Ein Interview, kein Boxkampf

«Politiker und Personen in der Öffentlichkeit sind heute gut trainiert darin, nicht auf Fragen zu antworten, wenn sie das nicht wollen. Ausdauer ist sehr wichtig. Ich lasse mich nicht abschütteln. Ab und zu beinhaltet das Unterbrechungen, wenn ich glaube, dass mein Gast nur spricht, um Zeit zu beanspruchen und eine direkte Antwort zu vermeiden. Dann unterbreche ich – üblicherweise entschuldige ich mich dafür – und sage, es wäre nett, wenn Sie die Frage beantworten würden. Es geht um Tonalität und Einstellung. Und ich versuche, dabei nicht aggressiv oder persönlich rüberzukommen. Ich sehe das Interview nicht als Boxkampf, bei dem eine Seite gewinnt und eine verliert. Ich versuche aufrichtig, für das Publikum zu arbeiten, um neue Einblicke und Informationen zu bekommen – hoffentlich etwas Interessantes. Dafür muss man nicht aggressiv sein, aber hartnäckig.»

Der BBC-Journalist Stephen Sackur in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ (4.4.17) über Interview-Führung. Sackur führt seit 2005 Interviews für das Format „Hardtalk“, das sowohl bei BBC World News (Fernsehen) als auch im BBC News Channel (Radio) ausgestrahlt wird. Das Interview mit Sackur führte „Standard“-Redakteur Sebastian Fellner und ist nachzulesen auf derstandard.at.

05.04.2017 – MK