ARD will Mitte 2017 App für Audio-Inhalte starten

Ab Mitte 2017 sollen die mehr als 60 Hörfunkprogramme der ARD und die drei Programme des Deutschlandradios auf mobilen Endgeräten über eine eigene App nutzbar sein. Wann genau die „ARD-Audio-App“ verfügbar sein wird, steht noch nicht fest. Am 23. November gab die ARD in einer Pressemitteilung ihr neues Projekt bekannt. „Mit dieser App gibt es zum ersten Mal die ganze ARD im Hörfunk – auf einen Klick“, sagte Nathalie Wappler Hagen, Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission. Seit November ist Wappler Hagen Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk, der seit Anfang 2016 den ARD-Vorsitz innehat.

Das neue App-Angebot sei „in seiner ganzen Vielfalt personalisierbar“ und kuratiert, so Wappler weiter. Nach ARD-Angaben wird die App „gerätebasierte Empfehlungen“ anbieten. Außerdem habe der Nutzer die Möglichkeit, Interessensfelder anzugeben. Dadurch würden ihm in einem fortlaufenden Stream, dem sogenannten „Autopilot“, Inhalte aus seinem Interessenskorridor angeboten. Darüber hinaus könnten Audio-Inhalte auch über eine Suchfunktion sowie über Kategorien – etwa ‘Radio hören zum Joggen’ oder ‘Radio hören zum Einschlafen’ – erschlossen werden. Zum Funktionsumfang gehören nach ARD-Angaben unter anderem auch noch das Abonnieren von Podcasts, eine Merkliste und die Möglichkeit, Beiträge auf das Smartphone zur Offline-Nutzung herunterzuladen.

Die App soll durch eine intuitive Nutzerführung einfach bedienbar sein. Als Zielgruppe gibt die ARD Mobilnutzer an, die sich unter anderem für Information und Kultur interessieren. Die App soll vor allem den Zugang zu den wortbasierten Hörfunkangeboten des Senderverbunds ermöglichen. Die App ist werbefrei. Nutzer müssten auch nicht, hob Nathalie Wappler Hagen hervor, mit ihren Daten bezahlen. Mit der neuen Audio-App würden die Stärken des Mediums Radio noch einmal digital ausgespielt.

Kritik vom VPRT

Die Entwicklung der Audio-App ist maßgeblich vom Bayerischen Rundfunk (BR) geleistet worden. Darauf wies die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille am 23. November im Rahmen einer ARD-Pressekonferenz in München hin, in der die Audio-App vorgestellt wurde. Vom BR seien sehr viele Grundlagen für dieses Projekt gelegt worden, so Wille. Das hänge damit zusammen, dass beim Bayerischen Rundfunk „ein wirklich starker Entwicklungsbereich existiert“. BR-Intendant Ulrich Wilhelm, der auch an der Pressekonferenz teilnahm, sagte: „Wir haben eine schlagkräftige Einheit, die programmnahe digitale Produkte entwickeln kann und anderes mehr.“ Vor diesem Hintergrund habe der BR bei der Software-Entwicklung für die App eine wichtige Rolle spielen können.

Auf deutliche Kritik stößt das neue App-Projekt der ARD beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Dass die ARD ihr Angebot um eine gebündelte Audio-App erweitern wolle, sei „ein neuerlicher Beweis dafür, dass die Politik öffentlich-rechtliches Radio grenzenlos gewähren lässt“, erklärte Klaus Schunk, der Vorsitzende des VPRT-Fachbereichs Radio und Audiodienste. Statt zu handeln, so Schunk, auch Geschäftsführer von Radio Regenbogen (Sitz: Mannheim), übe sich „die verantwortliche Medienpolitik in einer verantwortungslosen Zuschauerposition und sieht tatenlos zu“.

Lokale, regionale und bundesweite Vielfalt im privaten Markt in Deutschland werde es aber nur geben, wenn der Gesetzgeber auch darauf achte, dass die Wettbewerbsbedingungen im dualen System und im internationalen Umfeld einheitlich gelten. Das Gegenteil sei derzeit der Fall, so Schunk weiter: Einerseits drängten internationale Player zunehmend unreguliert mit Audioprodukten auf den Markt. Und hinzu komme, dass „sich die ARD andererseits mit einem neuen Angebot nach dem anderen – Funk, neue digitale Programme, UKW-Aufschaltungen und so weiter – politisch verselbständigt“. Aus Sicht von Schunk beweist die ARD erneut, „dass sie zu einem fairen Wettbewerb in einem dualen System nur schwer in der Lage“ sei.

30.12.2016 – MK