Antenne Deutschland baut zweiten bundesweiten DAB‑plus‑Multiplex auf

Das Unternehmen Antenne Deutschland wird als Plattformbetreiber den zweiten bundesweiten Multiplex für das Digitalradio DAB plus aufbauen. Den Zuschlag dafür erhielt Antenne Deutschland am 6. Juni von der Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Landesmedienanstalten, wie diese am selben Tag mitteilten. Antenne Deutschland ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Radioveranstalters Absolut Digital und des Sendenetzbetreibers Media Broadcast. Im Verfahren zur Vergabe des Plattformbetriebs konnte sich Antenne Deutschland gegen zwei weitere Bewerber durchsetzen. Um den Plattformbetrieb des zweiten bundesweiten Multiplexes, über den maximal 18 Radioprogramme in der DAB-plus-Technik ausgestrahlt werden können, hatten sich auch die Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH (DABP) und die Radi/o digital GmbH beworben.

Im Dezember 2016 war von den Landesmedienanstalten die Ausschreibung für den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex veröffentlicht worden. Bis zum Fristende am 24. Februar 2017 gingen bei der in Leipzig ansässigen Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), die im Kreis der Medienanstalten die Federführung für die Ausschreibung übernahm, vier Bewerbungen ein. Die Bewerber waren DABP, Radi/o digital, Absolut Radio und Media Broadcast (vgl. MK-Meldung). Im Zuge des weiteren Verfahrens einigten sich Absolut Radio und Media Broadcast darauf, in dem Gemeinschaftsunternehmen Antenne Deutschland zusammenzuarbeiten, und legten den Medienanstalten ein überarbeitetes Konzept vor. Somit waren dann noch drei Bewerber im Rennen.

Von der Vergabeempfehlung abgewichen

Aufgrund der Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags konnte die Auswahlentscheidung nicht von der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) getroffen werden, der die Direktoren der 14 Aufsichtsbehörden angehören. Wenn sich die vier Bewerber geeinigt hätten, über ein gemeinsames Unternehmen den Plattformbetrieb zu organisieren, hätte die ZAK an dieses Unternehmen die neuen DAB-plus-Übertragungskapazitäten vergeben können. Muss jedoch eine Auswahlentscheidung getroffen werden, dann ist gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag die Gremienvorsitzendenkonferenz zuständig. Die ZAK gibt in diesem Fall dann gegenüber der GVK eine Empfehlung ab, wen sie für den geeignetsten Bewerber hält. In der GVK sitzen die Vorsitzenden der Gremien der Landesmedienanstalten. Chef der 14-köpfigen GVK ist seit Januar 2012 Winfried Engel, der die Versammlung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) in Kassel leitet.

Die GVK entschied sich dann am 6. Juni in ihrer Sitzung in Berlin dafür, Antenne Deutschland den Zuschlag zu geben und damit an dieses Unternehmen den Plattformbetrieb des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes für die Dauer von zehn Jahren zu vergeben. Nach MK-Informationen erhielt Antenne Deutschland acht Stimmen und damit exakt die mindestens notwendige Stimmenanzahl. Vier GVK-Mitglieder votierten für die Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH. Für die Radi/o digital GmbH, hinter der die Medienunternehmer Peter Löw und Ulrich Ende stehen, stimmte niemand. An der Sitzung nahmen 12 GVK-Mitglieder teil; zwei Gremienvertreter fehlten, und zwar der Vertreter der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema) und der Vertreter der in dem Vergabeverfahren federführenden SLM.

Mit ihrer Entscheidung, Antenne Deutschland auszuwählen, folgte die Gremienvorsitzendenkonferenz nicht der Empfehlung der ZAK und damit der Direktoren der Landesmedienanstalten, die sich mehrheitlich (mit acht Stimmen) dafür ausgesprochen hatten, an die Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH den Plattformbetrieb für den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex zu vergeben. Die DABP gehört dem Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel, der bereits im Jahr 2015 damit begonnen hatte, für den Start eines zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zu werben – und damit gewissermaßen die Ausschreibung initiiert hatte. Um nun am Ende nicht zum Zuge zu kommen.

Initiator Steffen Göpel geht leer aus

Der GVK-Vorsitzende Winfried Engel verwies darauf, dass mit dem Unternehmen Antenne Deutschland ein „als Programmveranstalter und Netzbetreiber erfahrener Player den Zuschlag“ erhalten habe, bei dem man erwarten könne, „dass es auch zügig losgeht“. Von den drei vorliegenden Bewerbungen sei das Konzept von Antenne Deutschland das überzeugendste gewesen. Gesellschafter der Antenne Deutschland GmbH & Co. KG sind bisher mit jeweils 50 Prozent die Absolut Digital GmbH & Co. KG und die Media Broadcast Digital Radio GmbH. An Antenne Deutschland sollen sich künftig weitere Unternehmen beteiligen können.

Absolut Digital gehört zur in Nürnberg angesiedelten Oschmann-Gruppe, die unter anderem an regionalen Radio- und Fernsehanbietern (vor allem in Bayern) und an Zeitungen beteiligt ist. Das Unternehmen Absolut Digital betreibt bereits die drei Programme Absolut Relax (bundesweit über DAB plus), Absolut Hot (regional über DAB plus) und Absolut Radio (Internet). Geschäftsführer von Absolut Digital ist Willi Schreiner, ein Verfechter von DAB plus.

Die Media Broadcast Digital Radio GmbH ist eine neu gegründete Tochtergesellschaft der in Köln ansässigen Media Broadcast GmbH. Media Broadcast ist seit August 2011 für den Betrieb und den Ausbau des ersten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zuständig, über den aktuell 13 Programme ausgestrahlt werden, neun kommerzielle sowie die drei bundesweiten Programme des Deutschlandradios (Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur, Deutschlandfunk Nova) und der vom Deutschlandradio betriebene Zusatzkanal „Dokumente und Debatten“ (ebenfalls bundesweit). In den einzelnen Bundesländern werden ferner über regionale DAB-plus-Multiplexe weitere Programme verbreitet, darunter auch die Hörfunkprogramme der ARD-Landesrundfunkanstalten.

Media Broadcast betreibt unter anderem seit Juni 2015 in Hamburg einen regionalen DAB-plus-Multiplex mit mehreren kommerziellen Programmen. Das Unternehmen baut im Fernsehbereich zudem das digital-terrestrische DVBT-2-HD-Sendernetz auf, die Nachfolgetechnik des DVB-T-Standards. Media Broadcast betreibt auch die DVB-T2-HD-Plattform „Freenet TV“, über die ab Juli private Fernsehprogramme digital-terrestrisch in HD-Qualität nur noch gegen ein zusätzliches Entgelt zu empfangen sind. Media Broadcast ist seit März 2016 im Besitz des Mobilfunkkonzerns Freenet (vgl. MK-Meldung).

Sendestart im Frühjahr 2018 erwartet

Das Ziel von Antenne Deutschland ist, über die neue DAB-plus-Plattform, „ein attraktives, vielfältiges Angebot von Anfang an sicherzustellen“. Innerhalb von neun Monaten solle die Plattform aufgebaut werden. Der Sendestart dürfte damit im Frühjahr 2018 erfolgen. Nach MK-Informationen will Antenne Deutschland über den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex 18 Programme verbreiten, darunter zwölf eigene. Die verbleibenden sechs Plätze sind für externe Radioveranstalter vorgesehen. Welche externen Programme über die neue DAB-plus-Plattform verbreitet werden, kann Antenne Deutschland entscheiden; hier sollen aber die Landesmedienanstalten eingebunden werden. Zu den eigenen Programmen, die Antenne Deutschland starten will, soll ein Talkradio nach angloamerikanischem Vorbild gehören. Standort für die Antenne-Deutschland-Programme soll Berlin werden. Absolut-Radio-Geschäftsführer Schreiner wollte sich gegenüber der MK zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher zu den Programmplänen von Antenne Deutschland äußern.

Als „das größte Privatradio-Investment der letzten 30 Jahre“ bezeichnete Willi Steul, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Deutschland und scheidender Intendant des Deutschlandradios, den Aufbau des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes. Dadurch erhalte „DAB plus einen ungeheuren Schub“, so Steul. Im Verein Digitalradio Deutschland haben sich die ARD, das Deutschlandradio, private Radioveranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber mit dem Ziel zusammengeschlossen, die DAB-plus-Verbreitung in Deutschland zu etablieren. Bis der Aufbau des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes tatsächlich beginnt, wird es aber wohl bis Ende Juli dauern. Erst dann wird voraussichtlich feststehen, ob die Vergabeentscheidung an Antenne Deutschland bestandskräftig und damit wirksam ist oder ob einer der unterlegenen Bewerber möglicherweise die Auswahlentscheidung der GVK anfechtet.

18.06.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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