WDR-Fernsehfilm: „Tatort“-Geburtstag und Loveparade, Beitz und Brecht

Dreifacher Geburtstag für den Kölner „Tatort“ des WDR: Am 5. Februar feierte Dietmar Bär, der den Kommissar Freddy Schenk spielt, seinen 56. Geburtstag, am 7. Februar beging sein Kollege Klaus J. Behrendt alias Kommissar Max Ballauf seinen 57. Geburtstag und am 5. Oktober dieses Jahres wird der „Tatort“ aus Köln 20 Jahre alt. Kein Wunder, dass der WDR die beiden TV-Stars zum Pressegespräch und Jahresausblick der Fernsehfilmredaktion am 8. Februar nach Köln einlud. Zumal der WDR gleich zwei neue „Tatort“-Krimis mit Schenk und Ballauf fertiggestellt hatte.

Die eine Folge davon lief jüngst am 19. Februar im Ersten, es war die Episode mit dem Titel „Tanzmariechen“ (Buch: Jürgen Werner, Regie: Thomas Jauch) und sie erzielte mit 10,71 Mio Zuschauer (Marktanteil: 28,4 Prozent) einen großen Publikumserfolg. Am 26. März gibt es dann die nächste Kölner Folge, Titel: „Nachbarn“ (Buch: Christoph Wortberg, Regie: Torsten C. Fischer). In Köln wurden Bär und Behrendt gefragt, ob sie denn in eini­gen Jahren sozusagen Silberne Hochzeit feiern wollten. Bär sagte, der Vertrag für das Duo laufe noch drei Jahre. Er empfinde den „Tatort“ weiterhin als „sehr lebendiges Format“. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn ließ erkennen, dass er auch über die nächsten drei Jahre hinaus mit dem Programmeinsatz der beiden rechnet: „Wir sind doch dankbar für jede verlässliche Säule im Programm. Warum sollten wir sie aufgeben?“ Klaus J. Behrendt zeigte sich von den überdurchschnittlich hohen Einschaltquoten, die „Tatort“-Folgen regelmäßig erreichen, beeindruckt: „Man muss sich mal vorstellen: Wenn ein ‘Tatort’ in Deutschland neun bis zehn Millionen Zuschauer erreicht, ist das, als wenn in Schweden oder Österreich im ganzen Land jeder Einwohner den ‘Tatort’ gesehen hätte.“

Gesellschaftlich relevante Themen

Gebhard Henke, der Leiter des WDR-Programmbereichs ‘Fernsehfilm, Kino und Serie’, hob bei dem Pressegespräch hervor, dass das Kölner Duo mit nun insgesamt 68 Einsätzen die meisten Fälle der ARD-Reihe bearbeitet habe. Zwar sei Ulrike Folkerts im SWR-„Tatort“ als Kommissarin Lena Odenthal schon seit Oktober 1989 und damit acht Jahre länger im Einsatz, sie könne aber als dienstälteste Ermittlerin der Krimireihe ‘nur’ 64 Fälle vorweisen. Henke verwies darauf, dass das „Tatort“-Format insgesamt „die größte Verjüngungskur“ für das Erste darstelle, und versicherte, dass die Kölner Krimis auch künftig gesellschaftlich und politisch relevante Themen aufgreifen würden.

In einem Trailer stellte die WDR-Fernsehfilmredaktion einige Highlights ihrer diesjährigen Produktion für das ARD-Programm vor. Thomas Durchschlag erzählt in „Loverboy“ (Arbeitstitel) nach einem Drehbuch von Angela Gilges und Ruth Olsen von der sexuellen Ausbeutung einer 15-Jährigen. Ariane Zeller inszenierte das Liebesdrama „Zwei“ mit Katharina Marie Schubert und Hans Löw; dazu schrieb Ariane Zeller gemeinsam mit ihrem Mann Frank Zeller auch das Buch. Stephan Lacant realisierte mit „Toter Winkel“ (Buch: Ben Braeunlich) ein Familiendrama mit Herbert Knaup und Hanno Koffler über rechtsterroristische Gewalt. Dazu kommt „Warum“ (Arbeitstitel), ein Film von Nicole Weegmann über die tödliche Katastrophe bei der Duisburger Loveparade. Zudem gibt es noch das Prestige-Projekt „Brecht“: Heinrich Breloer verfilmt ab Mai dieses Jahres in zwei Teilen das Leben des Dramatikers Bertolt Brecht (Produktion: Bavaria); die Hauptrolle hat Burghart Klaußner übernommen und Adele Neuhauser spielt Brechts Ehefrau Helene Weigel.

Die Frage nach der Schuld

Regisseurin Nicole Weegmann schildert in „Warum“ nach einem Drehbuch von Eva Zahn und Volker A. Zahn – die schon bei den ARD-Filmen „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ (vgl. FK-Heft Nr. 43/08) und „Mobbing“ (vgl. FK-Heft Nr. 5-6/13) mit Weegmann zusammenarbeiteten – nicht die Schrecken des Loveparade-Unglücks selbst, bei dem im Juli 2010 in Duisburg 21 meist junge Techno-Fans ums Leben kamen. Am Beispiel der fiktiven Figur Antonia, die noch sieben Jahre danach unter dem Trauma leidet, werden vielmehr die langfristigen Auswirkungen der Katastrophe für die Überlebenden dargestellt.

Die Hauptrolle in „Warum“ übernahm die 24-jährige Jella Haase; der „European Shooting Star 2016“ wurde vor allem durch die beiden „Fack-ju-Göhte“-Kinokomödien bekannt. Sie berichtete in Köln, dass sie sich auf den „harten Dreh“ mit einer Psychologin als Trainerin vorbereitet habe. Dennoch sei es schwierig gewesen, „sich der Wut und dem Schmerz der Figur zu nähern. Ich musste oft abends nach dem Dreh ein Stück laufen, um den Druck loszuwerden“, erzählte sie.

Nach Aussage von Regisseurin Nicole Weegmann haben die Drehbuchautoren eng mit Selbsthilfegruppen zusammengearbeitet, die sich zur Verarbeitung des bei der Katastrophe Erlebten gebildet haben. Das zentrale Thema des Films sei die Schuld. Weegmann: „Bisher hat sich in dem Fall noch niemand zu einer Schuld bekannt.“ Gebhard Henke ergänzte, dass auch Überlebende sich gegenüber Verwandten von Todesopfern schuldig fühlten, einfach weil sie das Unglück überlebt haben. Barbara Buhl, Leiterin der WDR-Programmgruppe ‘Fernsehfilm und Kino’, merkte an, es handele sich nicht um einen „Katastrophenfilm“; der Film habe das Hier und Heute im Blick und das teilweise auch mit einem „bösen Humor“. Die Figuren seien fiktiv, griffen aber ähnliche reale Schicksale auf.

Zweite Staffel von „Meuchelbeck“

Nach Angaben der WDR-Redaktion befinden sich weitere Fernsehfilme in Produktion. Dazu gehört „Krieg“ (Arbeitstitel), ein Familiendrama mit Thriller-Elementen, in dem es um eine ungewöhnliche Trauerarbeit geht; die Hauptrollen spielen Ulrich Matthes und Barbara Auer (Buch: Hannah Hollinger, Regie: Rick Ostermann). Ein weiteres Projekt ist „Arme Ritter“, eine Buddy-Komödie unter der Regie von Lars Jessen mit Heinz Strunk und Charly Hübner. Hier schrieb Heinz Strunk, zusammen mit Peter Güde, auch das Drehbuch. Zudem bereitet die Produzentin Katharina Trebitsch im Auftrag des WDR das erste fiktionale Porträt des Krupp-Generalbevollmächtigten Berthold Beitz vor. Bei diesem Film nach einem Buch von Sebastian Orlac soll Lars Kraume („Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Terror“) Regie führen; gedreht werden soll 2018.

Und die Serien? Auch hier bleibt der WDR nicht untätig: In der Pipeline hat der Sender die sechsteilige komödiantische Anwaltsserie „Falk“, die Pia Strietmann und Peter Stauch gerade mit Fritz Karl in der Hauptrolle realisieren (Produktion: Bavaria). Die erfolgreichen „Schnitzel“-Filmkomödien mit Armin Rohde und Ludger Pistor sollen nun in Form einer Serie eine Fortsetzung finden. Außerdem arbeitet die Produktionsfirma Zieglerfilm Köln an der zweiten Staffel der schrulligen niederrheinischen Provinzserie „Meuchelbeck“, deren erste Staffel im Sommer 2015 im Dritten Programm WDR Fernsehen ausgestrahlt worden war.

25.02.2017 – rk/MK

Print-Ausgabe 8/2017

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