EU: Europäische Rundfunkunion startet Initiative für Qualitätsjournalismus

09.08.2017 • Die europäische Rundfunkunion EBU hat eine Initiative für Qualitätsjournalismus auf den Weg gebracht. Deren Ziel sei es, die Nachrichtenredaktionen der EBU-Mitglieder in die Lage zu versetzen, ihr Angebot an die Zuschauer und Hörer neu zu definieren und zu positionieren, teilte die EBU mit. „Die Mitglieder stehen jetzt beispiellosen Veränderungen gegenüber und wir wollen prüfen, welche neuen Dienste wir anbieten können, um die neuen Anforderungen zu erfüllen“, erklärte EBU-Mediendirektor Jean Philip De Tender am 30. Juni in Dublin. An diesen Tag fand in der irisch en Hauptstadt die 78. Generalversammlung der EBU statt, auf der die Initiative für Qualitätsjournalismus vorgestellt wurde. Die 1950 gegründete europäische Rundfunkunion ist die Dachorganisation für 73 öffentlich-rechtliche und staatliche Rundfunksender in 56 Ländern Europas und des Mittelmeerraums, darunter ARD und ZDF. Der Sitz der EBU ist in Genf.

De Tender verwies darauf, dass die EBU bereits ein „sehr populäres User Generated Content Verification Network gegründet“ habe, das täglich bis zu 40 geprüfte Bildberichte für die Mitglieder bereitstelle. Außerdem habe man vor kurzem ein Netzwerk von Chefredakteuren ins Leben gerufen worden, um weitere Schwerpunkte auf dem Gebiet des Journalismus zu definieren. Grundlage für die nun in Dublin vorgestellte Initiative ist der EBU-Bericht „Perfect Storm“. Darin werden zum einen die Herausforderungen dargestellt, denen sich Anbieter von öffentlich-rechtlichen Nachrichten ausgesetzt sehen. Zum anderen werden in dem Bericht erste Vorschläge gemacht, wie die EBU-Mitglieder auf die sich verändernden Anforderungen reagieren können.

Die Rundfunksender gerieten, so heißt es in dem Bericht, aus vielen Richtungen unter Druck. Es gebe politische und wirtschaftliche Gefahren sowie eine veränderte Mediennutzung. Hinzu komme, dass die Sender mit weniger Geld auskommen müssten, aber zugleich Zuschauern und Hörern mehr Inhalte bieten müssten. Auch müssten sich die Sender mit Fake News auseinandersetzen, die das Vertrauen in die Medien untergraben und die Stabilität demokratischer Gesellschaften bedrohen würden.

Die EBU ist nun auch der vom Europarat initiierten Plattform für den Schutz des Journalismus und für die Förderung der Sicherheit von Journalisten beigetreten. Im Rahmen der Generalversammlung der EBU in Dublin unterzeichneten deren Präsident Jean Paul Philippot und Europarat-Generalsekretär Torbjørn Jagland ein entsprechendes Partnerschaftsabkommen. Mit Hilfe der Plattform hat sich der Europarat zum Ziel gesetzt, in seinen Mitgliedsländern Verstöße gegen die Medienfreiheit zu dokumentieren und zu verfolgen. Zu den 47 Mitgliedern des Europarates gehören beispielsweise mit der Türkei, Russland, der Ukraine, Aserbaidschan und Serbien auch Länder, in denen die Presse- und Medienfreiheit zum Teil massiv eingeschränkt ist.

Noel Curran neuer Generaldirektor

Im Rahmen der EBU-Generalversammlung in Dublin wurde auch der künftige Generaldirektor der Rundfunkorganisation vorgestellt: Noel Curran übernimmt Anfang September 2017 diese Position. Er wird dann von Genf aus das Tagesgeschäft der EBU leiten. Curran, ehemaliger Intendant des öffentlich-rechtlichen Irischen Rundfunks RTE, tritt die Nachfolge von Ingrid Deltenre an. Die 56-Jährige hatte im Februar 2017 angekündigt, die EBU zu verlassen und sich künftig auf ihre Verwaltungs- und Aufsichtsratsmandate zu konzentrieren (vgl. MK-Meldung). Deltenre war Anfang Januar 2010 EBU-Generaldirektorin geworden, zuvor war sie ab 2004 Direktorin des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens (SF).

Dass der Ire Noel Curran künftig die EBU als Generaldirektor leiten wird, hatte die Rundfunkorganisation am 29. Mai bekanntgegeben. Der 51-jährige Curran stammt aus der Grafschaft Monaghan an der Grenze zu Nordirland. Er studierte Kommunikation und Europawissenschaften am Trinity College in Dublin und an der Dublin City University; er spezialisierte sich auf nationale und internationale Rundfunkpolitik. Curran begann seine berufliche Laufbahn als Wirtschaftsjournalist bei einer Zeitschrift. Von 1992 bis 2000 arbeitete er dann als Reporter, Produzent und Redakteur für den öffentlich-rechtlichen irischen Rundfunk RTE. In dieser Zeit war er auch Chefproduzent des Eurovision Song Contests (ESC) 1997, der in Dublin stattfand.

Im Jahr 2000 wechselte Curran zur unabhängigen Produktionsfirma Andec Media, die er aber nach kurzer Zeit wieder verließ, um zu RTE zurückzukehren. Dort war er dann ab 2001 zunächst als Redakteur für aktuelle Programme zuständig, bevor er im Jahr 2003 RTE-Fernsehdirektor wurde. Anfang Februar 2011 stieg er zum Generaldirektor des irischen Rundfunks auf, den er in der Folge finanziell und strukturell reformierte. Seinen Posten als RTE-Generaldirektor gab Curran nach einer rund fünfjährigen Amtsperiode im Mai 2016 ab. Kurz bevor Curran RTE verließ, wurde er von der Dublin City University zum „Adjunct Professor“ für Journalismus berufen. Noel Curran ist mit der Sängerin Eimear Quinn verheiratet, der Gewinnerin des Eurovision Song Contests 1996.

09.08.2017 – Mathias Ebert

Print-Ausgabe 24/2017

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