„Um denselben Neger zu filmen“

03.12.2017 • Am 1. April 1963 startete das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF). Einige Wochen vor dem Sendestart gab es im Februar 1963 im Rahmen einer Titelgeschichte über das neu entstehende „Mainzer Fernsehen“ auch ein großes „Spiegel“-Gespräch (Ausgabe Nr. 8/1963) mit ZDF-Intendant Prof. Karl Holzamer. Und es ist ja immer wieder interessant, solche Texte unter (medien)historischen Gesichtspunkten und angesichts der inzwischen geschehenen größeren oder kleineren Veränderungen noch einmal zu lesen, etwa wenn man einen solchen Text gerade zufällig gefunden hat. Die letzte Frage an Holzamer lautete in dem nun fast 55 Jahre zurückliegenden Gespräch zum Beispiel so:

„Die bereits bestehenden neun [ARD‑]Fernsehanstalten haben doch untereinander schon große Schwierigkeiten mit der Koordination – es soll ja vorkommen, daß sich Reporterteams im afrikanischen Busch begegnen, um denselben Neger zu filmen.“

Holzamer antwortet darauf mit dem Satz: „Es wird konkret manche Schwierigkeiten geben.“ Woraufhin der „Spiegel“ auf seine klassische Art das letzte Wort hat: „Herr Professor, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.“

In der Anfangspassage des Gesprächs sagt Holzamer, als er gefragt wird, was er am Ersten Programm vermisse: „Man vermisst beispielsweise eine persönliche Note, also im Kontakt auch mit dem Fernsehteilnehmer.“ Und der „Spiegel“ fragt: „Wie soll Ihre persönliche Note im speziellen Fall aussehen?“ Holzamer: „Wir überlegen zur Zeit eine Sendung 'In eigener Sache' einzuführen - jede Woche, wenn es geht, mindestens aber alle vierzehn Tage eine Viertelstunde. Eine Sendung, in der ich, in der die Direktoren in Verbindung zu bringen sind mit dem Fernsehteilnehmer: in der die Teilnehmerpost, in der die Kritik, in der bestimmte Erwartungen diskutiert werden, in der unter Umständen jemand, der kritisiert hat, oder jemand, der uns geschrieben hat, persönlich auch noch einmal vorgestellt wird.“ Eine Antwort, die heutzutage – Stichwort: Transparenz – durchaus wieder Aktualität hat. (Hier der Link zu dem kompletten „Spiegel“-Gespräch.)

03.12.2017 – MK