Die Aufgaben gehen nie aus

Interview mit dem scheidenden Deutschlandradio-Intendanten Willi Steul

Von Ludwig Ring-Eifel

10.08.2017 • Am Willi Steul ist seit April 2009 Intendant des Deutschlandradios. Im November 2016 hatte der Sender bekanntgegeben, dass der Intendant seine zweite Amtszeit vorzeitig beenden werde. Es sei nun der richtige Zeitpunkt, „um die Staffelübergabe an seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger einzuleiten“, hieß es damals dazu. Am 8. Juni 2017 wählte der Hörfunkrat des Deutschlandradios (auf Vorschlag des Verwaltungsrats) Stefan Raue, den trimedialen Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), zum neuen Intendanten des Deutschlandradios (vgl. MK-Artikel). Raue, 58, übernimmt das neue Amt am 1. September und Steul, 66, hat nun am 31. August seinen letzten Arbeitstag als Deutschlandradio-Intendant, das Standorte in Berlin und Köln hat. Ursprünglich wäre Steuls zweite Amtszeit, die im April 2014 begonnen hat, am 31. März 2019 geendet. Willi Steul hat im letzten Jahr seiner Amtszeit für die Programme des Deutschlandradios noch eine einheitliche Markenarchitektur eingeführt: Angelehnt an das Informationsprogramm Deutschlandfunk „als Gütesiegel“ wurde zum 1. Mai 2017 Deutschlandradio Kultur umbenannt in Deutschlandfunk Kultur und DRadio Wissen erhielt den neuen Namen Deutschlandfunk Nova (vgl. MK-Meldung). Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), sprach für ein Interview von KNA und „Medienkorrespondenz“ – die beide in Bonn im Katholischen Medienhaus angesiedelt sind – mit Willi Steul über dessen knapp achteinhalbjährige Amtszeit als Deutschlandradio-Intendant und über aktuelle Entwicklungen. • MK

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MK: Herr Steul, der 31. August 2017 ist Ihr letzter Arbeitstag als Intendant des Deutschlandradios. Wenn Sie zurückblicken, was war die wichtigste Aufgabe in Ihren rund achteinhalb Jahren als Intendant?

Steul: Meine wichtigste Aufgabe war es, das Haus technisch und administrativ zu modernisieren und es umzubauen. Wir haben erhebliche Investitionen in die modernste Technik unternommen. Das war eine Vorbereitung auf die Zukunft. Wir sind da gut aufgestellt. Und dann hatte ich mir vorgenommen, die Programme des Deutschlandradios zu verändern: den Deutschlandfunk behutsam und Deutschlandfunk Kultur stärker. Wir sehen, dass wir nach der Veränderung mehr Hörer haben als vorher. Und das, obwohl es ja keine Massenprogramme sind, sondern solche, die eine gewisse Aufmerksamkeit erfordern.

MK: Wie ist denn diese Veränderung beim Deutschlandfunk Kultur in der Redaktion aufgenommen worden? Dort gab es ja eine Tradition, sich als ein eigener Vollsender mit Politik und allem anderen zu verstehen.

Die stärkste Radiomarke in der Republik

Steul: Deutschlandfunk Kultur ist weiterhin ein Vollprogramm in dem Sinne, dass dort selbstverständlich auch über Politik informiert wird. Aber es ist natürlich von seinem Charakter her hauptsächlich ein Kulturprogramm. Sowohl der Deutschlandfunk als auch Deutschlandfunk Kultur müssen in sich vollständig sein. Sie können keinen Deutschlandfunk machen ohne Kultur und sie können keinen Deutschlandfunk Kultur machen ohne politische Informationen und politischen Hintergrund. Nur die Schwerpunkte sind natürlich völlig anders gesetzt. Ich habe immer gesagt, dass wir die Programme komplementär zueinander aufstellen müssen, in einer Flottenstrategie. Und das hat funktioniert. Wir haben das schrittweise gemacht. Schon vor Jahren habe ich entschieden, dass wir nachts im Deutschlandfunk keine Musik mehr senden, sondern ein Wortprogramm. Denn es gibt ja in der ARD bereits ein Klassikangebot für die Nacht mit hochwertiger Musik; die haben wir dann ja auch noch im Deutschlandfunk Kultur. Was fehlte, war ein nächtliches Wortangebot mit Hintergrund und tiefgehender Analyse. Und das machen wir im Deutschlandfunk. In der Nacht gewinnen Sie nicht zusätzliche Hörer, da sind die Hörerzahlen ohnehin gering. Aber es zahlt ein auf das Image, auf den Charakter, die Marke eines Senders.

Wir haben dann – und das war ein längerer Prozess – Analysen gemacht über unsere Marken und über die Programme. Wir haben unsere Hörer befragt, aber auch Menschen, die uns noch nicht kennen. Und da haben wir herausgefunden, dass Deutschlandfunk die stärkste Radiomarke in der Republik ist, über 80 Prozent der Menschen kennen den Deutschlandfunk, assoziieren mit ihm höchste Qualität und journalistische Sorgfalt. Und dann haben wir angesichts der Tatsache, dass auf den modernen digitalen Verbreitungswegen die Marke entscheidend ist, alle Programme nach dem Deutschlandfunk benannt. Und deshalb heißen unsere Produkte beim Deutschlandradio jetzt Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova. Ich bin mir sicher, dass das richtig war. Der Absender ist jetzt immer klar.

MK: Das hört sich nach einer ziemlich zufriedenen Bilanz an. Sprechen wir über die Zukunft. Was hinterlassen Sie ihrem Nachfolger außer einem gut bestellten Feld? Doch sicher auch ein paar ungelöste Aufgaben…

Strukturoptimierung: Noch wirtschaftlicher arbeiten

Steul: Ja, die Aufgaben gehen nie aus. Und mein Nachfolger wird sie bewältigen können, denn wir sind für die Zukunft technisch und administrativ gerüstet. Auch finanziell sind wir gut ausgestattet. Wir sind bis zum Ende der laufenden Rundfunkbeitragsperiode, also bis 2020, ausfinanziert, denn unser Haus hat bei der letzten Beitragsverhandlungsrunde fast zwei Cent pro Nutzer mehr zugeteilt bekommen. Wir verfügen nun über 49 Cent von den 17,50 Euro des monatlichen Rundfunkbeitrags. Das ist unser Fundament. Aber sie kennen ja auch die Debatte, die momentan über der gesamten öffentlich-rechtlichen Familie tobt. Und es gibt den Auftrag der Ministerpräsidenten. Wir werden im kommenden September einen Bericht abgeben müssen, das betrifft die ARD, das ZDF und auch das Deutschlandradio. Der Auftrag der Ministerpräsidenten lautet: Strukturoptimierung der öffentlich-rechtlichen Familie. Das heißt, wir müssen Vorschläge machen, wie wir noch wirtschaftlicher arbeiten, und müssen erklären, wie sich der Rundfunk insgesamt entwickelt.

Man wird dann sehen, wie die Ministerpräsidenten die drei Berichte nebeneinander legen und dann im März 2018 entscheiden, wie es weitergeht mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ob es größere Veränderungen gibt. Denn die Länder entscheiden über unsere Strukturen. Und das war in meiner ausgehenden Amtszeit, in den letzten Monaten, die große Aufgabe, das Haus zu durchforsten und herauszufinden, was noch möglich ist an Einsparungen. Ich gebe ihnen ein Beispiel. Der gesamte Materialeinkauf wird durch den NDR erledigt. Das heißt, wir können da Personal abbauen. Ab Januar 2018 wird die Abwicklung der Honorare durch den WDR erledigt, das heißt, auch hier können wir Einsparungen vornehmen. Wir sind mit unserer IT bei einem Rechenzentrum in Berlin, so dass wir auch hier eigene Leistungen einsparen. Die ARD ist jetzt in diesem Prozess des Auftrags der Ministerpräsidenten ebenfalls auf diesem Weg. Hier kann man Synergien erzielen. Deutschlandradio hat sie zu einem guten Teil in den letzten Jahren bereits erledigt.

MK: Das heißt im Klartext: auch Stelleneinsparungen im Bereich Technik und Verwaltung?

Steul: Ja. Deutschlandradio ist ein wunderschönes, feines Haus, aber wir sind natürlich ein kleines Haus. Wir haben 683 fest angestellte Mitarbeiter. Wenn sie die Aufgaben, die ich geschildert habe, schon erledigt haben, dann wird die Luft immer dünner. Von Deutschlandradio ist nicht mehr viel an Rationalisierung zu erwarten. Aber es kann durch diese sehr viel deutlicheren Kooperationen insgesamt in der öffentlich-rechtlichen Familie unter Aufgabe eigener Leistungen noch einiges gespart werden. Aber der Traum von der Beitragsstabilität, dass also die 17,50 Euro pro Haushalt auf viele Jahre gleich bleiben könnten, der Traum wird sich nicht realisieren lassen. Es sei denn, ARD, ZDF und auch Deutschlandradio würden massiv an ihren Programmen sparen. Und Programmeinschnitte hielte ich – zumindest für mein Haus und unsere Programme – für eine Katastrophe.

MK: Schauen wir mal etwas weiter in die Zukunft. Wird es in zwanzig, fünfundzwanzig Jahren überhaupt noch lineares Fernsehen und linearen Hörfunk als Massenmedien, so wie wir es kennen, geben?

Steul: Wenn ich die Zukunft präzise voraussagen könnte, dann würde ich jetzt vom 1. September an ein ganz hoch bezahlter Berater im Mediengeschäft sein. Ich kann ihnen das nicht voraussagen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es die lineare Ausspielung, so wie wir sie kennen, weiterhin geben wird. Aber zunehmen wird die zeitunabhängige Nutzung, also dass man sich in Mediatheken nach den eigenen inhaltlichen und zeitlichen Vorstellungen bedient. Wir sehen diesen Trend im Fernsehen ganz deutlich. Radio ist stärker als Fernsehen ein Begleiter, wobei die musikgestützten Massenprogramme inzwischen auch die Konkurrenz von Spotify und iTunes spüren. Aber bei den anspruchsvollen Programmen des Deutschlandradios werden wir trotz einer wachsenden Nutzung von Podcasts und Downloads vor allem die lineare Nutzung haben.

MK: Es gibt immer wieder Kritik, dass die öffentlich-rechtlichen Sender und eben auch das Deutschlandradio zu staatsnah seien, was sich strukturell doch auch darin zeigt, dass viele Vertreter von Staat und Parteien in den Aufsichtsgremien sitzen und die Intendantenwahl nicht frei von politischem Einfluss ist. Wenn Sie zurückblicken: Ist das ein Manko beim Deutschlandradio?

Kein politischer Einfluss auf die Programme

Steul: Ich habe in meiner Zeit als Intendant nie erlebt, dass politische Kräfte versucht hätten, auf die Programme Einfluss zu nehmen. Ich habe auch nicht erlebt, dass sozusagen nicht nur über mich, sondern auch direkt über die Redaktionen ein solcher Druck ausgeübt wurde. Wenn es um die Besetzung mit leitendem Personal geht, dann ist natürlich immer ein Versuch zumindest da. Und, ja, Sie haben Recht, da wir von den Ländern und von der Politik abhängig sind, ist die Versuchung groß. Nun gibt es auch einen neuen Staatsvertrag für Deutschlandradio. Nehmen wir den Verwaltungsrat. Von acht Positionen werden zwei vom ZDF besetzt und zwei von der ARD, wir sind ja eine Körperschaft in der Trägerschaft von ARD und ZDF und dennoch unabhängig. Und die anderen vier Positionen sind von amtierenden Ministern beziehungsweise Staatssekretären besetzt. Aber mit dem neuen Staatsvertrag wird die politische Bank, nennen wir es mal so, relativ kleiner werden, dann wird der Verwaltungsrat nämlich zwölf Personen umfassen und vier sind dann noch aus der Politik, das heißt, sie haben nicht mehr die Hälfte der Sitze. Damit wird die Einflussmöglichkeit geringer und dasselbe gilt übrigens für den Hörfunkrat. Aber wir haben, gerade auch im Hörfunkrat, keine parteipolitischen Auseinandersetzungen. Die Diskussionen dort sind interessant, qualitativ sehr hoch und es geht ums Programm, um Programmakzente, aber es geht nicht direkt um Politik.

MK: Es gab nach der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 den Vorwurf an die öffentlich-rechtlichen Sender, man habe sich zu sehr am Konsens der staatstragenden Parteien orientiert und sei nicht nahe genug an der Bevölkerung gewesen. Können Sie das nachvollziehen?

Steul: Das ist mir ein bisschen scharf formuliert. Aber ich habe im Gespräch mit den Kollegen schon 2015 immer wieder darauf hingewiesen: ‘Leute, betrachtet es mal vom Ende her, betrachtet es mal kritischer!’ Ich glaube, gerade im Deutschlandradio haben wir das grundsätzlich schon gemacht. Andererseits, Journalisten sind immer Teil der Gesellschaft, sie stehen nicht außerhalb von ihr. Natürlich haben sich Kollegen hinreißen lassen von diesem Gefühl der Erleichterung 2015, als man spürte, dieses Land ist anders, dieses Land ist freundlich zu Flüchtlingen, die kommen. Und, ja, man hat zu spät gemerkt, dass man es auch anders sehen kann.

Andere Blickwinkel sind wichtig. Anfang 2015 habe ich mich mit zwei Schulfreunden in Limburg getroffen, meiner Heimatstadt. Der eine ist Arzt, der andere ist Musiker. Wir haben über die Gesellschaft geredet, über ihre Veränderungen und auf einmal sagte der eine zu mir: ‘Willi, du hast den Metropolen-Blick.’ Ich sagte: ‘Was meinst du denn damit?’ ‘Ja, du redest über gesellschaftliche Veränderungen, gerade was Familien, die Beziehungen zwischen Mann und Frau und so weiter angeht, die Veränderungen in der Gesellschaft, die siehst du aus dem Blickwinkel Berlins. Du bist unterwegs zwischen Berlin und Köln und Paris, du siehst das mit dem Metropolen-Blick. Hier in Limburg oder in Montabaur sind die Verhältnisse anders. Die Menschen sehen die Dinge anders.’ Das hat mir sehr zu denken gegeben. Ich habe dann intern das auch diskutiert, nicht nur im Deutschlandradio, sondern mit anderen Kollegen: Woher rekrutieren wir eigentlich unseren Nachwuchs? Wir kommen fast alle aus der akademischen Mittelschicht. Sind wir uns wirklich immer genug bewusst, dass wir die Dinge aus unserem Milieu heraus sehen und dass wir viel sensibler sein müssen für andere Milieus? Die Hälfte der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland lebt nicht in großen Städten, sie leben in kleinen Städten oder auf dem Land. Und das sind andere Blickwinkel. Hier sehe ich ein Versäumnis, hier sehe ich die Notwendigkeit, dass uns dieses viel, viel bewusster wird.

Die Rolle der Kirchen in den Aufsichtsgremien

MK: Die Kirchen sind in den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender gut vertreten. Ist die Rolle der Kirchen zu stark, wenn man bedenkt, dass nur noch etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu den christlichen Kirchen gehört und dass der Islam immer stärker wird?

Steul: Ich bin seit langem der Meinung, dass sich in unseren Gremien auch Vertreter der muslimischen Mitbürger befinden sollten. Das Problem ist natürlich: Wer ist das, welche Organisation kann entsenden? Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, da haben die Muslime einen gewissen Nachholbedarf in ihrer Organisationsform. Aber insgesamt sind die Parteien und die Kirchen und in einem gewissen Maß auch die Gewerkschaften Institutionen, die nicht nur ein partikulares Interesse vertreten, wie die meisten anderen gesellschaftlichen Gruppen das tun. Sie haben das Ganze der Gesellschaft im Blick. Und ein Rundfunkrat sollte, ja, muss das berücksichtigen, das ist ein konstituierendes Element des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich halte es für sehr wichtig und richtig, dass da nicht nur Vertreter sitzen, die schmale Einzelinteressen vertreten, sondern dass diejenigen Institutionen mitwirken, die breiter aufgestellt sind.

MK: Das heißt, selbst wenn die Kirchen in den nächsten zehn, zwanzig Jahren noch weniger Mitglieder haben, sollten sie dennoch diese herausragende Stellung beibehalten?

Steul: Dann gehören sie immer noch zu den ganz Großen in dieser Gesellschaft. Ich selbst bin katholisch und bemühe mich auch, das so gut zu sein, wie es mir möglich ist. Das sind Werte, die da vertreten werden, die ganz wichtig sind für unsere Gesellschaft. Ich persönlich würde es außerordentlich bedauern, wenn die Kirchen aus diesen Funktionen ausscheiden würden.

MK: Wie steht es um das Wahlverfahren, insbesondere beim Posten des Intendanten beim Deutschlandradio. Das haben wir ja gerade erlebt und es ging nicht ganz ohne Konflikte. Sollte man dieses Verfahren nicht besser verändern?

Steul: Im Moment ist das Verfahren so, wie es ist. Das bedeutet: Der achtköpfige Verwaltungsrat muss sich mit Zwei-Drittel-Mehrheit auf einen Kandidaten einigen, den er dann dem Hörfunkrat zur Wahl vorschlägt, und dies muss auch mit Zwei-Drittel-Mehrheit erfolgen. Die Kritik im Wahlverfahren galt überhaupt nicht meinem Nachfolger, sondern es gab etliche Kräfte im Hörfunkrat, die sagten: ‘Was ist das für ein Verfahren? Das ist ja keine Wahl!’ Nur: Dann muss man halt den Staatsvertrag ändern!

MK: Was erwarten Sie von der Bundestagswahl? Es wird ja viel geunkt, es werde ganz anders laufen als früher, es werde Einflussnahmen  über Fake News, über Social Bots und anderes geben. Wird das also eine Bundestagswahl neuer Qualität werden?

„Die asozialen Medien“

Steul: Dass es diese Einflussnahmen woanders gegeben hat, ist wohl eine Tatsache. Und da es die Social Media gibt, die ich gelegentlich auch „die asozialen Medien“ nenne, wird uns die Aufregung im Internet begleiten. Sie wird zunehmen bei der Bundestagswahl und die Behörden schließen ja auch nicht aus, dass es möglicherweise Einflussnahmen geben wird. Wir haben den Hackerangriff auf die Computer des Bundestages erlebt, wir haben gesehen, dass Hacker auf die Netze der Parteien Zugriff hatten. Natürlich wird es diese Versuche geben und dann werden wir sehen. Es wird spannend werden. Interessierte Kreise werden alle Möglichkeiten nutzen, um auch über die modernen Medien, auch in krimineller Art und Weise, die Bundestagswahl zu beeinflussen.

MK: Wie wird das Deutschlandradio im Wahlkampf mit der AfD umgehen?

Steul: Niemand kann, niemand darf und niemand sollte die AfD ignorieren. Ich persönlich hätte mir manchmal ein bisschen weniger Aufregung gewünscht. Mehr Coolness, beobachten, berichten, nachdenklich sein. Der Umgang mit der AfD muss fair sein. Die journalistische Auseinandersetzung, die inhaltliche Auseinandersetzung, die etwa unsere Mannschaft des Morgenmagazins im Deutschlandfunk auch mit AfD-Politikern führt, die ist schon richtig. Die machen das gut, indem sie denen wie jedem anderen konfrontative Fragen stellen. Das ist eine Grundregel; egal, wer interviewt wird, man übernimmt eine Gegenposition. Und das macht man eben auch mit der AfD, mit der muss man sich dann in aller Ruhe inhaltlich auseinandersetzen. Und die Zuhörer müssen sich ihre eigene Meinung bilden.

10.08.2017/MK

Print-Ausgabe 20/2017

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