USA: Der „Trump-Effekt“ und die Fernsehwerbung

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und die von vielen Beobachtern als „chaotisch“ apostrophierten Zustände im Weißen Haus seither haben das Interesse der amerikanischen Fernsehzuschauer an Nachrichtensendungen wie auch an Late-Night-Shows, in denen die aktuelle Politik ironisiert wird, erkennbar gesteigert. Trumps Präsidentschaft bietet sich praktisch Woche für Woche für eine Berichterstattung an, die auch dem Sensationellen und dem Spott Freiraum erlaubt. Vor allem die Broadcast-Networks, die inmitten der rapide anwachsenden Konkurrenz stets auf der Suche nach einem Quotenretter sind, haben deshalb die Kritik an Donald Trump als willkommenen Bestandteil in alle möglichen Sendungen integriert. Dabei die Balance zu halten zwischen Information und Karikatur, erweist sich häufig als nicht einfach. In einem Bereich aber hat der „Trump-Effekt“ den Networks eindeutig Vorteile beschert, nämlich dem der Werbung.

Sendereihen wie die „Today“-Show (NBC), „Good Morning America“ (ABC), „CBS This Morning“ und die Late-Shows von Stephen Colbert, Jimmy Fallon und Jimmy Kimmel, gar nicht zu reden von „Saturday Night Live“ (NBC), jener unverwüstlichen Parodie alles Parodierbaren, stehen plötzlich bei den Werbekunden ganz oben auf den Listen. Schon während des Frühjahrs waren diese Programme für den Vorabverkauf der Werbezeiten für die TV-Saison 2017/18 so begehrt, dass sie viele Primetime-Serien ausgestochen haben. Und der Trend erweist sich bisher als konstant. Was natürlich auch etwas damit zu tun hat, dass die Werbezeiten in solchen Sendungen (vorerst noch) billiger zu haben sind als die in den Abendprogrammen. Eifrigste Käufer von Werbespots in den genannten Formaten sind Konsumgüterfirmen wie Procter & Gamble und Hersteller pharmazeutischer Produkte.

Ob der „Trump-Effekt“ auch die Nachrichtensendungen im Kabelfernsehen mit einbezieht, lässt sich noch nicht eindeutig ausmachen. Doch zumindest Sendungen etwa des Nachrichtenkanals MSNBC, die bei der Werbebuchung bisher hinter den „Frontrunnern“ von CNN und Fox News herhinken, dürften einen Auftrieb spüren. Wer unter den Zuschauern verbal brillante Kritik an Donald Trump liebt, ist schließlich bei einem Format wie der MSNBC-Sendereihe „The Rachel Maddow Show“ stets gut aufgehoben. Was auch die Werbung gewiss zur Kenntnis nehmen wird.

26.09.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 20/2017

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