DAB plus: Vier Bewerber für den zweiten Multiplex

Für den von den Landesmedienanstalten ausgeschriebenen Plattformbetrieb eines zweiten bundesweiten Multiplexes für das Digitalradio DAB plus gibt es mehrere Interessenten. Bis zum Fristende am 24. Februar 2017 seien Bewerbungen von vier Unternehmen eingegangen, teilten die Landesmedienanstalten mit. Beworben haben sich den Angaben zufolge die Absolut Digital GmbH & Co. KG, die Media Broadcast Digital Radio GmbH, die Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH und die Radi/o digital GmbH. Die Unternehmen reichten ihre Bewerbungen bei der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) ein. Die SLM, die in Leipzig ansässig ist, hat für das Ausschreibungsverfahren die Federführung im Kreis der 14 Landesmedienanstalten übernommen.

Die Landesmedienanstalten hatten die Ausschreibung so konzipiert, dass sich ausschließlich Plattformbetreiber bewerben konnten, die ein bundesweit einheitliches Programmangebot verbreiten. Der Betreiber, der den Zuschlag für den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex erhält, entscheidet dann darüber, welche Programme über diese Plattform verbreitet werden. Dabei müssen generelle Vorgaben zur Meinungsvielfalt beachtet werden. Eine Regionalisierung der Übertragungskapazitäten zogen die Medienanstalten nicht in Betracht, weil dafür nach ihrer Auffassung ausreichend DAB-plus-Frequenzen in den Bundesländern existieren.

Bis zu 16 neue Programme möglich

Am 9. Dezember 2016 war die Ausschreibung für den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex veröffentlicht worden, über den bis zu 16 kommerzielle Programme verbreitet werden können. Einen Tag zuvor hatten die Ministerpräsidenten der Bundesländer beschlossen, dass die kompletten Übertragungskapazitäten dieses Multiplexes für private Radioprogramme zur Verfügung stehen sollen.

Seit August 2011 wird in Deutschland Hörfunk digital-terrestrisch über die Technik DAB plus verbreitet, die den vorherigen Standard DAB ablöste (vgl. FK-Heft Nr. 29/11). Damals wurde ein bundesweiter Multiplex in Betrieb genommen, über den aktuell vier öffentlich-rechtliche und neun kommerzielle Angebote verbreitet werden. Bei den vier öffentlich-rechtlichen handelt es sich um die drei Programme des Deutschlandradios (Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen) und dessen Sonderkanal „Debatten und Dokumente“. Im Privatradiobereich sind derzeit bundesweit über DAB plus die Sender Absolut Relax, Bob, ERF plus, Sunshine Live, Klassik Radio, Radio Energy, Radio Horeb, Schlagerparadies und Schwarzwaldradio zu hören. In den einzelnen Bundesländern werden außerdem weitere Sender, darunter auch die Hörfunkprogramme der öffentlich-rechtlichen ARD-Landesrundfunkanstalten, über regionale DAB-plus-Multiplexe verbreitet.

Was die Bewerbungen für den zweiten DAB-plus-Multiplex anbelangt, prüfen die Landesmedienanstalten zur Zeit die Zulässigkeit und Qualität der eingereichten Anträge der vier Unternehmen. Dazu kam am 7. März der Fachausschuss ‘Netze, Technik, Konvergenz’ der Medienanstalten zusammen, dem Direktoren von fünf Aufsichtsbehörden angehören. Zu der Sitzung wurden auch Vertreter der vier Bewerber eingeladen. Die Entscheidung darüber, wer den Zuschlag für den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex erhält, könnte noch im ersten Halbjahr 2017 erfolgen.

Sollten sich die Bewerber im weiteren Verfahren einigen, über ein gemeinsames Unternehmen den Plattformbetrieb zu organisieren, dann würde die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) die Zuweisung der Übertragungskapazitäten an dieses Unternehmen vergeben. Gelingt eine Einigung zwischen den Bewerbern nicht, wird eine Auswahlentscheidung getroffen, für die dann nicht die ZAK zuständig sein wird, sondern die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Landesmedienanstalten. Der Plattformbetrieb des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes wird für die Dauer von zehn Jahren vergeben.

Vor einem Bieterwettstreit?

Unter den vier Bewerbern um die neuen DAB-plus-Übertragungskapazitäten befinden sich etablierte Unternehmen sowie Personen, die bereits seit Jahren im Radiogeschäft tätig sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Bieterwettstreit kommt. Die Absolut Digital GmbH & Co. KG gehört zur in Nürnberg angesiedelten Oschmann-Gruppe, die unter anderem beteiligt ist an regionalen Radio- und Fernsehanbietern (vor allem in Bayern) und an Zeitungen. Das Unternehmen Absolut Digital betreibt bereits die drei Programme Absolut Relax (bundesweit über DAB plus), Absolut Hot (regional über DAB plus) und Absolut Radio (Internet). Geschäftsführer von Absolut Digital ist Willi Schreiner, ein Verfechter von DAB plus.

Die Media Broadcast Digital Radio GmbH ist eine neu gegründete Tochtergesellschaft der Media Broadcast GmbH. Media Broadcast (Sitz: Köln) ist seit August 2011 für den Betrieb und den Ausbau des ersten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zuständig. Seit Juni 2015 betreibt das von Geschäftsführer Wolfgang Breuer geleitete Unternehmen auch in Hamburg einen regionalen DAB-plus-Multiplex mit mehreren kommerziellen Programmen. Seit Jahren ist Media Broadcast auch für die digital-terrestrische Ausstrahlung von Fernsehprogrammen im DVB-T-Standard zuständig. Das Sendernetz für die Nachfolgetechnik DVB-T2 HD baut Media Broadcast bereits seit einiger Zeit auf. Ende März wird DVB-T2 HD offiziell eingeführt (vgl. MK-Meldung). Media Broadcast ist seit März 2016 im Besitz des Mobilfunkkonzerns Freenet (vgl. MK-Meldung).

Die Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH gehört dem Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel, der bereits vor einiger Zeit damit begonnen hatte, für den Start eines zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zu werben. Geschäftsführer der im Mai 2016 gegründeten und in Hamburg ansässigen Digital Audio Broadcasting Plattform sind der Leipziger Rechtsanwalt René Laier und der Hörfunkmanager Florian Schuck, der früher Geschäftsführer der Radio Group GmbH war. Dieses Unternehmen hält Beteiligungen an mehreren lokalen und regionalen Privatradios in Deutschland, vor allem in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen.

Hinter der in München ansässigen Radi/o digital GmbH stehen Berichten zufolge die Medienunternehmer Peter Löw und Ulrich Ende. Löw war ab 2010 Miteigentümer der Nachrichtenagentur dapd, die im Oktober 2012 in die Insolvenz ging. Der frühere N-24-Geschäftsführer Ulrich Ende stieg in der Folge zusammen mit weiteren Partnern bei dapd ein – doch wenige Wochen später musste das Unternehmen erneut Insolvenz anmelden. Geschäftsführer der Radi/o digital GmbH ist der Manager Caspar Schilgen. Er ist auch Chef des Aufsichtsrats der Spot on news AG, die eine gleichnamige Agentur mit Schwerpunkt auf Berichterstattung über Unterhaltungs- und Lifestyle-Themen betreibt. Spot on news ist mehrheitlich im Besitz von Peter Löw.

17.03.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 19/2017

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