Neue Nachwuchsfilmreihe im Dritten Programm NDR Fernsehen: „Nordlichter“

Auch das Dritte Programm NDR Fernsehen leistet sich jetzt eine Nachwuchsfilmreihe. Am 5. November startet dort das Projekt „Nordlichter“, das der NDR gemeinsam mit der Nordmedia, der Medien-Fördereinrichtung für Niedersachsen und Bremen, sowie der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) finanziert. Am 9. Oktober stellten die drei beteiligten Partner im Rahmen des Filmfests Hamburg dieses Nachwuchsförderprogramm und die vier Filme der ersten Staffel vor. Die Produktionen hatten auf dem Festival ihre Premiere-Vorführung.

Die älteste Nachwuchsfilmreihe innerhalb der ARD verantwortet das SWR Fernsehen: „Debüt im Dritten“ feiert im November 2015 bereits das 30-jährige Jubiläum. Die Filme dieser aktuellen Staffel der „Talentschmiede des Südwesten“ (SWR) werden zwischen dem 2. und 30. November ausgestrahlt. Als erster Beitrag ist hier am 2. November um 20.15 Uhr der Film „Ein Geschenk der Götter“ von Oliver Haffner (Buch/Regie) zu sehen. Seit 2001 existiert zudem die Reihe „Debüt im Ersten“ und seit 2013 gibt es „Debüt im RBB“.

Herausforderung Komödie

Von diesen Reihen unterscheide sich „Nordlichter“ insofern, als hier jede Staffel einem Genre gewidmet sei, sagte Christian Granderath, der beim NDR die Abteilung ‘Film, Familie und Serie’ leitet, auf der Filmfest-Veranstaltung in Hamburg. Für die erste und die für 2016 geplante zweite Staffel mussten die Bewerber Komödien einreichen, für die dritte lautete die Vorgabe Mystery. Das Komödiengenre sei „die größte denkbare Herausforderung für eine Nachwuchsreihe“, meint Granderath. Insgesamt seien für die ersten beiden Staffeln mehr als 80 Vorschläge eingereicht worden, berichtete NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann.

Die Vorbereitungen für „Nordlichter“ hätten 2013 begonnen, sagte Eva Hubert, die Geschäftsführerin der FFHSH. Vorher habe sich der NDR gegen ein solches Nachwuchsförderprojekt gesperrt, ergänzte sie. Die Filmförderung habe schon länger für das Projekt plädiert. „Nordlichter“ sei „auf Nachhaltigkeit angelegt“, betonte Jochen Coldewey, der bei der Nordmedia den Bereich Filmförderung leitet. Man wolle verhindern, dass junge Filmemacher, die in Norddeutschland ausgebildet wurden, abwandern. Zwei der an der ersten Staffel mitwirkenden Regisseurinnen – Viviane Andereggen und Martina Plura – haben an der Hamburg Media School Filmregie studiert. Mit dem Förderprogramm ist somit die Hoffnung verknüpft, dass die Beteiligten auch künftig Gefallen an norddeutschen Drehorten finden. Während „Familie verpflichtet“, der erste Film der Premieren-Staffel, in Hannover angesiedelt ist, verteilen sich bei den übrigen drei Filmen die Drehorte jeweils auf Hamburg und einen weiteren Ort in Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein. Coldewey sagte, „Nordlichter“ sei überdies als Förderung „für die Gewerke“ vor Ort zu verstehen.

Die Kosten pro Film betragen 900.000 Euro – die drei Partner tragen sie jeweils zu einem Drittel. Man habe es hier also mit „Low-Budget“-Produktionen zu tun, so Granderath. Redaktionell betreut werden die „Nordlichter“-Filme beim NDR von Sabine Holtgreve und Daniela Mussgiller. Holtgreve leitete beim SWR von 2002 bis 2006 die Redaktion der Reihe „Debüt im Dritten“.

Das Wesen ‘Mann’

Als inhaltliche Klammer der ersten Staffel von „Nordlichter“ sieht NDR-Fernsehfilmchef Granderath, dass die Filme „sich aus unterschiedlicher Sicht mit dem komischen Wesen ‘Mann’ beschäftigen“. Der Auftaktfilm „Familie verpflichtet“ (Regie: Hanno Olderdissen, Buch: Luca Banuscha und Michael Comtesse) ist eine Screwball-Comedy um die Wirrungen, die entstehen, als ein Galerist mit jüdischen Wurzeln und ein deutsch-palästinensischer Sportlehrer heiraten wollen.

In „Das Romeo-Prinzip“ (Regie: Eicke Bettinga, Buch: Niklas Altekamp) lässt sich ein Student von einem früheren Stasi-Mann anleiten, der einst Agenten ausbildete, um sie auf weibliche Quellen in der alten Bundesrepublik ansetzen zu können. Bei „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ (Regie: Viviane Andereggen, Buch: Georg Lippert) geht es um den zwölfjährigen Sohn eines getrennt lebenden jüdischen Elternpaares und „Vorstadtrocker“ (Regie: Martina Plura, Buch: Paul Florian Müller und Paul Salisbury) handelt von einem abgehalfterten Investigativjournalisten, der sich von einer Story im Rocker-Milieu sein Comeback erhofft.

Die Dreharbeiten für die zweite „Nordlichter“-Staffel laufen bereits, unter anderem für den Film „Strawberry Bubblegums", in dem Jasmin Tabatabai eine ehemalige Pornodarstellerin gibt. Die Bewerbungsfrist für die dritte Staffel war am 30. Juni dieses Jahres abgelaufen.

28.10.2015 – René Martens/MK

Print-Ausgabe 13/2016

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