls und je verbissener wir in ihm nach uns suchen, desto enttäuschter fühlen wir uns in den Familien, die es uns anbietet. Trotz Smart-TV und Flatscreen verbreitet das Fernsehen den Charme der Nostalgie. Das Fernsehen kann auf die Familie offenbar gar nicht verzichten, denn die Familie ist der größte dramaturgische Rohstoff, vielleicht auch der mächtigste Gegenspieler des Marktes, des Kapitals.

Der Fernsehfilm der letzten Jahre – als Essay und Labor – reflektiert die Sehnsucht nach Familie, ihre Gefährdungen, ihre Bindungskräfte. Die weltweiten Erfolge der großen Qualitätsserien spiegeln nicht nur den Wunsch nach Unterhaltung wieder, sondern auch die Suche nach komplexen familiären Gemeinschaften, die den alten Familienbegriff hinter sich lassen, ohne alle Familienwerte aufzugeben. Familie ist – so erzählt es das Fernsehen – ein weiteres und bunteres Feld als jemals zuvor. Die Gewalt, die in einer Familie steckt, wurde in den vergangenen Jahren nicht nur als negative, sondern vorsichtig als positive Kraft entdeckt. Familie als Kapelle der Versöhnung, Kapellen am Wegesrand, die luftig sind, plötzlich entstehen, aber ebenso schnell wieder verschwinden können.

Vielleicht ist die Familie der letzte große Abenteuerfilm, der noch nicht ausgelaugt ist von all den Genrevariationen und Genreüberschreitungen, vielleicht ist die Familie die letzte große Show ohne charismatischen Master, vielleicht ist die Familie das bessere Fernsehen. Jede Familie schreibt Drehbücher, lebt von Improvisationen und sucht nach Geschichten, die dem Alltag imaginären Sauerstoff jenseits des Sofas verabreichen. Als Diskurs- und Identitätspartner ist das Fernsehen der Familie willkommen und umgekehrt ist das auch so.

25.09.2015/MK

Print-Ausgabe 10/2016

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