Dachmarke Deutschlandfunk: Vereinheitlichung ab Mai 2017

Der Termin für die Umbenennung der Programme Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen ist der 1. Mai 2017. Ab dann heißt das eine Programm Deutschlandfunk Kultur und das andere Deutschlandfunk Nova. Dies wurde bei einem Hintergrundgespräch des Deutschlandradios am 6. Dezember 2016 in dessen Berliner Funkhaus mitgeteilt. Die Hörfunkanstalt als solche wird weiterhin Deutschlandradio heißen. Sie veranstaltet als weiteres Programm den Deutschlandfunk (Sitz: Köln). Die beiden Namensumbenennungen hatte das Deutschlandradio im September bekannt gegeben, ohne dafür schon einen genauen Termin zu nennen (vgl. MK-Meldung). Ab Mai 2017 wird die Hörfunkanstalt dann auch einen neuen Intendanten brauchen, denn Willi Steul gibt seinen Posten, wie er jüngst ankündigte, zum 1. Mai 2017 vorzeitig auf (vgl. MK-Meldung).

Das aus Berlin gesendete Programm Deutschlandradio Kultur, hervorgegangen aus dem Deutschlandsender (DS) Kultur und dem RIAS, hieß von 1994 bis 2005 Deutschlandradio Berlin. Hier erfolgt nun also die zweite Umbenennung. Dabei kann man es durchaus erstaunlich finden, dass sich das Deutschlandradio von der inzwischen eigentlich gut eingeführten vokalreichen Programmbezeichnung Deutschlandradio Kultur verabschieden will, um zu dem schwerer sprechbaren und deutlich u-lastigen Namen Deutschlandfunk Kultur zu wechseln.

Ein deutlich u-lastiger Name

Programmdirekter Andreas-Peter Weber begründete die Änderung bei dem Hintergrundgespräch noch einmal mit der strategischen Entscheidung, die Programme der Hörfunkanstalt unter der renommierten Dachmarke Deutschlandfunk (DLF) zusammenzufassen. So bekommt also in Kombination mit dem Dachnamen das Berliner Programm den Deskriptor „Kultur“ und das junge Internet-Programm DRadio Wissen, gesendet vom DLF-Standort Köln, wird künftig unter dem Deskriptor „Nova“ firmieren.

Bei der Namensgebung, so Weber, habe man sich auf Befragungen von Hörerinnen und Hörern gestützt. Was das vorgestellte Programmprofil von DRadio Wissen angehe, seien den Befragten dazu zwei Namen eingefallen: „Neo“ und „Nova“. Weil es aber schon das Fernsehprogramm ZDFneo gebe, sei nur die Entscheidung für Deutschlandfunk Nova geblieben. Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, kreative Entscheidungen vom Publikum fällen zu lassen.

Nach der Umbenennung von DRadio Wissen wird ab Mai 2017 die Abendschiene des Programms (20.00 bis 0.00 Uhr) nicht mehr in Köln, sondern in Berlin gemacht werden. Teile des künftigen Programms Deutschlandfunk Nova werden dann im alten Studio 9 des dortigen Funkhauses produziert, das dann die Nummer 2 bekommen wird. Umbenannt und umgezogen wird derzeit viel im Berliner Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz. 1,1 Mio Euro will sich das Deutschlandradio die neue Namensgebung und das damit verbundene Marketing kosten lassen.

Mehr Geld für die Programme

Als eine seiner Marketingmaßnahmen verfügt das Noch-Deutschlandradio Kultur im Übrigen über ein „Kultur-Taxi“, das in der jetzigen und künftigen Senderfarbe Knallorange foliert ist und in dem Talkgäste auch während der Fahrt interviewt werden. Das im Programm zu hörende Gespräch kann zugleich auch per Video ins Netz gestreamt werden. Wenn man daran denkt, was diese „Kultur-Taxi“-Aktionen kosten und ob sie sinnvoll sind, dann könnte man sich auch fragen, ob die entsprechenden finanziellen Mittel nicht vielleicht besser in die Hörspielbroschüre des Senders hätten gesteckt werden können, die 2016 von vierteljährlichem auf halbjährlichem Erscheinungsrhythmus umgestellt wurde. Das Format wurde zwar von quadratischen 21x21 Zentimetern auf DIN A4 vergrößert, der Seitenumfang aber von 136 auf 80 Seiten reduziert. Das Papier wurde billiger, die Texte wurden kürzer und enger gesetzt. Ein Imageträger für die hochwertig produzierten Hörspiele und Features, die in der Broschüre vorgestellt werden, ist dieses typografische Desaster ohne Weißraum jedenfalls nicht.

Immerhin können sich die Programme des Deutschlandradios über eine zweiprozentige Erhöhung der Mittel freuen, wie Deutschlandradio-Verwaltungsdirektor Rainer Kampmann bei dem Hintergrundgespräch mitteilte. Über Preise und Auszeichnungen für die Produktionen braucht man sich an den beiden Senderstandorten Köln und Berlin auch nicht zu beklagen. Und bei den Hörerzahlen geht es laut Media-Analyse (MA) auch aufwärts. Da ist nur noch die Sache mit der technischen Reichweite. Als letzter Sender hat der Deutschlandfunk am 31. Dezember 2015 die Mittelwelle (MW) abgeschaltet; UKW-Frequenzen sind keine nennenswerten mehr dazugekommen. Aber über den digitalen Verbreitungsweg DAB plus soll bis 2020 endlich eine Vollversorgung aller Rundfunkbeitragszahler erreicht werden. Bis jetzt erreicht man mit dem Deutschlandfunk etwa 70 Prozent und mit Deutschlandradio Kultur etwa 65 Prozent der Hörerinnen und Hörer im Lande.

07.01.2017 – jm/MK

Print-Ausgabe 14/2017

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren