Portugal: Altice-Gruppe übernimmt Media Capital

28.08.2017 • Die internationale Altice-Mediengruppe hat im Juli bekanntgegeben, dass sie den portugiesischen Konzern Media Capital übernehmen werde. Media Capital ist das größte kommerzielle Rundfunkunternehmen Portugals. Die in den Niederlanden ansässige Altice Group kaufte Media Capital vom spanischen Medienunternehmen Prisa, das bisher die Aktienmehrheit an dem portugiesischen Medienkonzern hielt. Dabei wurde Media Capital auf einen Wert von 440 Mio Euro geschätzt.

In Lissabon wurde am 14. Juli mitgeteilt, dass Altice 94,7 Prozent der Media-Capital-Aktien und damit den gesamten Anteil von Prisa übernehmen werde. Für die restlichen 5,3 Prozent der Aktien, die dem spanischen Geldinstitut NCG Banco gehören, habe Altice an der Lissabonner Börse ein Angebot abgegeben. Prisa hat sich in den vergangenen Jahren bereits von zahlreichen Fernsehbeteiligungen in Spanien getrennt und sich zunehmend auf den Bereich Bildung konzentriert. Allerdings gehören in Spanien noch die führende Tageszeitung „El País“ und die Hörfunkgruppe SER zum Prisa-Konzern.

Größtes europäisches Medienunternehmen

Die Altice Group wurde 2001 als Investitionsgesellschaft gegründet. Sie hat in den letzten Jahren im Medien- und Telekommunikationsbereich durch teilweise spektakuläre Übernahmen von sich reden gemacht. In den USA zum Beispiel hatte Altice Mitte 2016 das Kabelfernsehunternehmen Cablevision Systems für 17,7 Mrd Dollar übernommen und war dadurch zur Nummer 4 auf dem US-amerikanischen Kabelfernsehmarkt aufgestiegen (vgl. MK 14/16). Gründer und Besitzer von Altice ist der 53-jährige französisch-israelische Unternehmer Patrick Drahi. Im Jahr 2015 überholte Altice den deutschen Bertelsmann-Konzern (RTL Group) dem Umsatz nach und wurde zum größten europäischen Medienunternehmen. 2016 erzielte die vor allem in Frankreich, Portugal, Israel und den USA tätige Gruppe einen Umsatz von 23,5 Mrd Euro, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf 8,9 Mrd Euro. Allerdings hat Altice auch Nettoschulden in Höhe von 50,4 Mrd Euro angehäuft.

In Portugal will Altice Berichten zufolge vor allem in digitale Medieninhalte investieren, neue Fernsehsender und -formate entwickeln und sie dann in andere Märkte exportieren, insbesondere dorthin, wo das Unternehmen selbst tätig ist, das heißt nach Frankreich und in die USA. Die portugiesische Mediengruppe Media Capital wurde 1992 gegründet; sie betreibt heute unter anderem sechs Fernsehsender, darunter Televisão Independente (TVI), das in Portugal marktführende Programm. Die weiteren fünf Sender sind TVI Ficcão, TVI Reality, TVI Internacional, TVI Africa und der Nachrichtenkanal TVI 24. Außerdem gehören zu Media Capital fünf Hörfunkprogramme; zu ihnen zählt mit Rádio Comercial ebenfalls der der Marktführer in diesem Sektor.

Regulierungsbehörden müssen zustimmen

Zu Media Capital gehören des Weiteren das Online-Portal IOL und die in Portugal führende Produktionsfirma Plural Entertainment, die der neue Besitzer Altice zu einem globalen Produktionszentrum ausbauen will. Im Jahr 2016 erwirtschaftete Media Capital einen Umsatz von 174 Mio Euro (Ebitda: 41,5 Mio). 2005 hatte Miguel Pais do Amaral, der Gründer und Präsident von Media Capital, die Unternehmensgruppe an den spanischen Prisa-Konzern verkauft. Pais do Amaral, ein portugiesischer Aristokrat und früherer Autorennfahrer, blieb aber bis heute Vorsitzender des Verwaltungsrats von Media Capital. Ob das auch unter dem neuen Eigentümer Altice so bleibt, muss sich zeigen.

Media Capital ist nicht das erste Unternehmen, das Altice in Portugal erworben hat. 2015 übernahm Altice für 7,4 Mrd Euro den Telekommunikationskonzern PT Portugal von der brasilianischen Oi-Gruppe. PT Portugal ist unter der Marke Meo in dem Land der führende Anbieter von Festnetz- und Mobiltelefonie wie auch von Internet-Fernsehen. Im Jahr 2016 erzielte PT Portugal einen Umsatz von 2,3 Mrd Euro (Ebitda: 1,1 Mrd).

Für die Übernahme von Media Capital durch Altice ist noch die Zustimmung der portugiesischen Regulierungs- und Kartellbehörden erforderlich, darunter die Medien- und Kommunikationsaufsicht ERC und die Kartellbehörde AdC. Bereits am 14. Juli empfingen der liberal-konservative portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa und der sozialdemokratische Ministerpräsident Antonio Costa in Lissabon Patrick Drahi anlässlich des Media-Capital-Deals zu Gesprächen. Costa, der mit einer Minderheitsregierung mit Unterstützung des Linksblocks und der Kommunisten regiert, hatte jüngst das von Altice geführte Management bei PT Portugal kritisiert.

28.08.2017 – me/MK