USA: Die Inkompetenz bei den Golden Globe Awards

Immer schon zeichneten sich die Golden Globe Awards, die von einer sogenannten Hollywood Foreign Press Organization seit 1944 jährlich verliehen werden, mehr durch die Vorliebe der Juroren für beliebte Stars oder für verschrobene Außenseiter aus. Wer eigentlich über die Preise entscheidet, ist außerhalb der Geschäftsräume des Verbandes kaum bekannt.

Definiert wird die aktive Mitgliedschaft in der Hollywood Foreign Press Organization nach dem Wohnsitz der rund 90 Journalisten in Los Angeles und mindestens vier jährlichen Publizierungen in ausländischen Medien – eine Qualifikation, deren Absurdität in den USA schon oft Gegenstand der Kritik gewesen ist. Die von dem Verband vergebenen Preise werden denn auch mehr in der Boulevardpresse als in gestandenen Kreisen der Filmbranche geschätzt; sie haben sich indes im Vorfeld der Oscar-Verleihung im Lauf der Zeit einen Platz in der Diskussion verschafft, nicht zuletzt, weil die Auszeichnungen unter großem Aufwand vergeben werden.

Anonyme Jury

Die Ergebnisse der Golden Globe Awards zeugen nahezu Jahr für Jahr von der fachlichen Inkompetenz der anonymen Juroren und sorgen häufig geradezu für Lächerlichkeit. Wie in diesem Jahr: Einen Film wie Ridley Scotts Science-Fiction-Produktion „Der Marsianer“ („The Martian“) als beste Komödie auszuzeichnen, kann man auch beim besten Willen nicht ernst nehmen. Oder Lady Gaga für ihre Rolle in „American Horror Story: Hotel“ (FX) den Darstellerpreis zu geben anstatt etwa Kirsten Dunst für die zweite Staffel von „Fargo“ (ebenfalls FX), darüber regte sich auch „Variety“ auf, das Fachblatt der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie. „Wieder einmal“, heißt es dort, „konnten die Globe-Juroren einem glitzernden Popstar mit zweifelhaften schauspielerischen Fähigkeiten nicht widerstehen.“

Und wenn Golden-Globe-Journalisten einen Lieblingsstar haben, dann scheuen sie sich auch nicht, ihn immer wieder von neuem auszuzeichnen, auch wenn dessen Leistungen sich nach Meinung der amerikanischen Kritikerkollegen nicht auf konstant gleichhohem Niveau bewegen. Wie diesmal im Fall von Jennifer Lawrence, die bereits zum dritten Mal den Goldenen Globus nach Hause trug (diesmal für ihre Rolle in dem Kinofilm „Joy“).

Für diejenigen, die es dennoch wissen wollen, hier die wichtigsten Golden-Globe-Preise in der Kategorie Fernsehen: Beste Drama-Serie wurde „Mr. Robot“ (USA Network), beste Komödien-Serie „Mozart in the Jungle“ (Amazon), im Bereich ‘Bestes TV-Movie/Beste Miniserie’ wurde „Wolf Hall“ (BBC) ausgezeichnet; der Preis für die beste Darstellerin im Bereich Drama-Serie ging an Taraji P. Henson für ihre Rolle in „Empire“ (Fox), die Auszeichnung für die beste Darstellerin in der Kategorie Komödien-Serie erhielt Rachel Bloom für ihren Part in „Crazy Ex-Girlfriend“ (CW); beste Serien-Darsteller wurden Jon Hamm aus der AMC-Produktion „Mad Men“ (Drama) und Gael Garcia Bernal aus „Mozart in the Jungle“ (Komödie).

12.01.2016 – Ev/MK

Print-Ausgabe 13/2016

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