Deutscher Hörspielpreis der ARD geht an SWR‑Stück „Broken German“

01.12.2017 • „Mit hohem Tempo, virtuoser Sprecherführung und einer leichthändigen Erzählweise antwortet der Autor und Regisseur Noam Brusilovsky auf das Verlangen des Textes nach Mündlichkeit.“ So lobte die Jury der ARD-Hörspieltage 2017 das SWR-Stück „Broken German“, das der Autor und Regisseur Noam Brusilovsky nach dem gleichnamigen Roman von Tomer Gardi inszeniert hat. Dieser Produktion (vgl. MK-Kritik) wurde von der Jury der mit 5000 Euro dotierte ‘Deutsche Hörspielpreis der ARD’ zuerkannt.

Das Stück, so die Jury weiter, versammle Geschichten, „in denen die Wörter nicht im Duden wurzeln, sondern in Schicksalen von Menschen, die – egal in welcher grammatikalischen Form erzählt – verständlich sind“. „Broken German“ sei das gelungene Beispiel eines „so nur im Akustischen möglichen Kunstwerks“. Die Mitglieder der Jury waren der Literaturvermittler Thomas Böhm (Vorsitzender), die Schauspielerin Tina Engel, die Regisseurin Amélie Niermeyer, der Komponist Ludger Brümmer und MK-Kritiker Jochen Meißner.

Insgesamt rund 12.000 Besucher kamen vom 8. bis 12. November ins Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) zu den jetzt zum 14. Mal ausgerichteten ARD-Hörspieltagen. Im Hauptwettbewerb waren im Rennen um den ‘Deutschen Hörspielpreis der ARD’ zwölf Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu hören. Es gab bei der fünftägigen Veranstaltung in Karlsruhe ein umfangreiches Beiprogramm, das unter dem Titel „Lauter Likes?“ mit einem Symposium über Hörspiel- und Fernsehkritik begann.

Schweizer Stück gewinnt Publikumspreis

Der mit 2500 Euro dotierte Publikumspreis „ARD Online Award“ ging an den prallen Thriller „Verfluchtes Licht“ von Lukas Holliger, eine Produktion des schweizerischen Rundfunks SRF. „Broken German“ landete hier auf Platz 2. Auf den dritten Rang kam Ulrike Müllers Gentrifizierungsstück „Lieber Nicolas Berggruen“ vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Erstmals konnte das Publikum vor Ort und im Netz jedes der Stücke auf einer Skala von 0 bis 5 Punkten bewerten (früher musste man sich für eines der zwölf Stücke entscheiden).

Der bei den Hörspieltagen jetzt zum zweiten Mal vergebene Preis für die beste schauspielerische Leistung ging an Lars Rudolph für die Rolle des Frauenmörders Fritz Honka, genannt Fiete, in der vom NDR produzierten Hörspielfassung von Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh“. Tina Engel, die alleinige Jurorin für diese Kategorie, zeigte sich sehr beeindruckt davon, „wie Lars Rudolph von der ersten bis zur letzten Silbe die Figur des Fiete nicht spielt und spricht, sondern ausdünstet, […] als hätte er diese Figur tief inhaliert, um dann seinen ganzen Körper mit ihr zu infizieren.“ Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und wird vom Bundesverband der Hörgeräteindustrie gefördert.

Der mit 1000 Euro dotierte „PiNball“-Preis für freie Produktionen (früherer Name: „Premiere im Netz“) ging an das zwölfminütige Kurzhörspiel „Mobile Karma“, das vom Medienkünstler Leo Hofmann stammt. Die Jury aus Hörspieldramaturgen und Mitarbeitern des ZKM und der Karlsruher Hochschule für Gestaltung gefiel das Stück als „Hörspiel über Distanzen, die durch den Versuch ihrer akustischen Überbrückung doch nur fortgeschrieben werden“.

Zeitgemäßes Kinderhörspiel

Der ebenfalls im Rahmen der Hörspieltage vergebene ‘Deutsche Kinderhörspielpreis’ ging an das Stück „Die Nanny-App“ von Angela Gerrits, das sich ironisch und ohne Larmoyanz mit den Auswirkungen von Internet und moderner Datentechnik auf unser Leben auseinandersetzt und daraus ein absolut zeitgemäßes Kinderhörspiel geformt hat. Der Preis wird von der Film- und Medienstiftung NRW und der ARD getragen und ist mit 5000 Euro dotiert. Die Jury bestand aus Frank Olbert (stellvertretender Kulturressortleiter beim „Kölner Stadt-Anzeiger“; Jury-Vorsitzender), Kerstin Behrens (Dramaturgin und Autorin), Eva-Maria Lenz (Hörspielkritikerin für „epd medien“ und „FAZ“), Karin Lorenz (Produzentin und Autorin) sowie Torsten Krug (Autor und Musiker).

Der mit 2000 Euro dotierte Hörspielpreis der Stadt Karlsruhe ging an die Produktion „Käferkumpel“ von Heidi Knetsch und Stefan Richwien. Dieser Preis wird von einer Kinderjury vergeben, die diesmal von den Schülern der Klasse 4b der Grundschule Daxlanden gebildet wurde.

Überschattet wurden die diesjährigen Hörspieltage in Karlsruhe von den Ankündigungen weitreichender Sparmaßnahmen, der Streichung von Sendeplätzen und gravierender Personalveränderungen, die im nächsten Jahr die Hörspielproduktionen der ARD empfindlich treffen werden (vgl. hierzu ausführlich diesen MK Artikel).

01.12.2017 – MK