Karl-Sczuka-Preis 2017 für Hörstück von Olaf Nicolai

31.07.2017 • Der Künstler Olaf Nicolai erhält für sein Hörstück „In The Woods There Is A Bird…“ den Karl-Sczuka-Preis 2017. Das gab der Südwestrundfunk (SWR) am 21. Juli bekannt. Die 31-minütige Produktion Nicolais entstand als Auftragswerk für die Documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur im Rahmen des Documenta-Radioprogramms „Every Time A Ear di Soun“. Der mit 12.500 Euro dotierte Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst wird seit 1955 vergeben. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom SWR.

Für sein Hörstück bat Olaf Nicolai die Korrespondenten von ARD und Deutschlandradio um Tonaufnahmen von Demonstrationen und Protesten auf der ganzen Welt. Verwendet wurden dabei ausschließlich die Geräusche von Menschenmengen – keine Reden oder Kommentare. Gemeinsam mit dem Musiker Frank Bretschneider schuf Olaf Nicolai aus diesem Material das nun ausgezeichnete Hörstück.

Autorität und Protest

Entstanden sei mit der Produktion eine „radiophone Suite von bedrängender Intensität“, hieß es in der Begründung der Jury unter anderem. Und weiter: „Die Originaltöne fügen sich in Loops und Überlagerungen zu einem kaleidoskopischen Hörbild über den Zusammenprall von Macht und Ohnmacht, von Autorität und Protest. Zuhörend gerät man in ein akustisches Spannungsfeld aus kollektiver Gewalt und individueller Verletzlichkeit. Deutungen und Wertungen gesellschaftspolitischer Wirklichkeit werden zu persönlichen Fragen jedes Einzelnen.“ Vorsitzende der Karl-Sczuka-Jury 2017 war die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss.

Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber lobte anlässlich der Vergabe des Preises an Olaf Nicolai die fruchtbare Zusammenarbeit von Documenta 14 und den drei Deutschlandradio-Programmen Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova: „Die Medienpartnerschaft zahlt sich für unsere Hörerinnen und Hörer sowohl in journalistischer als auch in künstlerischer Hinsicht jeden Tag aufs Neue aus.“

Durch Radiosender zirkulierend

Das Radioprogramm „Every Time A Ear di Soun“ von Documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur umfasst 32 Auftragswerke, die seit dem 8. April und noch bis zum 17. September 2017 durch neun Radiosender weltweit zirkulieren. Kuratiert wird das Radioprogramm von dem in Berlin lebenden, aus Kamerun stammenden Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Curator at Large der Documenta 14, und von Marcus Gammel, Abteilungsleiter Radiokunst bei Deutschlandfunk Kultur. Die Kunstausstellung Documenta 14 findet vom 10. Juni bis zum 17. September in Kassel statt. Zugleich gab es diesmal mit Athen einen zweiten Documenta-Standort; hier war die Kunstschau vom 8. April bis zum 16. Juni zu sehen.

Der Karl-Sczuka-Preis wird Olaf Nicolai am 22. Oktober während der Donaueschinger Musiktage verliehen. In diesem Jahr wurden laut SWR insgesamt 90 Wettbewerbsbeiträge aus 20 Ländern eingereicht. Olaf Nicolai wurde 1962 in Halle an der Saale geboren, er lebt in Berlin. Der Karl-Sczuka-Förderpreis wurde in diesem Jahr nicht vergeben.

Der 1955 vom damaligen Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden gestiftete Karl-Sczuka-Preis ist benannt nach dem SWF-Hauskomponisten der ersten Nachkriegsjahre. Der SWF war 1998 mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk zusammengelegt worden. Seitdem ist der SWR der Stifter der Auszeichnung. Verliehen wird der Preis laut Statut für die „beste Produktion eines Hörwerks, das in akustischen Spielformen musikalische Materialien und Strukturen benutzt“. Der Karl-Sczuka-Preis gilt als international bedeutende Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem John Cage, Mauricio Kagel, Walter Kempowski, Stefano Giannotti, Ferdinand Kriwet, Urs Widmer, Heiner Goebbels, Friederike Mayröcker und Iris Drögekamp.

31.07.2017 – da/MK

Print-Ausgabe 24/2017

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