Deutscher Fernsehpreis: Stifter beschließen das Aus

Den Deutschen Fernsehpreis wird es künftig nicht mehr geben. Das gaben die zuständigen öffentlich-rechtlichen und privaten Sender am 22. Januar bekannt. An diesem Tag hatten sich die Stifter des Deutschen Fernsehpreises getroffen und, nachdem sie sich nicht über eine Fortführung einigen konnten, den Beschluss zur Beendigung des Wettbewerbs gefasst. In der am Abend des 22. Januar verschickten Pressemitteilung hieß es dazu wörtlich: „Bei ihrem Treffen am Donnerstag in Köln haben die Stifter des Deutschen Fernsehpreises – Thomas Bellut (ZDF), Tom Buhrow (WDR), Frank Hoffmann (RTL), Nicolas Paalzow (Sat 1) – beschlossen, den Preis in seiner bisherigen Form nicht fortzusetzen. Je zwei der vier Stifter hatten sich für bzw. gegen die Fortführung einer jährlichen, im Fernsehen übertragenen Preisgala ausgesprochen.“ Dem Vernehmen nach waren WDR und ZDF, also die öffentlich-rechtlichen Beteiligten, für eine Fortsetzung; die beiden Privatsender RTL und Sat 1 waren dagegen.

In ihrer Beratung seien die Stifter „unter den gegebenen Voraussetzungen einvernehmlich zu einer anderen Grundsatzentscheidung“ gekommen, hieß es weiter. Anstelle einer TV-Gala wollen sie ab 2016 gemeinsam „einen neuen Rahmen setzen, in dem die besten und erfolgreichsten Produktionen eines Fernsehjahres bei einem Branchentreff gewürdigt werden, der nicht im Fernsehen übertragen wird“. Im Herbst vorigen Jahres war noch ein Produzentenwettbewerb ausgeschrieben worden, um damit Vorschläge für eine neue Form des Fernsehpreises inklusive TV-Übertragung einzuholen. Insgesamt elf Produktionsfirmen beteiligten sich an der Ausschreibung, zwei hätten, so verlautete, sehr gute Vorschläge gemacht. Doch es war vergebens. In der Pressemitteilung des Deutschen Fernsehpreis ist dazu zu lesen: „Ausdrücklich danken die Stifter den Produzenten, die im vergangenen Herbst Vorschläge für eine neue Form einer Fernsehpreisgala entwickelt hatten und loben ausdrücklich die zahlreichen innovativen Ideen.“ Was genau mit dem neuen „Branchentreff“ gemeint ist, wurde in der Mitteilung nicht näher erläutert.

Die fatale Strukturreform

Der Deutsche Fernsehpreis war 1998 gegründet und 1999 erstmals veranstaltet worden. Insgesamt wurden die Auszeichnungen 16 Mal verliehen. Über die Preisvergabe entschied eine unabhängige Jury. Als Veranstalter wechselten sich die vier beteiligten Sender ARD (WDR), ZDF, RTL und Sat 1 ab. Der jeweils federführende Sender übertrug die Preis-Gala, die stets im Kölner Coloneum veranstaltet wurde, in seinem Programm. Dies geschah allerdings oft nicht gerade zur besten Sendezeit und wurde immer mehr zu einem Problempunkt, zumal sich die Veranstalter auch nicht zu einer Live-Übertragung und einer stringenten Moderationslinie entschließen konnten.

Eine fatale Strukturreform im Jahr 2010, als zahlreiche Gewerke-Kategorien abgeschafft wurden, führte dann zu enormen Protesten in der Branche und machte den Wettbewerb seither angreifbar. So wurden etwa gerade jene Kategorien abgeschafft (Filmgewerke), in denen die Preise in der Regel an die öffentlich-rechtlichen Sender gingen, weil die Privaten hier immer weniger zu bieten hatten. Die Privatsender wollten durch diesen Eingriff offensichtlich ein von ihnen so empfundenes Ungleichgewicht bei der Preisverteilung abmildern.

Von dem gravierenden Einschnitt erholte sich der Deutsche Fernsehpreis nicht mehr. In Konkurrenz zu dem Senderwettbewerb gründete sich damals die Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF), die seit 2013 eigene Auszeichnungen verleiht. Die Akademie und die Sender hatten sich zuletzt jedoch angenähert und dachten an eine Kooperation von Deutschem Fernsehpreis und DAfF-Wettbewerb. Wie es diesbezüglich weitergeht, nachdem die Sender nur noch einen „Branchentreff“ mit Bestleistungswürdigung veranstalten, bleibt nun bis auf weiteres offen. Ebenso ist bislang nicht bekannt, wer künftig in welchem Verfahren darüber entscheidet, welche Sendungen „die besten und erfolgreichsten Produktionen eines Fernsehjahres“ sind.

Die Deutsche Akademie für Fernsehen gab am 23. Januar in einer Pressemitteilung bekannt, sie werde im Herbst 2015 in Köln zum dritten Mal ihre „Auszeichnungen für herausragende Leistungen im deutschen Fernsehen“ vergeben. Die Akademie ließ in diesem Zusammenhang weiter wissen, sie sei „mit den Stiftern des Deutschen Fernsehpreises im Gespräch über die Möglichkeiten der Koordination und Kooperation von zukünftigen Auszeichnungen“.

06.02.2015 – MK

Print-Ausgabe 24/2016

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