Hörspiel des Monats März: „Die verlorenen Söhne“ von Robert Schoen

Robert Schoens Stück „Die verlorenen Söhne“ ist von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats März gewählt worden. Es handelt sich bei dem Stück um eine Produktion des Hessischen Rundfunk (Dramaturgie/Redaktion: Peter Liermann). Ausgestrahlt wurde das 52-minütige Hörspiel am 5. März um 14.04 Uhr im Programm HR 2 Kultur (vgl. MK-Kritik). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Robert Schoen, Autor und Regisseur zugleich, riskiert hier viel und gewinnt dabei ungewöhnlichen Spiel- und Erkenntnisraum. So verbindet er in „Die verlorenen Söhne“ authentisches Tonmaterial der Berliner Phonographischen Kommission von 1915 und einen fiktiven modernen Musterfall. Die Wissenschaftler, die damals im Kriegsgefangenenlager Wünsdorf französische und für sie exotische Dialekte der Insassen aufzeichneten, gern mit Lesungen des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn, verdrängten zugunsten ihrer Klangausbeute das Unglück der Testpersonen. Phonetisch fixiert ist auch der heutige Berliner Linguist, der die Tonaufnahmen der Hauptfigur des Hörspiels untersucht und darin „Hesitations-Vokalisationen“, also Ähs, entdeckt. Grotesk und tragikomisch diagnostiziert er die strapazierte „Knarrstimme“, ohne sich für das Scheitern des Sprechers zu interessieren, der da wie der verlorene Sohn die Rückkehr zum Vater erwägt. Mit Schoens suggestiver Montage und dem auf lässige Weise eindringlichen Lorenz Eberle in der Hauptrolle glückt hier ein Kunststück: Konträr zu wissenschaftlicher Versuchsdominanz wächst die emotionale Anteilnahme des Hörers. In intensiven Momenten verschränken sich Eberles Sprechen und Klänge von Prokofjews „L’enfant prodigue“. Manchmal erkennt der junge Mann in der Musik sein Scheitern, seine Hoffnung und sich selbst.»

02.04.2017 – MK

Print-Ausgabe 7/2017

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