USA: Kinder sagen ‘Goodbye’ zu Disney‑Fernsehsendern

11.08.2017 • In den vergangenen fünf Jahren ist die Sehbeteiligung junger Menschen im Alter von 3 bis 34 Jahren beim traditionellen amerikanischen Broadcast- und Kabelfernsehen um 34 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet nicht, dass Kinder und junge Erwachsene weniger fernsehen; sie wandern stattdessen immer mehr ins digitale Fernsehen ab. Besonders für die Kabelsender des Walt-Disney-Konzerns hat dieser Rückgang dramatische Folgen angenommen, wie jüngst das Wirtschaftsblatt „The Wall Street Journal“ berichtete.

Kabelfernsehen ist seit langer Zeit für Disney das wichtigste Geschäft: Im letzten Geschäftsjahr sorgten in den USA die Kabelsender des Unternehmens, unter ihnen vor allem der Disney Channel und das Programm Freeform, für 30 Prozent des Umsatzes und 43 Prozent des Gewinns. Der Disney Channel existiert bereits seit 1983, ist in nahezu allen Fernsehhaushalten der Vereinigten Staaten zu empfangen und versteht sich hauptsächlich als Programmanbieter für Kinder und Jugendliche. Freeform ist der ehemalige Family Channel und bietet Sendungen für Jugendliche und junge Erwachsene an. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fielen die Einschaltquoten für den Disney Channel bei den jugendlichen Zuschauern in der Primetime um 18 Prozent und die Quoten von Freeform um 25 Prozent. Jedes der beiden Programme verlor während der vergangenen drei Jahre rund 4 Mio Abonnenten. Die Abwanderung des Publikums zu digitalen Alternativen, insbesondere zu den Streaming-Angeboten von Netflix und YouTube, werden hauptsächlich dafür verantwortlich gemacht.

Der Disney Channel hat zuletzt mit einigen seiner neuen Serien wenig Glück gehabt. So erreichte zum Beispiel „I Didn’t Do It“, eine Komödienserie über ein Zwillingspaar und dessen Freunde, in der zweiten Saison nicht einmal mehr 2 Mio Zuschauer. Und auch die Sitcom „Best Friends Whenever“ wurde abgesetzt, nachdem ihre Marktanteile während der zweiten Staffel in den Keller gefallen waren. Doch offensichtlich weiß man bei Disney, dass einzelne Sendungen bzw. Serien nicht die Hauptursache für den sich rapide verschlechternden Zustand der beiden Programme sind. Disney-Geschäftsführer Robert Iger betont, dass man sich in der Chefetage vor allem auch darum kümmere, den Online-Auftritt der Sender zu verbessern und auf diese Weise die Kinder und Jugendlichen zurückzugewinnen, die in jüngster Zeit dem Disney Channel und Freeform ‘Goodbye’ gesagt haben. Auf dem Spiel steht ja mit den auf junges Publikum ausgerichteten Sendungen auch der hohe Marketing-Wert für Disney-Produkte wie Spielwaren und Kleidung, die dem Unternehmen jährlich Hunderte von Millionen Dollar einbringen.

11.08.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2017

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