USA: Discovery kauft Scripps Networks

08.09.2017 • In einer Medienlandschaft, deren Erscheinungsbild von rückläufigen Einschaltquoten für die Broadcast- und Kabelnetworks, von Kündigungen der Paketabonnements im Pay-TV und einer wachsenden Faszination des amerikanischen Publikums für das Videostreaming beherrscht wird, ist Konsolidierung wieder einmal eines der großen Ziele auf dem Telekommunikationssektor. AT&T, Comcast, Verizon, Charter und viele andere Unternehmen haben in jüngster Zeit ihre Marktpräsenz durch Fusionen und Ankäufe zu verbessern versucht. Nun folgt ihnen Discovery Communications, der 1985 mit dem Discovery Channel als Aushängeschild gegründete Medienkonzern, der 2015 dadurch für Aufsehen sorgte, dass er die europäischen Übertragungsrechte an den vier Olympischen Spielen 2018, 2020, 2022 und 2024 erwarb (vgl. hierzu diesen  MK-Artikel und diese MK-Meldung).

Für 11,9 Mrd Dollar hat Discovery jetzt in den USA im dritten Anlauf das auf Lifestyle-Fernsehen spezialisierte Medienunternehmen Scripps Networks Interactive gekauft und damit den Rivalen Viacom aus dem Feld geschlagen, der ebenfalls an Scripps interessiert war. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Aktionäre und die staatlichen Behörden soll die Transaktion dann spätestens Anfang 2018 über die Bühne gehen. Scripps hat seinen Hauptsitz in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee.

Die Fusion macht Sinn, denn sie vereint das hauptsächlich auf männliches Publikum fokussierte Discovery-Unternehmen mit einer Firma, deren Sendeangebot vornehmlich weibliches Publikum anlockt. Zu den Kabelsendern von Scripps gehören HGTV, ein Programm, bei dem sich alles ums Eigenheim dreht (vgl. diesen MK-Artikel), das Food Network, der Travel Channel und der Cooking Channel. Das kombinierte Unternehmen wird einen geschätzten Marktwert von 25 Mrd Dollar haben und rund 20 Prozent des Pay-TV-Angebots in den Vereinigten Staaten kontrollieren. Discovery-Geschäftsführer David Zaslav betonte bei der Verkündung des Deals, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt sei, komplementäre Programminhalte durch Fusionen dieser Art miteinander zu verbinden. Er deutete ferner an, dass Discovery die Chance besitze, die Scripps-Programme in 220 Ländern der Erde zu verbreiten und gleichzeitig einen überall empfangbaren Videostreaming-Dienst zu gründen, um so den voraussehbaren Veränderungen auf dem Mediensektor besser begegnen zu können.

08.09.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 19/2017

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