USA: Die Serie „This Is Us“ ist ein großer Erfolg für NBC

Als zu Beginn der Fernsehsaison 2016/17 Dan Fogelmans Serie „This Is Us“ im Hauptabendprogramm des Networks NBC auftauchte, trauten Kritiker und Publikum ihren Augen nicht. Inmitten eines Umfelds von Sendungen, die lauter alte Muster mit modernen Effekten überbieten, versuchte sich Fogelman an einer Geschichte, die Herz und Schmerz mit unterschwelligem Humor und die Klischees sentimentaler Familiengeschichten mit einer gehörigen Portion realer Beziehungsproblematik kombiniert. Es war ein Drahtseilakt und an dessen Gelingen wagte niemand so recht zu glauben.

In „This Is Us“ geht es um Eheprobleme und Familienzwiste, um Eltern und Kinder, um Freundschaften und beruflichen Ehrgeiz, um Rassenprobleme und Seelenqual. Eines der Geschwister einer Familie ist adoptiert und schwarz, ein anderes leidet an Übergewicht, ein drittes an mangelndem Selbstvertrauen. Und das alles spielt sich auf beständig wechselnden Zeitebenen ab, zusammengeschnürt durch die Liebes- und Ehegeschichte eines mittelständischen Paares in New Jersey.

Ein möglicher Emmy-Kandidat

Hat Dan Fogelman die Bereitschaft des amerikanischen Publikums überschätzt, vertraute Serien-Bestandteile auch in ungewöhnlicher Realitätsnähe und noch ungewöhnlicherer dramaturgischer Gestaltung zu akzeptieren? Das war zu Anfang der TV-Saison nicht nur die Furcht bei NBC, sondern auch vieler Kritiker, die „This Is Us“ überwiegend mit Sympathie begegneten. Sie alle erlebten eine Überraschung: Die 18 Episoden der Mitte März beendeten ersten Staffel erwiesen sich als so erfolgreich, dass NBC den ganz ungewöhnlichen Schritt tat, „This Is Us“ gleich für zwei weitere Jahre zu verlängern. Die lineare Ausstrahlung und die Abrufe über Digitalvideorekorder (DVR) der jeweils ersten sieben Tage nach Ausstrahlung einer Folge ergaben für die Staffel eine durchschnittliche Sehbeteiligung von rund 15 Mio Zuschauern. Damit gehört „This Is Us“ zu den Spitzenreitern der Serien-Saison.

Dan Fogelman hatte zuerst Erfolg als Autor der Kinofilme „Cars“, „Tangled“ und „Crazy, Stupid, Love“. Er produzierte den von der Kritik geschätzten Independent-Film „Ich und Earl und das Mädchen“ und führte Regie bei dem Al-Pacino-Film „Mr. Collins’ zweiter Frühling“, bevor er im vorigen Jahr gleichzeitig zwei Serien im amerikanischen Fernsehen unterbrachte: „This Is Us“ und „Pitch“ (vgl. hierzu diesen MK-Artikel). „Pitch“ wurde vom Network Fox ausgestrahlt. Es geht in der Serie um die Geschichte des ersten weiblichen Pitchers in der Major League Baseball. Doch während „Pitch“ beim Publikum nicht reüssierte, erwartet man nun in der Branche allgemein, dass „This Is Us“ sogar beim nächsten Emmy-Wettbewerb eine Hauptrolle spielen könnte. Im Umfeld der beherrschend gewordenen Kabel- und Streaming-Konkurrenz wäre dies dann die erste Network-Serie seit „The Good Wife“ (CBS) im Jahr 2011, die wieder für den Emmy Award nominiert würde, und die erste seit „24“ (Fox) im Jahr 2006, falls sie sogar gewinnen würde.

10.04.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 7/2017

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