MDR-Produktion „Lutherland“ ist Hörspiel des Monats Mai

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat für den Mai nicht im eigentlichen Sinne ein Einzelstück, sondern eine Serie zum Hörspiel des Monats gewählt: Es handelt sich um die im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) entstandene zehnteilige Serie „Lutherland“ von Lorenz Hoffmann. Regisseur der Produktion war Stefan Kanis (Komposition: Michael Hinze). Inhaltlich geht es in der fiktiven Geschichte darum, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Lutherjahr 2017, in dem derzeit das Jubiläum ‘500 Jahre Reformation’ gefeiert wird, die bestmögliche Medienwirkung erzielen kann. Für die entsprechenden PR-Zwecke wird über eine Agentur ein Schauspieler verpflichtet (in der Serie gesprochen von Stephan Grossmann), der im Jubeljahr über mehrere Wochen in einer Art Langzeit-Performance Martin Luther mimt. Konservative EKD-Mitglieder standen dieser Aktion zunächst ablehnend gegenüber, doch eine gewisse Margot Käßmann (gesprochen von Hedi Kriegeskotte) kann das Konzept durchsetzen.

Die Serie „Lutherland“ besteht aus zehn Kurzhörspielen von rund sechs Minuten. In der Gesamtheit ergibt dies sozusagen ein Hörspiel in der Länge von knapp einer Stunde. Die Einzelfolgen wurden vom 15. bis 26. Mai (montags bis freitags) jeweils um 8.40 Uhr im Radioprogramm MDR Kultur ausgestrahlt. Die gesamte Hörspielserie steht auch online und ist noch bis April 2018 auf der Website des MDR zum Nachhören abrufbar. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«„Lutherland“ ist eine Serie von zehn Kurzhörspielen, die sich insgesamt als dramatische Szenenfolge hören lässt. Um die Medienpräsenz der EKD während des Lutherjahres 2017 zu stärken, engagiert die beratende PR-Agentur einen Schauspieler, den sie zu verschiedenen Veranstaltungen im Lutherkostüm auftreten lässt. Der aber nimmt seine Aufgabe ernst und setzt predigend das lutherische Schrifttum passgenau zur vorgefundenen Situation ein – zunehmend gegen das Selbstverständnis der Kirchenleitung. Aber auch Luther erweist sich dabei nicht als Lichtgestalt, sondern wird als widersprüchlicher, drohender und bedrohter, bisweilen den obrigkeitlichen Machtinteressen nachgebender Rebell in die Gegenwart gespiegelt. „Das Wort sie sollen lassen stahn“ wird auf diese Weise zum Kreuz für die Evangelische Kirche. Das Leben des Augustiner-Mönchs aktualisiert sich. Der berühmte Blitz führt zu einem Autounfall mit Totalschaden, der Reichstag wird zum Kirchentag, die Wartburg zur „Datsche eines Freundes im Thüringer Wald“. Der biografische Transfer des Reformators zu seiner gegenwärtigen Inkarnation und die damit verbundenen Umdeutungen sind gewitzt, spielerisch und intelligent erdacht und inszeniert.»

Die zehn „Lutherland“-Folgen haben diese Titel: „Frau Käßmann hat ein gutes Gefühl“ (Folge 1), „Der Anfang des Lutherischen Lärmens“ (2), „Das Gewitter“ (3), „Mit jedem Kind, das dir begegnet“ (4), „Was ist Luther?“ (5), „Pfui dich an Luther!“ (6), „Kirchenland in Bauernhand“ (7), „Bauern, Bonzen, Brandsätze“ (8), „Eure Entrüstung ist falsche Gerechtigkeit“ (9) und „Von Angesicht zu Angesicht“ (10).

02.06.2017 – da/MK
Hörspielserie „Lutherland“: Stephan Grossmann spielt einen Schauspieler, der Luther spielt; links Hedi Kriegeskotte, die die Rolle der Margot Käßmann spricht Foto: MDR/Olaf Parusel