Programmreformen bei WDR 2 und WDR 4: Thadeusz‑Talk, Mittagsmagazin, Pop‑Geschichte 

Beim Hörfunk des Westdeutschen Rundfunks sind im vorigen Monat programmliche Änderungen bei WDR 2 und WDR 4 in Kraft getreten. Bei WDR 2 gilt seit dem 29. Mai ein neues Programmschema, bei WDR 4 bereits seit dem 8. Mai. Ziel der Neuerungen ist es vor allem, mehr Hintergrundberichterstattung zu politischen und gesellschaftlichen Themen (WDR 2) zu liefern und mehr regionale Themen aus Nordrhein-Westfalen (WDR 4) ins Programm zu nehmen. Ende April hatte der WDR-Rundfunkrat den Reformen mit großer Mehrheit zugestimmt. Der Rundfunkrat hat dabei eine jährliche Evaluation der Programmänderungen eingefordert. Die erste Zwischenbilanz solle bereits nach sechs Monaten erfolgen, „um die neuen Programme bei Bedarf nachjustieren zu können“.

Zentrale Änderungen bei WDR 2 sind die Einführung eines Mittagsmagazins und der Start der Gesprächssendung „WDR 2 Jörg Thadeusz“. Anfang 2013 war das damalige „WDR 2 Mittagsmagazin“ abgeschafft worden, das 1965 unter anderem von Dieter Thoma und Walter Hahn entwickelt und später von anderen ARD-Hörfunksendern zum Vorbild genommen wurde, um eigene Mittagsmagazine zu starten. Nun gibt es unter dem Namen „WDR 2 – Das Mittagsmagazin“ (montags bis freitags, 13.05 bis 15.00 Uhr) wieder eine längere Informationssendung im Tagesprogramm, in dem in den vergangenen Jahren die Berichterstattung über politische und gesellschaftliche Themen zu einem großen Teil nur noch in den regelmäßigen Nachrichtensendungen stattfand. Insgesamt war die Entwicklung bei WDR 2 so, dass das Programm seinem eigenen Anspruch, „Informationsleitwelle des WDR“ zu sein, immer weniger gerecht wurde.

Der Anspruch, eine Informationswelle zu sein

Mit dem neuen Mittagsmagazin wolle man an die Tradition des WDR-2-Klassikers anknüpfen und im Tagesverlauf eine Sendung anbieten, die Hintergrund und Einordnungshilfen liefere, erklärte Jochen Rausch, Leiter der WDR-Breitenprogramme 1Live, WDR 2 und WDR 4. Der Rundfunkrat verwies in einer Stellungnahme darauf, dass mit einem Mittagsmagazin WDR 2 „seinem eigenen Anspruch als Informationsleitwelle besser gerecht werden“ könne.

Seit dem 29. Mai gibt es bei WDR 2 von montags bis donnerstags in der Zeit von 19.05 bis 20.00 Uhr die neue Gesprächsreihe „WDR 2 Jörg Thadeusz“, die der Sender als „gesellschaftspolitisches und journalistisches Talkradio“ bezeichnet. Mit der Sendung will der WDR, wie er gegenüber der MK erklärte, „neue Impulse im öffentlichen Diskurs setzen“. Zu Gast hatte Jörg Thadeusz in den ersten drei Ausgaben die Grünen-Politikerin Kathrin Göring-Eckardt, den Fußballkommentator Marcel Reif und den Sternekoch Christian Lohse („Tipps zum Start in die Grillsaison“). Die von Thadeusz moderierte Sendung ist das Nachfolgeformat der beiden bisherigen Talk- und Gesprächsformate „WDR 2 Montalk“ (montags, 19.05 bis 21.00 Uhr) und „WDR 2 Arena“ (donnerstags, 19.05 bis 21.00 Uhr), die eingestellt wurden.

„WDR 2 Jörg Thadeusz“ wird nicht aus dem WDR-Funkhaus in Köln gesendet. Produziert werden solle die Sendung dort, „wo die Gäste sind bzw. die Themen stattfinden“, erklärte der WDR dazu. Das könne etwa die Frankfurter Buchmesse oder das Rolling-Stone-Konzert in Düsseldorf sein. Häufig werde der Produktionsort Berlin sein, so der Sender: „Viele der hochkarätigen Gäste wie Politiker, Schauspieler, Regisseure und andere Prominenz, die wir für die Sendung haben wollen, sind in der Regel live nur in Berlin anzutreffen.“ Produziert werde dann im ARD-Hauptstadtstudio.

Keine Einbindung einer externen Produktionsfirma

Laut WDR ist der Anspruch, die Thadeusz-Sendung live auszustrahlen. In Ausnahmefällen werde es auch eine Live-on-Tape-Produktion geben, wenn Gäste nur zu bestimmten Zeiten zu erreichen seien. Die Sendung werde „staffelweise mit einer Sommer- und einer Winterpause ausgestrahlt“. Bis Ende 2017 sind insgesamt rund 80 Ausgaben geplant. Wie viele Sendungen für 2018 vorgesehen sind, steht noch nicht fest, da dem WDR zufolge die Planungen diesbezüglich noch nicht beendet sind.

„WDR 2 Jörg Thadeusz“ werde, teilte der Sender gegenüber der MK weiter mit, „wie jede andere Außenproduktion oder Studiosendung im WDR-Hörfunk ohne Einbindung einer externen Produktionsfirma produziert“. Die Redaktion, Sendeverantwortung und Entscheidung über die Inhalte bei „WDR 2 Jörg Thadeusz“ habe die WDR-2-Redaktion in Köln, die durch freie Mitarbeiter für Recherche unterstützt werde. In der Zeit vor dem Start der Thadeusz-Sendung war die Rede davon, der WDR habe die Produktion des Formats an ein externes Unternehmen vergeben, an dem Thadeusz Gesellschafter sei. (Jörg Thadeusz ist an der in Berlin ansässigen Firma Räuberleiter beteiligt, die für das Dritte Programm RBB Fernsehen die Talkformate „Thadeusz“ und „Thadeusz und die Beobachter“ herstellt.)

Der WDR-Rundfunkrat hatte in seiner Stellungnahme zur WDR-2-Reform hervorgehoben, dass das Gremium „grundsätzlich die Auslagerung von redaktioneller Verantwortung und eine Auftragsvergabe an externe Produktionsfirmen“ ablehne, „auch wenn diese derzeit nicht geplant seien“. Der Rundfunkrat begrüßte den Start des neuen journalistischen Talkformats, regte aber an, dass geprüft werden solle, ob diese Sendereihe nicht nur von Jörg Thadeusz, sondern abwechselnd von mehreren Personen präsentiert werden sollte, darunter Moderatoren aus Nordrhein-Westfalen. Thadeusz, der seit September 2016 bei WDR 2 moderiert, ist in Dortmund geboren und lebt seit Jahren in Berlin.

Neue Porträtreihe bei WDR 4

Bei WDR 4 soll es nun mehr Themen aus NRW im Tagesprogramm geben, und zwar in den werktäglichen Sendestrecken („WDR 4 Mein Montag“, „WDR 4 Mein Dienstag“ etc.). Von montags bis donnerstags sind diese Sendestrecken um eine Stunde bis 21.00 Uhr verlängert worden. Anschließend starten die Musiksendungen, die zuvor um 20.05 Uhr begannen. Neu ist das Format „WDR 4 Legenden“ (mittwochs, 21.05 bis 22.00 Uhr), in dem unter anderem Künstler aus der Pop-Geschichte porträtiert werden.

Freitags gibt es jetzt nach der Sendestrecke „WDR 4 Mein Freitag“ ab 18.05 Uhr die neue vierstündige Sendung „WDR 4 Ab ins Wochenende – Die 70er/80er Show“; sie wird moderiert von Peter Großmann (ARD-„Morgenmagazin“). In dieser Sendereihe gibt es auch regelmäßige Auftritte von Ingolf Lück und Hugo Egon Balder. Am Samstagabend wurde die vierstündige Sendung „WDR 4 Radioabend“ gestartet, die die Hörer „musikalisch durch den Abend begleiten“ will.

06.06.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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