Fußball-Bundesliga: Amazon startet Audioübertragungen

28.07.2017 • Der US-Internet-Konzern Amazon beginnt am 28. Juli mit seinen Audioübertragungen von der deutschen Fußball-Bundesliga. An diesem Tag startet die zweite Liga in die neue Saison 2017/18. Die Eröffnungspartie zwischen dem VfL Bochum und dem FC St. Pauli am 28. Juli, die um 20.30 Uhr angepfiffen wird, ist die erste Bundesliga-Begegnung, die dann in dem neuen Programmangebot mit dem Namen „Bundesliga live bei Amazon“ zu hören ist, das über die Amazon-Music-App abrufbar ist.

Amazon wird alle 306 Spiele der zweiten Liga und auch alle 306 Partien der ersten Liga als Audioangebot per Streaming live übertragen. Die erste Fußball-Bundesliga startet am 18. August mit der Partie FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen (Anpfiff: 20.30 Uhr) in die Saison 2017/18. Außerdem überträgt Amazon von nun an die insgesamt vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga. Hinzu kommt noch die Supercup-Begegnung, in der vor Beginn einer neuen Erstliga-Spielzeit der Bundesliga-Meister gegen den Pokalsieger antritt. Am 5. August findet die Supercup-Partie 2017 statt; es treffen Bayern München und Borussia Dortmund aufeinander. Spielort ist Dortmund (Anstoß: 20.30 Uhr).

Werbefrei, aber kostenpflichtig

Von der Deutschen Fußball-Bundesliga (DFL) hatte Amazon im Juni 2016 den Zuschlag für die Live-Rechte an der Bundesliga im Audiobereich für die neue vierjährige Rechteperiode ab der Saison 2017/18 erhalten (vgl. MK 13/16). Somit sind die Audioübertragungen der Bundesliga-Spiele bis einschließlich der Saison 2020/21 über Amazon abrufbar. Der Internet-Riese Amazon konnte sich bei der Rechtevergabe gegen den Hörfunksender Sport1.FM durchsetzen, der wie der Spartenfernsehkanal Sport 1 zur Constantin Medien AG gehört. Sport1.FM übertrug ab der Spielzeit 2013/14 die Bundesliga-Begegnungen. Nach Ablauf der Saison 2016/17 hat Sport1.FM zum 1. Juni seinen Sendebetrieb zunächst einmal eingestellt. Bisher ist von einer Sommerpause die Rede. Ob Sport1.FM noch einmal auf Sendung geht, ist allerdings offen.

Um die werbefreien Bundesliga-Übertragungen bei Amazon hören zu können, muss man Kunde des sogenannten Prime-Service des Unternehmens sein, der zur Zeit 69 Euro pro Jahr oder 8,99 Euro pro Monat kostet. Der Prime-Service ermöglicht eine schnellere Lieferung von bestellten Waren ohne weiteres Porto und unter anderem auch den Zugriff auf das Angebot Prime Music (mit mehr als 2 Mio Songs) und auf Amazons Videostreaming-Dienst. 

Amazon wird nicht nur über die Fußball-Bundesliga live berichten, sondern auch über den DFB-Pokal. Die Übertragungsrechte an diesem Wettbewerb hat sich der Konzern aber zunächst nur für die kommende Pokalsaison 2017/18 vom Deutschen Fußball-Bund gesichert. Der DFB-Pokal, an dem in der Hauptrunde 64 Mannschaften teilnehmen, startet am 11. August 2017. Insgesamt gibt es 63 Spiele; das Finale findet am 19. Mai 2018 in Berlin statt.

Auch DFB-Pokal im Programm

Prime-Kunden können die DFB-Pokal-Übertragungen allerdings nicht hören. Um diese Partien verfolgen zu können, ist ein Abonnement von Amazons Musik-Streamingdienst nötig, der Amazon Music Unlimited heißt und das Pendant beispielsweise zu Spotify, Apple Music oder Google Play Music ist. Amazon Music Unlimited kostet für Prime-Kunden monatlich 7,99 Euro. Bei einem Jahresabonnement beträgt der Preis 79 Euro (umgerechnet dann monatlich rund 6,60 Euro). Kunden ohne Prime-Mitgliedschaft zahlen für Amazon Music Unlimited 9,99 Euro pro Monat (ein Jahresabonnement gibt es in diesem Fall nicht). Zusätzlich zu den Übertragungen der Spiele von der Fußball-Bundesliga und vom DFB-Pokal gibt es mit „Zweierkette“ und „Bolzplatz“ noch zwei Live-Formate, die montags und dienstags ausgestrahlt werden und anschließend auch zum individuellen Abruf bereitstehen.

Während in den Vorjahren bei Sport1.FM und 90elf (dieser Sender besaß in den Spielzeiten 2008/09 bis 2012/13 die Bundesliga-Rechte im Audiobereich) die Fußballübertragungen kostenfrei zu hören waren, ist dies nun mit dem Wechsel dieser Rechte zu Amazon Geschichte. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es im Hörfunk der ARD, die wie das ZDF und das Deutschlandradio aus dem allgemeinen Rundfunkbeitrag finanziert wird, Spielberichte von der Fußball-Bundesliga, aber keine vollständigen Übertragungen der Begegnungen. In einer Live-Schaltkonferenz werden im ARD-Hörfunk seit vielen Jahren die letzten 20 Minuten der Partien der ersten Liga am Samstagnachmittag übertragen.

Eine solche Konferenzübertragung von den Begegnungen der ersten Liga am Samstagnachmittag wird es auch bei Amazon geben, dann aber für die gesamte Spieldauer von 90 Minuten. Diese Konferenzübertragung wird laut Amazon „von einer Bundesliga-Show begleitet, die um 15.00 Uhr startet“. Auch für Partien der zweiten Liga sind Konferenzübertragungen vorgesehen. Für jedes Spiel der ersten und zweiten Liga gibt es außerdem eine Einzelübertragung. 15 Minuten vor dem Anpfiff beginnt die jeweilige Übertragung, die 15 Minuten nach Spielschluss endet.

Die Bundesliga-Übertragungen werden von Amazons Deutschland-Zentrale in München koordiniert; bei der Produktion kooperiert man mit dem Produktionsdienstleister Plazamedia. Verantwortlich für die Bundesliga-Übertragungen bei Amazon Deutschland ist der 43-jährige Florian Fritsche. Er ist bei Amazon Deutschland seit September 2016 ‘Head of Sports’, zuvor war er ab Mai 2014 beim Privatradiosender Antenne Bayern ‘Leiter Digitale Unternehmensentwicklung’. Fritsche war in den Jahren 2007/08 maßgeblich am Aufbau des Fußballradios 90elf beteiligt, das die Regiocast-Gruppe von Leipzig aus im August 2008 gestartet hatte (vgl. FK 35/08).

Personal kommt von Sport1.FM

Für Amazon werden nun Kommentatoren und Moderatoren im Einsatz sein, die zum Teil bereits zuvor bei 90elf und/oder Sport1.FM tätig waren. Chefkommentator bei Amazon ist Marco Röhling, der sowohl für 90elf als auch Sport1.FM gearbeitet hat. Studiomoderatoren der Bundesliga-Übertragungen sind Oliver Faßnacht und Konni Winkler, die jeweils in selber Funktion bereits für Sport1.FM tätig waren (Winkler war auch schon bei 90elf dabei). Als Experten verpflichtete Amazon unter anderem die früheren Bundesliga-Spieler Ulf Kirsten, Jens Nowotny und Timo Hildebrand, den Trainer Robin Dutt und den ehemaligen Schiedsrichter Knut Kircher.

Amazon Deutschland benötigt für seine Fußballübertragungen keine rundfunkrechtliche Lizenz. Grund dafür ist, dass die Spielübertragungen allein über das Internet zu empfangen sind. In einem solchen Fall greift Paragraph 20b des Rundfunkstaatsvertrags, in dem es heißt: „Wer Hörfunkprogramme ausschließlich im Internet verbreitet, bedarf keiner Zulassung. Er hat das Angebot der zuständigen Landesmedienanstalt anzuzeigen.“ Angezeigt hat der Konzern sein Internet-Programm „Bundesliga live bei Amazon“ nun bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Das teilte ein Sprecher von Amazon Deutschland auf MK-Nachfrage mit. Die rechtlichen Vorgaben erlauben es einem Medienunternehmen, eine der insgesamt 14 Landesmedienanstalten auszuwählen, der dann der Start des Webradios mitzuteilen ist. Bei Amazon sei die Tochtergesellschaft, über die die Fußballübertragungen abgewickelt würden, die Amazon Media EU S.à.r.l. mit Sitz in Luxemburg, so der Unternehmenssprecher weiter.

28.07.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 16-17/2017

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