Das Stück „Follower“ von Eugen Ruge ist Hörspiel des Monats Juni

11.07.2017 • Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Follower“ von Eugen Ruge zum Hörspiel des Monats Juni gewählt. Es handelt sich bei der Produktion um die Hörspielfassung von Ruges Roman „Follower. Vierzehn Sätze über einen fiktiven Enkel“. Das Buch erschien im August 2016 im Rowohlt-Verlag. Eugen Ruges Romandebüt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ war im Jahr 2011 auf Anhieb mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Auch von diesem Buch, das vor autobiografischem Hintergrund die deutsche Ost-West-Geschichte von 1952 bis 2001 behandelt, gab es eine Hörspielversion, unter der Regie von Leonhard Koppelmann hergestellt vom SWR (vgl. Kritik in FK-Heft Nr. 3/13).

Das neue Hörspiel „Follower“ wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk produziert und am 26. Juni um 22.00 Uhr in dessen Programm MDR Kultur ausgestrahlt. Regisseur des 90-minütigen Stücks ist Ulrich Lampen, Mitwirkende sind unter anderem Ulrich Matthes, Dörte Lyssewski, Patrick Güldenberg, Bärbel Röhl und Judith Rosmair. Zur Begründung ihrer Entscheidung, das Stück zum Hörspiel des Monats zu benennen, schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Es ist nicht die ferne Zukunft, die Eugen Ruge in der Hörspielbearbeitung seines gleichnamigen Romans „Follower“ in den Blick nimmt. Vielmehr blickt er in den dystopischen Abgrund unserer Zeit.

Ein neuer Tag des Jahres 2055 beginnt für Nio Schulz, Marketer für „True Barefoot Running“, ein Produkt, dessen Simplizität nur ein weiteres Glücksversprechen in einer überkomplexen Konsumwelt darstellt, in der nichts mehr wirklich relevant zu sein scheint. Der permanente Subtext seiner Datenbrille begleitet Nio durch den Tag und verbindet ihn mit allen Lebensbereichen, fordert seine ganze Aufmerksamkeit, seine „Gefolgschaft“ und verwischt die Spur und die Folgen seines eigenen Handelns. Ruge zeichnet ein beunruhigend gegenwärtiges Bild einer durch und durch kommerzialisierten Gesellschaft, in der die Nachricht vom Tod des eigenen Großvaters zum Eintrag im Newsfeed degeneriert und die konsumistische Perversion im „Recht auf die Verwertung des eigenen Todes“ kulminiert.

Die enervierende, von Ulrich Lampen präzise gestaltete Klanglandschaft hält die Hörer im nie abreißenden Informationsfluss gefangen – leitmotivisch als digitale, nicht abschaltbare Zeitfliege der Marke Universe sonifiziert.

In einem zweiten Erzählstrang werden die Vorfahren Nio Schulzes in einer kontinuierlichen Abfolge vom 17. Jahrhundert an vorgestellt. Die genealogische Anrufung gestaltet Ulrich Matthes – man möchte fast sagen: ‘barfuß’. Ohne Musik und Geräusche. Konzentriert auf Ursache und Wirkung und die begreifbaren Konsequenzen von Leben und Tod, deren eine schließlich die Geburt des Großvaters von Nio Schulz ist. In diesem Fixpunkt treffen sich die Erzählungen und für Nio eröffnet sich eine neue Option: den Bruch mit seiner bisherigen Welt zu vollziehen.»

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Alle bisherigen Hörspiele des Monats im Jahr 2017

Januar

Schere Faust Papier (Deutschlandradio Kultur)

Autor/Regie: Michel Decar

Februar

Coldhaven (SWR 2)

Autor: John Burnside, Regie: Klaus Buhlert

März

Die verlorenen Söhne (HR 2 Kultur)

Autor/Regie: Robert Schoen

April

Sie sprechen mit der Stasi (WDR 3)

Autoren/Regie: Andreas Ammer und FM Einheit

Mai

Lutherland (MDR Kultur)

Autor: Lorenz Hoffmann, Regie: Stefan Kanis

Juni

Follower (MDR Kultur)

Autor: Eugen Ruge, Regie: Ulrich Lampen

11.07.2017 – da/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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