USA: Größere Verbreitung für den konservativen Nachrichtenkanal Newsmax

31.10.2017 • Wenn es in den USA um konservativ orientierte Nachrichtensender geht, so fällt die Wahl der Zuschauer fast immer auf Fox News, das zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende Kabelfernsehprogramm. Es gibt auch einige kleinere Nachrichtensender wie zum Beispiel One America News (OAN), doch sie fallen kaum ins Gewicht. Wenig Beachtung fand bisher auch der bereits seit 2014 existierende kleinere Nachrichtenkanal Newsmax. Eine kürzlich realisierte Kooperation mit dem Telekommunikationskonzern AT&T und dessen Satellitenfernsehunternehmen DirecTV hat Newsmax nun aber eine größere Verbreitung gesichert. Rund 40 Mio amerikanische Haushalte können Newsmax jetzt empfangen, entweder über DirecTV, über die AT&T-Plattform U-verse oder über einen Streaming-Player namens Roku, außerdem noch via YouTube, Apple TV und Amazon Fire.

Warum ist das von Bedeutung? Weil Newsmax über seinen Chef Christopher Ruddy einen direkten Kontakt zu US-Präsident Donald Trump zu haben scheint. Der 52-jährige Ruddy, den die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ schon 2010 als „einen der 100 einflussreichsten Konservativen“ in den USA bezeichnete, ist laut „Politico“ ein langjähriger Freund von Donald Trump und wird von vielen als eine Art geistiger Nachfolger des rechtslastigen politischen Kommentators Bill O’Reilly betrachtet, der Fox News im April dieses Jahres wegen eines Sex-Skandals hatte verlassen müssen (vgl. MK 9/17). Als Zielvorstellung von Newsmax formulierte Ruddy, dass sich der Sender „an eine besondere Gruppe von Amerikanern“ wende, „die Nachrichten wollen, die sie von anderen großen Networks nicht bekommen können“.

Die Befürchtung, mit Newsmax könnte sich auf breiterer Ebene ein Nachrichtensender etablieren, der sich als eine Art Sprachrohr für Präsident Trump versteht, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Erst unlängst hat Newsmax ein Interview mit dem früheren Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus des US-Kongresses, dem Republikaner Tom DeLay, gesendet, in dem DeLay beleidigende Twitter-Kritik Trumps an der MSNBC-Kommentatorin Mika Brzezinski mit den Worten verteidigte: „Ich bin so froh, dass er die Medien angreift, und zwar ganz persönlich, weil sie auch ihn ganz persönlich angreifen.“ Wenn das der Tenor von Newsmax werden sollte, dann lässt sich das in der US-Medienbranche kursierende Gerücht, Bill O’Reilly könnte schon bald bei Ruddys Sender eine neue Heimat finden, durchaus verstehen.

31.10.2017 – Ev/MK