USA: Das Angebot von „Russia Today“ bei YouTube

06.11.2017 • Immer mehr Amerikaner beziehen ihre Nachrichten nicht mehr bzw. nicht mehr primär aus den traditionellen Informationsquellen, sei es Presse, Radio oder Fernsehen. Nur eine Minderheit sucht analytische Webseiten auf oder schaut vorwiegend bei den Kabel-TV-Networks zu findende Nachrichtenmagazine. Vor allem junge Menschen, so zeigen es Untersuchungen, bevorzugen via Internet kurzformatige Informationen über das Tages­geschehen, die je nach Anbieter mehrmals am Tag aktualisiert werden. Smartphones und Tablets dienen dabei inzwischen als die populärsten Empfangsmittel. Dass solches Konsumverhalten Online-Plattformen wie YouTube und Facebook begünstigt, liegt auf der Hand.

Wenig wird indes darüber nachgedacht, was sich in einem Mammutangebot wie etwa dem von YouTube alles verbirgt und wie – in viel zu weit gesteckten Grenzen – scheinbar harmlose Webseiten auch zur Infiltration politischer Propaganda benutzt werden können. Ein Artikel, der am 24. Oktober auf der Titelseite der New Yorker Stadtausgabe der „New York Times“ unter der Überschrift Titel „YouTube Gave Russian Outlet Portal Into U.S.“ erschien, verdient deshalb besondere Beachtung. Das „Russian Outlet“, von dem dort die Rede ist, ist der vom russischen Staat finanzierte Auslandsfernsehsender RT (ursprünglicher Name: „Russia Today“, doch inzwischen wird nur noch die Abkürzung verwendet), inklusive dessen Auftritt im Angebot des Videoportals YouTube, das wiederum eine Tochtergesellschaft des zum US-Konzern Alphabet gehörenden Unternehmens Google ist.

Der Standpunkt des Kremls

RT wird vom Verbund ziviler und militärischer Nachrichtendienste in den USA häufig als „die wichtigste internationale Propaganda-Einrichtung des Kremls“ bezeichnet und rühmt sich selbst als „das populärste Nachrichten-Network auf YouTube mit über fünf Milliarden Abrufen“. Während die meisten Besuche auf der RT-Webseite unpolitischen Videos gölten, konzentriere sich dennoch, so heißt es in dem Artikel der „New York Times“, ein beträchtlicher Anteil der Abrufe auf innen- und außenpolitische Themen. Dabei stehe die Suche nach Themen im Vordergrund, an deren Verbreitung der Kreml besonders interessiert sei, da sie jeweils den russischen Standpunkt dazu widerspiegelten. Beispielhafte Themen dafür seien die amerikanische Intervention in Syrien, der ukrainische Bürgerkrieg und der Aufstieg der rechtspopulistischen Partei AfD in Deutschland. Auf YouTube hat RT derzeit 2,2 Mio Abonnenten und rangiert damit nur wenig hinter dem Angebot des US-Nachrichtensenders CNN. RT sendet nicht nur in Englisch, sondern auch in mehreren anderen Sprachen, darunter Arabisch, Chinesisch, Spanisch und Deutsch.

Im vorigen Monat forderte das amerikanische Justizministerium RT auf, sich als „foreign agent“ zu registrieren, was eine Brandmarkung und die Verpflichtung zur Offenlegung der Aktivitäten des Senders bedeuten würde. Der russische Präsident Wladimir Putin soll mit unverhüllten Drohungen geantwortet haben: Laut „New York Times“ hat Putin angekündigt, Russland werde diesbezüglich adäquat und sehr schnell reagieren.

06.11.2017 – Ev/MK